Russlands Milchimporte steigen um 9,94 %, Speiseeisimporte um 26,72 %
Russland importierte von Januar bis Juni 2026 insgesamt 406 Millionen Liter Milchprodukte, 9,94 % mehr als im Vorjahr. Belarus trug maßgeblich zum Wachstum bei, während die Speiseeisimporte um 26,72 % stiegen und die russische Produktion sank.
Importe wachsen schneller als die heimische Produktion
Russland importierte von Januar bis Juni 2026 insgesamt 406 Millionen Liter Milchprodukte. Das waren 9,94 % mehr als im Vorjahreszeitraum, wie Berechnungen des Zentrums für die Entwicklung zukunftsweisender Technologien (CRPT), Betreiber des nationalen Kennzeichnungssystems Chestny Znak, zeigen. Auch die inländische Produktion nahm zu, allerdings langsamer: Russische Betriebe erzeugten rund 5,86 Milliarden Liter, ein Plus von 2,26 %.
Das gesamte Angebot an Milchprodukten auf dem russischen Markt stieg im ersten Halbjahr 2026 um 3 % auf 6,2 Milliarden Liter. Das CRPT erklärte gegenüber Kommersant, der Importanteil liege weiterhin bei höchstens 6–6,5 %. Ausländische Produkte bleiben damit ein relativ kleiner Teil des Gesamtmarktes, obwohl ihre Wachstumsrate über derjenigen der russischen Produktion lag.
Belarus baut seine Stellung aus
Die Einfuhren konzentrieren sich zunehmend auf die Eurasische Wirtschaftsunion. Der Anteil ihrer Mitgliedstaaten erhöhte sich binnen eines Jahres von 94 % auf 96,7 %. Den größten Beitrag zum Wachstum leistete Belarus, während die Lieferungen aus anderen Ländern zurückgingen, sagte Artem Belov, Generaldirektor des Nationalen Verbands der Milcherzeuger Soyuzmoloko.
Belov zufolge sorgen administrative Instrumente in Belarus für niedrigere Ankaufspreise bei Rohmilch und damit auch für günstigere Endprodukte. Russische Hersteller kämpfen dagegen mit steigenden Produktionskosten und einer höheren Kreditbelastung. Logika Moloka, unter deren Dach die früheren russischen Danone-Aktivitäten gebündelt sind, erklärte, alle einheimischen Produzenten spürten den Wettbewerb durch belarussische Waren. Der Einzelhandel bewertet die Lage anders: Stanislav Bogdanov, Vorsitzender des Verbands der Einzelhandelsunternehmen, sieht in Importen eine Ergänzung des Angebots und eine Erweiterung der Auswahl.
Nach Angaben des Einzelhandelsverbands stammen mehr als 90 % des Milchsortiments großer russischer Handelsketten aus lokaler Produktion. Belarussische Erzeugnisse einschließlich Käse halten dort seit mehreren Jahren einen stabilen Anteil von rund 7 %. Kleinere Mengen kommen aus China, Vietnam, Indonesien, Thailand und weiteren Ländern. Belov bezeichnete ausgewogene gegenseitige Lieferungen von Käse, Butter, Quark und Trinkmilch als wichtige Aufgabe der russisch-belarussischen Zusammenarbeit.
Speiseeis verzeichnet den stärksten Zuwachs
Speiseeis war die am schnellsten wachsende Importkategorie. Nach Angaben des CRPT stiegen die Einfuhren von Januar bis Juni um 26,72 % auf 14,7 Millionen Kilogramm. Der Importanteil am Marktangebot erhöhte sich von 3,7 % auf 4,7 %. Die russische Speiseeisproduktion entwickelte sich gegenläufig und sank um 1,72 % auf 296,27 Millionen Kilogramm.
Der Großteil des importierten Speiseeises kommt laut Belov aus Belarus und Kasachstan; von einer kleineren Basis aus nahmen auch die Lieferungen aus Südkorea zu. Das CRPT führt einen Teil des Wachstums auf die Nachfrage nach für russische Verbraucher neuen Geschmacksrichtungen zurück, während klassischer Sahne-Plombir Marktführer bleibt. Belov erklärte den Produktionsrückgang in Russland vor allem mit höheren Kosten und schwächerer Nachfrage, zu der auch die Witterung zu Jahresbeginn beitrug. Hinzu kam eine effizientere Bestandssteuerung.
Die Halbjahreszahlen zeigen zwei parallele Entwicklungen. Das gesamte Milchproduktangebot und die heimische Produktion in Russland wachsen weiter, doch günstigere Waren aus Belarus gewinnen in einzelnen Kategorien an Boden. Besonders deutlich ist dies bei Speiseeis: Stark steigende Importe trafen auf eine sinkende russische Produktion und erhöhten den Druck auf einheimische Hersteller, ohne die überwiegend lokale Marktstruktur grundlegend zu verändern.