Uruguay strebt breiteren Zugang zu Vietnams Rindfleisch- und Milchmarkt an
Uruguay will den Absatz von Rindfleisch, Rinderprodukten und Milcherzeugnissen in Vietnam ausbauen und seine Exportmärkte diversifizieren. Der bilaterale Handel erreichte 2025 insgesamt 268,42 Millionen $, doch Vietnams Importe aus Uruguay sanken im ersten Halbjahr 2026 um 22,7 %.
Uruguay präsentiert sein Agrarangebot in Hanoi
Uruguay verstärkt seine Bemühungen, Vietnam als Markt für Rindfleisch, Rinderprodukte und Milcherzeugnisse zu entwickeln. Dabei verbindet das Land die Absatzförderung mit Gesprächen über regulatorischen Marktzugang. Bei einer Veranstaltung der uruguayischen Botschaft in Hanoi am 18. August stellten Vertreter der nationalen Fleisch- und Milchinstitute vietnamesischen Unternehmen das weidebasierte Produktionssystem des Landes vor.
Wie Nhân Dân berichtete, bat Uruguay Vietnam, die Verfahren zur Marktöffnung für uruguayisches Fleisch und andere Tierprodukte zu beschleunigen. Matías Carámbula, Uruguays stellvertretender Minister für Viehzucht, Landwirtschaft und Fischerei, nannte Fleisch als kurzfristige Priorität, insbesondere lebende Rinder und daraus hergestellte Produkte. Beide Regierungen wollen zudem weitere Agrargüter mit Handelspotenzial bestimmen.
Exportabhängigkeit verlangt neue Absatzmärkte
Das Interesse an Vietnam spiegelt die Exportabhängigkeit der uruguayischen Viehwirtschaft wider. Gastón Escayola, Präsident des Nationalen Fleischinstituts von Uruguay, erklärte, dass das Land 80 % seiner Produktion exportiere und deshalb eine breite Streuung der Absatzmärkte benötige. Er bezeichnete Südostasien als wichtige Region und verwies auf Vietnams Wirtschaftswachstum und steigendes Pro-Kopf-Einkommen.
Uruguay wirbt mit Produktionsmerkmalen, die seinen Antrag auf Marktzugang stützen sollen. Die Rinder werden auf natürlichen Weiden gehalten; Wachstumshormone und Stimulanzien sind verboten. Zudem erfasst ein Identifikationssystem Gesundheit und Herkunft jedes Tieres ab der Geburt. Für vietnamesische Importeure und Behörden sind diese Kontrollen bei der Bewertung von Lebensmittelsicherheit, Rückverfolgbarkeit und Lieferzuverlässigkeit relevant.
Milchbranche setzt auf ganzjährige Weidehaltung
Ricardo de Izaguirre, Präsident des Nationalen Milchinstituts von Uruguay, erklärte, das gemäßigte Klima und die Bewässerung hielten das Graswachstum auch bei Wassermangel und Dürre aufrecht. Milchkühe grasen das ganze Jahr; während der Milchproduktion ist der Einsatz von Antibiotika verboten. Das Angebot umfasst Milch und verarbeitete Milcherzeugnisse, die bereits zu Vietnams wichtigsten Importwaren aus Uruguay zählen.
Uruguay sieht in seinem stabilen institutionellen Umfeld und der Einhaltung internationaler Regeln die Grundlage für eine Rolle als verlässlicher Agrarlieferant. Matías Carámbula bot das Land zugleich als Brücke für eine stärkere Präsenz vietnamesischer Waren in Lateinamerika an. Vietnam hob seinerseits Uruguays Rolle im MERCOSUR hervor und forderte eine Agrarkooperation, die Interessen und Produktionsstärken beider Seiten berücksichtigt.
Handel wächst, Importe aus Uruguay sinken
Der bilaterale Warenhandel erreichte 2025 laut den von Nhân Dân angeführten Statistiken 268,42 Millionen $, 58,4 % mehr als 2024. Vietnam exportierte Waren im Wert von 179,92 Millionen $ nach Uruguay, ein Plus von 64,8 %. Die vietnamesischen Importe aus Uruguay stiegen um 46,8 % auf 88,50 Millionen $.
In den ersten sechs Monaten 2026 wuchs der Handel gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 21,8 % auf 148,35 Millionen $. Die Bilanz verschob sich weiter zugunsten Vietnams: Seine Exporte stiegen um 57,5 % auf 106,52 Millionen $, während die Importe aus Uruguay um 22,7 % auf 41,83 Millionen $ fielen. Dieser Rückgang erhöht Uruguays Anreiz, Zulassungen für weitere Agrarprodukte zu erhalten und das Lieferwachstum wiederzubeleben.
Vietnam bezieht aus Uruguay vor allem Holz und Holzwaren, Milch und Milcherzeugnisse, Weizen, Futtermittel und deren Ausgangsstoffe, Chemikalien sowie Vorprodukte für Textilien, Leder und Schuhe. Vietnams Exporte umfassen Telefone und Komponenten, Schuhe, Spielzeug und Sportartikel, Bekleidung, Computer und Elektronik sowie Maschinen. Ein breiterer Zugang für Rindfleisch und Rinderprodukte könnte Uruguays Seite der Handelsbeziehung über das bestehende Sortiment hinaus erweitern.