Polen beantragt EU-Hilfe für Schweinehalter und warnt vor Ferkelimport-Abhängigkeit
Polen hat bei der Europäischen Kommission außerordentliche Finanzhilfen beantragt, da die heimischen Schweinepreise 7 % unter dem EU-Durchschnitt liegen. Zugleich wächst die Sorge über die Abhängigkeit von jährlich rund 8 Millionen importierten Ferkeln, vor allem aus Dänemark.
Brüssel prüft den polnischen Antrag
Die Europäische Kommission prüft einen polnischen Antrag auf außerordentliche Finanzhilfen für Schweinehalter, berichtet money.pl. Landwirtschaftsminister Stefan Krajewski stellte den Antrag nach monatelang sinkenden Erzeugerpreisen und einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage im Sektor. Das Ministerium strebt auf Grundlage der EU-Regeln zur gemeinsamen Organisation der Agrarmärkte Ausgleichszahlungen für Betriebe an, deren Produktion unrentabel geworden ist.
Die Schweinepreise in Polen liegen nach Angaben des Ministeriums derzeit 7 % unter dem EU-Durchschnitt. Eine Trendwende sei in den kommenden Monaten wegen saisonaler Preisbewegungen, historisch niedriger Preise auf dem europäischen Markt und des internationalen Angebotsdrucks durch die Preiskonkurrenz aus Brasilien und Kanada kaum zu erwarten. Die Kommission erklärte, sie werde den Schweinefleischmarkt in Polen und der gesamten EU weiter beobachten und bei Bedarf Maßnahmen ergreifen.
Produktion steigt trotz schwacher Margen
Der neue Antrag folgt auf ein erfolgloses polnisches Gesuch vom Dezember 2025. Damals kam die Kommission zu dem Schluss, dass die Voraussetzungen für außerordentliche Marktmaßnahmen nicht erfüllt seien. Trotz der Afrikanischen Schweinepest und volatiler Preise habe Polen einen der stärkeren Produktionszuwächse bei Schweinefleisch in der EU verzeichnet.
Von Januar bis August 2025 schlachteten polnische Betriebe 13,5 Millionen Schweine und produzierten 1,3 Millionen Tonnen Schweinefleisch. Die Erzeugung stieg nach Gewicht um 4,8 %, die Zahl der Schlachtungen um 3,5 % gegenüber dem Vorjahr. Im selben Zeitraum nahm das Schlachtgewicht in Spanien um 6,3 %, in Deutschland um 1,9 % und in Dänemark um 1 % zu. Bei einem Treffen am 17. Juli forderten die Erzeuger dennoch erneut außerordentliche Hilfen. Zudem verlangten sie, Schweine- und Rindfleisch in das polnische Warenüberwachungssystem SENT aufzunehmen und die Förderfonds für beide Sektoren abzuschaffen.
Import von 8 Millionen Ferkeln schafft Versorgungsrisiko
Neben der akuten Preiskrise besteht ein längerfristiges Produktionsproblem. Laut Farmer.pl importiert Polen jährlich rund 8 Millionen Ferkel, überwiegend aus Dänemark, für die heimische Mast. Vor zwei Jahrzehnten stützte sich das Land wesentlich stärker auf eigene Zuchtbestände. Dänische Genetik ermöglichte eine hohe Effizienz, während der Ferkelzukauf häufig günstiger war als die Haltung eigener Sauen. Viele Betriebe gaben deshalb die geschlossene Produktion auf.
Witold Choiński, Präsident des Verbands Polnisches Fleisch, warnte, Tierseuchen, geopolitische Störungen oder andere Schocks könnten die Lieferungen unterbrechen. Die fehlenden Tiere ließen sich nicht kurzfristig ersetzen, was Mastbetriebe und Fleischunternehmen mit kontinuierlichem Bedarf an Schlachtschweinen gefährden würde. Auch die dänische Umweltpolitik sorgt für Unsicherheit. Dänemark will ab 2030 eine Steuer auf Treibhausgasemissionen aus der Tierhaltung einführen. Farmer.pl betont jedoch, dass daraus nicht automatisch geringere Ferkelausfuhren folgen.
Sechs Branchenorganisationen arbeiten an einem mehrjährigen Programm zum Wiederaufbau des polnischen Sauenbestands, zum Ausbau der heimischen Ferkelerzeugung sowie für Investitionen und Marktänderungen. Unter Berufung auf eine Analyse von EY erklärt die Branche, dadurch könnten innerhalb von fünf Jahren fast 50 Milliarden Złoty in der polnischen Wirtschaft verbleiben. Die Finanzierung ist unter den aktuellen Bedingungen schwierig: Laut Choiński arbeitet die Fleischindustrie nahe der Gewinnschwelle, während Schlachtbetriebe seit Langem unrentabel sind und Margen von minus 1 % bis minus 2 % erzielen. Eine Brüsseler Hilfe könnte akute Verluste lindern. Die größere Aufgabe bleibt, die Importabhängigkeit zu senken, ohne die Finanzen der Erzeuger weiter zu schwächen.
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