Wetter, Kosten und Importdruck stürzen Minas Gerais’ Knoblauchsektor in die Krise
São Gotardo und Ibiá haben nach Wetterverlusten, steigenden Kosten und niedrigen Preisen für 180 Tage den wirtschaftlichen Notstand ausgerufen. Knoblauch erzielt R$11,00 je Kilogramm, kostet in der Produktion aber R$13,30 beziehungsweise R$16,30.
Zwei Anbauzentren rufen den Notstand aus
Zwei führende Knoblauchanbaugebiete im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais haben wegen der zunehmenden finanziellen Belastung ihrer Landwirte den wirtschaftlichen Notstand ausgerufen. Ungünstiges Wetter, steigende Produktionskosten und sinkende Preise treffen São Gotardo und Ibiá in der Region Alto Paranaíba. Die Maßnahmen gelten 180 Tage und können verlängert werden.
Estado de Minas berichtet von Ernteverlusten bei Knoblauch, Karotten und Kartoffeln infolge abrupter Wetterwechsel. Zugleich belasten höhere Kosten, schrumpfende Margen, Absatzprobleme und steigende Agrarschulden mehrere Produktionszweige. Die Erlasse streichen keine Verbindlichkeiten. Sie schaffen jedoch eine amtliche Grundlage für Anträge auf Kreditverlängerungen, Umschuldungen und Änderungen von Lieferverträgen für Betriebsmittel.
Erzeugerpreis liegt unter den Kosten
Beim Knoblauch ist die Finanzierungslücke besonders groß. Nach Angaben von Estado de Minas erhalten die Betriebe durchschnittlich R$11,00 je Kilogramm. Die Produktionskosten liegen in São Gotardo bei R$13,30 und in Ibiá bei R$16,30 je Kilogramm. Daraus ergeben sich geschätzte Nettoverluste von R$70.000 beziehungsweise R$71.500 je Hektar.
AgroPlanning berichtete unter Berufung auf das Dekret Nr. 263 von São Gotardo und eine technische Mitteilung des nationalen Knoblaucherzeugerverbands ANAPA, dass die Kosten in der Saison 2026 auf R$220.000 je Hektar gestiegen seien. Wetterprobleme drückten den Durchschnittsertrag der frühen Ernte auf 13,5 Tonnen je Hektar. Geringere Mengen und Preise unter den Kosten schränken die Fähigkeit der Betriebe ein, Kredite zu bedienen und die nächste Pflanzung zu finanzieren.
Importe verschärfen den Marktdruck
Erzeuger und Verbände verweisen außerdem auf Knoblauchimporte aus Argentinien und China. Laut AgroPlanning nennt der Erlass große Mengen mutmaßlich unterpreisiger Ware aus Argentinien und eine Dumpingspanne von 88,2 %. Zudem geht es um die Preisverpflichtung für chinesischen Knoblauch und um Gerichtsurteile, durch die ausländische Ware teilweise ohne Entrichtung des einschlägigen Antidumpingzolls eingeführt werden kann.
Bei einer Anhörung im Juni in São Gotardo forderten ANAPA und der Knoblaucherzeugerverband von Minas Gerais Änderungen der brasilianischen Importregelungen und eine konsequentere Durchsetzung der Antidumpingmaßnahmen, wie die gesetzgebende Versammlung des Bundesstaates berichtete. Minas Gerais ist demnach Brasiliens größter Knoblauchproduzent. Schwerpunkte liegen unter anderem in Arapuá, Rio Paranaíba, Patrocínio, Sacramento, Tiros und São Gotardo.
ANAPA gibt an, der Bundesregierung mehr als 70 offizielle Schreiben zu den Wettbewerbsbedingungen vorgelegt zu haben. Der Verband verlangt den Abschluss der Prüfungen und Maßnahmen zu Lieferungen aus Argentinien und China. Ein 2026 eingebrachter Gesetzentwurf sieht eine Schutzpolitik für Erzeuger, Nachweise über die steuerliche, zollrechtliche und gesundheitliche Konformität importierter Ware sowie ein Register für Importeure vor. Der Entwurf wartet auf eine Ausschussbewertung.
Nächste Pflanzung entscheidet über das Angebot
Die Notstandserklärungen bilden vor allem eine Grundlage für finanzielle Hilfen und greifen nicht unmittelbar in den Markt ein. Entscheidend ist, ob Banken, Lieferanten und Behörden einer Neuordnung der Verbindlichkeiten zustimmen. Ohne Entlastung könnten Verluste ab R$70.000 je Hektar Betriebe dazu bringen, Flächen zu reduzieren oder den Anbau aufzugeben.
Für Verarbeiter, Großhändler und Importeure würde eine geringere Erzeugung in Minas Gerais die Bedeutung ausländischer Ware erhöhen. Derzeit herrscht allerdings kein Mangel; das Problem sind niedrige heimische Erzeugerpreise. Offen bleibt, ob diese nach den wetterbedingten Ertragseinbußen genügend Kapital für die Fortsetzung der Produktion liefern.