Frankreichs Rinderhalter protestieren gegen Preissenkungen von Bigard
Rund 1.500 Rinderhalter demonstrierten vor 15 Schlachthöfen von Bigard gegen sinkende Tierpreise seit April. Händler verweisen auf schwächere Exporte nach Italien und Spanien, während Erzeuger Bestandsabbau, Tierseuchen und höhere Kosten anführen.
Proteste an 15 Standorten von Bigard
Rund 1.500 Rinderhalter haben am Dienstag vor 15 Schlachthöfen der Bigard-Gruppe demonstriert, dem führenden Unternehmen der französischen Rindfleischindustrie. Das berichtete Le Dauphiné. Organisiert wurden die Kundgebungen vom Rinderhalterverband FNB gemeinsam mit den Netzwerken FNSEA und Jeunes Agriculteurs.
Die Erzeuger wenden sich gegen den seit April starken und aus ihrer Sicht nicht gerechtfertigten Rückgang der Rinderpreise. FNB-Präsident Patrick Bénézit erklärte, bei jungen Kälbern und zur weiteren Mast bestimmten Absetzern könne der Abschlag bis zu 600 € je Kopf erreichen. Betroffen sind sowohl Schlachttiere als auch zur Mast exportierte Rinder.
Händler verweisen auf schwächere Exportmärkte
Der französische Viehhändlerverband FFCB begründete den Preisrückgang mit der Marktlage und nicht mit einer willkürlichen Entscheidung der Käufer. Seit Jahresbeginn seien die französischen Absetzerexporte nach Italien gegenüber 2025 um 10,1 % und nach Spanien um 9,6 % gesunken. Beide Länder sind bedeutende Abnehmer französischer Rinder für die Endmast.
Nach Darstellung des FFCB weichen Käufer auf andere Lieferländer aus, darunter Anbieter außerhalb der EU, wenn französische Preise dauerhaft über denen konkurrierender Herkünfte liegen. Zusätzlich belaste ein starker Rückgang des französischen Inlandskonsums in den vergangenen Monaten den Markt. Der Verband führt die niedrigeren Preise somit auf schwächere Absatzmöglichkeiten im Export und im Inland zurück.
Erzeuger sehen ein knappes Angebot
Bénézit widersprach dieser Einschätzung und verlangte, auch die sinkende Verfügbarkeit zu berücksichtigen. Wegen des Abbaus des französischen Mutterkuhbestands und der Blauzungenkrankheit erwartet das Viehzuchtinstitut, dass im Herbst 100.000 männliche Kälber weniger auf den Markt kommen. Der FNB-Präsident erklärte zudem, der Inlandskonsum sei lediglich um 0,6 % gesunken, und stellte damit die von den Händlern beschriebene starke Schrumpfung infrage.
Für die Betriebe sind die niedrigeren Tierpreise nach eigenen Angaben kaum tragbar, weil die laufenden Kosten gestiegen sind und die Dürre das Futterangebot verringert hat. Haltung und Mast werden teurer, während der Erlös je Tier sinkt. Im Streit geht es deshalb nicht nur um die aktuelle Nachfrage, sondern auch darum, ob die Preise das künftig knappere Angebot und die höheren Produktionskosten angemessen abbilden.
Weiterer Bestandsabbau droht
Der FNB warnte, anhaltend niedrige Preise könnten den bereits laufenden Abbau des französischen Kuhbestands beschleunigen. Ein weiterer Rückgang der Mutterkühe würde das künftige Kälberangebot begrenzen und die verfügbaren Mengen für Schlachthöfe, Viehhändler und ausländische Mäster reduzieren. Für Bigard und andere Verarbeiter könnte dies später einen stärkeren Wettbewerb um weniger heimische Tiere bedeuten.
Bénézit bezeichnete die Demonstrationen vom Dienstag als Warnsignal und kündigte deutlich härtere Forderungen an, falls sich die Preise nicht erholen. Die Marktparteien bleiben uneins: Händler betonen fehlende Absatzmöglichkeiten und internationalen Preiswettbewerb, Landwirte das knappe Angebot, Seuchenfolgen und ihre Kosten. Die weitere Preisentwicklung entscheidet darüber, ob der Konflikt Gegenstand geschäftlicher Verhandlungen bleibt oder zu breiteren Aktionen im französischen Rindfleischsektor führt.