Rekordpreise beschleunigen Argentiniens Rückkehr auf den globalen Rindfleischmarkt
Argentinien steigert seine Rindfleischexporte, nachdem Handelsbeschränkungen gelockert und die Exportsteuer von 9% auf 6,75% gesenkt wurden. In den zwölf Monaten bis Mai erreichten die Ausfuhren 886.600 Tonnen, während der heimische Verbrauch weiter sank.
Neue Exportpolitik lässt Lieferungen steigen
Argentinien baut seine Stellung auf dem globalen Rindfleischmarkt wieder aus. Historisch hohe Weltmarktpreise treffen dabei auf einen grundlegenden Kurswechsel in der heimischen Handelspolitik. Newmoney zufolge hat die Regierung von Präsident Javier Milei seit 2024 Exportbeschränkungen gelockert, die Ausfuhrsteuer auf Rindfleisch von 9% auf 6,75% gesenkt und nach mehr als 50 Jahren den Export lebender Rinder wieder zugelassen.
Die Regierung verfolgt zudem Handelsabkommen, die argentinischem Rindfleisch einen breiteren Zugang zu den USA und zur Europäischen Union eröffnen. Damit sollen Produktion und Ausfuhren steigen und zusätzliche Devisen ins Land kommen. Agrarrohstoffe bleiben eine entscheidende Quelle der argentinischen Außeneinnahmen.
Die Lieferungen nehmen bereits zu. Im Mai erreichten die Rindfleischexporte nach den von Newmoney angeführten Daten 73.000 Tonnen, 10,6% mehr als ein Jahr zuvor. Auf rollierender Zwölfmonatsbasis stiegen sie um 4,4% auf 886.600 Tonnen. Die Verkäufe in die USA sprangen um 158% auf 348 Millionen $.
Viehhalter bereiten höhere Produktion vor
Die besseren Exporterlöse verändern die Produktionsentscheidungen. Viehhalter mästen Rinder auf höhere Gewichte und behalten mehr weibliche Tiere zur Zucht, um den nationalen Bestand zu vergrößern. Rosgan, Argentiniens größte Viehbörse, erwartet, dass die jährlichen Rindfleischexporte binnen vier Jahren um bis zu 50% steigen und ab 2029-2030 mehr als 1,5 Millionen Tonnen erreichen könnten.
Diese Expansion würde zusätzliche Mengen auf einen angespannten Weltmarkt bringen. Die begrenzte Produktion in den USA und Europa hat zusammen mit der starken Nachfrage die Fleischpreise auf Rekordstände getrieben. Der Fleischpreisindex der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen erreichte der Quelle zufolge im Juni 131 Punkte. Das waren 0,4% mehr als im Mai und 4% mehr als im Vorjahr sowie der höchste Wert seit Beginn der Datenreihe.
Für argentinische Anbieter könnte der europäische Markt an Bedeutung gewinnen. Laut Newmoney schafft die vorläufige Anwendung des Handelsabkommens EU–Mercosur seit dem 1. Mai 2026 neue Möglichkeiten für Rindfleisch aus Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay. Das Abkommen sieht eine jährliche Quote von 99.000 Tonnen zu einem Vorzugszoll von 7,5% vor, deutlich unter den zuvor geltenden Belastungen.
Heimische Verbraucher spüren den Preisdruck
Die Exportzunahme fällt in eine Zeit, in der Rindfleisch im Inland weniger erschwinglich wird. Der argentinische Pro-Kopf-Verbrauch lag im Mai auf rollierender Zwölfmonatsbasis bei 47,4 Kilogramm und damit 6,4% unter dem Vorjahreswert, wie Daten des Landwirtschaftsministeriums zeigen. Das ist einer der niedrigsten Stände seit Jahrzehnten.
Nach Angaben von FADA verzehrte ein Argentinier 2006 im Durchschnitt 63,4 Kilogramm Rindfleisch. Damit ist der Konsum innerhalb von zwei Jahrzehnten um fast 30% gesunken. Erstmals in der modernen Geschichte des Landes hat Geflügelfleisch Rindfleisch als meistverzehrte Fleischart abgelöst.
Die Exportbelebung bringt damit einen klaren wirtschaftlichen Zielkonflikt. Erzeuger und Verarbeiter profitieren von einer stärkeren Auslandsnachfrage und besseren Margen, während zusätzliche Devisen ins Land fließen. Haushalte zahlen jedoch mehr für ein traditionell zentrales Lebensmittel. Ob Argentinien seine Herde schnell genug für beide Märkte ausbauen kann, entscheidet über die Dauerhaftigkeit seiner Rückkehr als großer Rindfleischexporteur.