Kasachstan stellt 80 Milliarden Tenge für die Viehwirtschaft bereit und plant Zukauf von 40.000 Rindern
Kasachstan stellt im Rahmen seines Komplexplans zur Entwicklung der Viehwirtschaft 80 Milliarden Tenge für die Jahre 2026 bis 2030 bereit und finanziert damit den Zukauf von 40.000 Rindern und 20.000 kleinen Wiederkäuern. 2026 wurden bereits 7.234 Rinder aus Drittstaaten importiert, Holstein-Partien kamen aus Dänemark, Deutschland und Russland. In der Branche ist strittig, ob die Milchverarbeitung die zusätzliche Menge aufnehmen kann.
Kasachstan stellt für die Entwicklung der Viehwirtschaft in den Jahren 2026 bis 2030 insgesamt 80 Milliarden Tenge bereit; die Betriebe wollen im Rahmen des Programms 40.000 Rinder und 20.000 kleine Wiederkäuer zukaufen, wie dairynews.today berichtet. Die Mittel sind im Komplexplan zur Entwicklung der Viehwirtschaft vorgesehen, der sowohl die Milch- als auch die Fleischerzeugung umfasst.
Als Schwerpunkte nennt der Plan die Erneuerung des Zuchtbestands und eine höhere Produktivität der Betriebe durch bessere Herdengenetik. Die zugekauften Tiere sollen auf wachsende Tierhaltungsbetriebe verteilt werden und nicht in einigen großen Holdings konzentriert bleiben.
Importe laufen dem Programm voraus
Nach Angaben von dairynews.today hat Kasachstan 2026 bereits 7.234 Rinder aus Drittstaaten eingeführt. Die Tiere erreichen die einzelnen Betriebe in Partien von wenigen Hundert Stück, überwiegend Holsteins aus Dänemark, Deutschland und Russland.
Zu den von dairynews.today gemeldeten Lieferungen gehören:
- Der Milchviehbetrieb Azia Milk im Gebiet Turkestan erhielt 165 Holstein-Jungrinder aus Dänemark; damit steigt sein Gesamtimport auf 330 Tiere.
- Die ebenfalls im Gebiet Turkestan gelegenen Betriebe Mailyken Ferm und Dar Organik hatten zuvor je 165 dänische Holsteins übernommen, sodass die drei Betriebe zusammen 660 Tiere dieser Rasse eingeführt haben.
- Der Milchkomplex Budennoe SK im Gebiet Nordkasachstan erhielt mit der fünften Lieferung 165 Holstein-Jungrinder aus Deutschland und kommt damit auf 825 importierte Tiere bei einem Ziel von 1.200.
- Der Milchviehbetrieb Moiyldy-Baykonur im Gebiet Ostkasachstan übernahm 224 tragende Holstein-Jungrinder aus der russischen Region Perm; die Anlage ist für 1.075 Rinder ausgelegt und verfügt über mehr als 4.500 Hektar Ackerland für die Futtererzeugung sowie über Maschinen und Ausrüstung.
Der Komplex Budennoe SK wurde im Herbst 2025 gebaut, erhielt 2026 die ersten Tiere und verzeichnete im März die ersten Kälber. Nach Abschluss der Lieferungen will der Betrieb die Anlage vollständig mit importierten Tieren belegen.
Genetik als ein Glied einer längeren Kette
In den von dairynews.today veröffentlichten Materialien wird der Zukauf von Zuchttieren als ein Glied einer Produktionskette behandelt, zu der auch Fütterung, Tiergesundheit, Herdenreproduktion und der Betrieb der Milchkomplexe gehören. Kasachstan hat bereits 97 Projekte zum Bau und zur Modernisierung von Milchviehbetrieben mit einer rechnerischen Gesamtkapazität von fast 560.000 Tonnen Milch pro Jahr finanziert.
Parallel steigen die Logistikkosten. Branchenkommentare bei dairynews.today verweisen darauf, dass die Betriebe nach dem vom kasachischen Regulierer verhängten Einfuhrverbot für Rinder aus Ungarn faktisch den Landweg für Zuchtvieh aus der Europäischen Union im Transit durch Russland verloren haben – die kosten- und tierschonendste Variante – und auf Lufttransport ausweichen müssen, was die Kosten der eingeführten Jungtiere erhöht.
Verarbeitungskapazität bleibt die offene Frage
In der Branche gehen die Einschätzungen auseinander, ob die Milchverarbeitung die zusätzlichen Mengen aufnehmen kann. Eine von dairynews.today wiedergegebene Bewertung sieht ein wachsendes Ungleichgewicht zwischen Produktionswachstum und Verarbeitung: Die Betriebe wachsen schnell, die Werke langsamer, und irgendwann können die Verarbeiter nicht mehr alle Milch abnehmen – daraus entsteht der Anreiz, die Einkaufspreise zu senken, was die Rentabilität trifft und die Amortisationszeit der Projekte verlängert. Eine andere Position lautet, dass die Verarbeitungsbetriebe derzeit unterausgelastet sind, weshalb die Tierzahlen weiter erhöht, illegale Ausfuhren von Vieh verhindert und die Subventionen für Mutterviehbestände beibehalten werden sollten.
Neue Kapazitäten sind in Vorbereitung. Ein von dairynews.today zitierter Produzent plant ein Werk mit einer Verarbeitungsleistung von 300 Tonnen Milch pro Tag und einer Käseproduktion von 60 bis 100 Tonnen im Monat und weist darauf hin, dass es in Kasachstan nur wenige Werke mit mehr als 300 Tonnen gibt und dass solche Mengen eine eigene Rohmilchbasis erfordern.
Der Wettbewerbsdruck im Inland bleibt hoch. Von dairynews.today zitierte Produzenten arbeiten nach eigenen Angaben an der Rentabilitätsgrenze, während russische und belarussische Wettbewerber den Preisdruck verstärken; sie fordern von Handelsketten und Staat Unterstützung, um gegenüber Importen Regalplatz zu halten. Auf der Exportseite verweisen Branchenstimmen auf die anhaltende Nachfrage Chinas nach Milchprodukten und die vergleichsweise niedrigen Kosten Zentralasiens in Ackerbau und Futtererzeugung sowie auf das Potenzial der Weiterverarbeitung, etwa von Milchprotein.