Kroatien gründet Branchenverband, da heimisches Schweinefleisch nur gut die Hälfte des Bedarfs deckt
Kroatien hat die Branchenorganisation HRSM gegründet, um Schweinehalter, Fleischverarbeiter und Händler enger zu koordinieren. Die heimische Erzeugung deckt nur 50–55 % des Bedarfs, während Landwirte nach eigenen Angaben rund 0,50 € je Kilogramm verlieren.
Branche schließt sich nach langem Produktionsrückgang zusammen
Kroatien hat die Kroatische Branchenorganisation für Schweinefleisch, kurz HRSM, gegründet. Sie bringt Schweinehalter, Fleischverarbeiter und Einzelhändler in einem gemeinsamen Gremium zusammen, das den Binnenmarkt stabilisieren soll. Die Gründungsversammlung fand nach monatelanger Koordination durch das Landwirtschaftsministerium in Osijek statt. Landwirtschaftsminister David Vlajčić bezeichnete die Initiative als bedeutenden Schritt für eine Branche, deren Erzeuger lange einzeln am Markt auftraten und dadurch Wettbewerbsnachteile hatten.
Die Organisation nimmt ihre Arbeit auf, während die kroatische Schweinehaltung auf dem niedrigsten Stand seit 30 Jahren liegt. Laut Vlajčić deckt die heimische Schweinefleischproduktion lediglich 50–55 % des nationalen Bedarfs. Verarbeiter und Händler bleiben damit stark von Importware abhängig. Von Glas Slavonije befragte Erzeuger beziffern ihren Verlust auf rund 0,50 € je Kilogramm. Lebendschweine werden für 1,15 € je Kilogramm angeboten, doch einige Betriebe finden selbst zu diesem Preis keine Abnehmer.
Gemeinsame Regeln für Preise, Verträge und Lieferungen
Die HRSM soll Produktionsplanung, Vermarktung, Qualitätsstandards, Preisermittlung und Zahlungsbedingungen koordinieren. Krešimir Kuterovac, Koordinator des Gründungsausschusses, erklärte, die beteiligten Mitglieder repräsentierten rund 80 % der kroatischen Primärproduktion, 80 % der Fleischverarbeitungsunternehmen und 30 % der Handelsketten. Neben großen Agrar- und Lebensmittelunternehmen gehört auch eine Vertretung kleiner Schweinehalter dazu.
Nach der formellen Anerkennung durch das Landwirtschaftsministerium könnten die innerhalb der HRSM vereinbarten Regeln für den gesamten Markt gelten, auch für Nichtmitglieder, berichteten Index.hr und Tportal. Als Vorbilder dienen Branchenorganisationen in Frankreich, Spanien und Italien. Je nach Größe des Mitglieds liegt der jährliche Beitrag laut Glas Slavonije zwischen 2.500 € und 7.000 €.
Die Befürworter erwarten, dass verlässliche Verträge kurzfristige Absagen von Verarbeitern oder Einkäufern verhindern. Bislang können Tiere dadurch weitere ein bis zwei Monate in den Betrieben verbleiben. Erzeuger werfen Händlern zudem vor, stark verbilligtes Schweinefleisch aus Deutschland und anderen EU-Ländern als Lockangebot zu nutzen und damit die kroatischen Preise zu drücken. Die HRSM soll heimischen Lieferanten mehr Klarheit darüber verschaffen, wann, wohin und zu welchem Preis ihre Schweine verkauft werden. Produktionsziele oder Einfuhrbeschränkungen wurden jedoch nicht angekündigt.
Importe bleiben notwendig, Tierseuche erhöht den Druck
Langfristig will die Regierung den Selbstversorgungsgrad durch stabilere Produktion und Vermarktung erhöhen. Beim derzeitigen Niveau von 50–55 % müssen Importe jedoch weiterhin nahezu die Hälfte des kroatischen Verbrauchs abdecken. Eine Erholung der heimischen Erzeugung könnte deshalb die Nachfrage nach ausländischem Schweinefleisch und die Beschaffung der kroatischen Verarbeiter und Handelsketten verändern.
Zusätzlichen Druck verursacht die Afrikanische Schweinepest. Vlajčić zufolge wurden bis zum 10. Juli in den Gespanschaften Virovitica-Podravina und Osijek-Baranja 53 Ausbrüche bei Hausschweinen registriert. Rund 1.520 Tiere wurden getötet. In den Jagdgebieten beider Regionen wurden zudem rund 200 infizierte Wildschweine festgestellt. Die Regierung fordert die Betriebe zur konsequenten Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen auf, während die HRSM die wirtschaftlichen Probleme der Branche angeht.