Österreichs Rekorddürre senkt Ernten und belastet Wasser, Tierhaltung und Infrastruktur
Österreich erlebt das trockenste Jahr seit Messbeginn: Die Getreideernte sank um mehr als 20%, bei Mais werden 30–50% weniger erwartet. Futtermangel und niedrige Grundwasserstände erhöhen zugleich den Druck auf Lebensmittelpreise, öffentliche Haushalte und Infrastruktur.
Ernteverluste erfassen Österreichs Landwirtschaft
Österreich erlebt laut Wiener Zeitung das trockenste Jahr seit Messbeginn. Anhaltende Hitze und fehlender Niederschlag beeinträchtigen Landwirtschaft, Lebensmittelpreise, Wasserversorgung, Stromerzeugung und Bahninfrastruktur. Die bereits abgeschlossene Getreideernte lag mehr als 20% unter dem Vorjahresniveau, wobei der extrem trockene August für diese Kulturen zu spät kam, um noch erheblichen zusätzlichen Schaden anzurichten.
Die Landwirtschaftskammer Österreich erwartet bei Mais einen Produktionsrückgang von 30–50%. Selbst die als hitzeresistent geltende Kultur litt unter den außergewöhnlichen Bedingungen. Bewässerung ist in vielen Fällen zu teuer, um sich wirtschaftlich zu rechnen. Auch bei Zuckerrüben, Kürbissen, Sojabohnen und Sonnenblumen werden Einbußen erwartet, deren endgültiges Ausmaß erst nach der Ernte feststehen wird.
Die Herbstaussaat beginnt nun in staubtrockenem Boden. Andreas Pfaller, Leiter des Referats Pflanzliche Erzeugnisse bei der Landwirtschaftskammer, erklärte, dass der notwendige Regen möglicherweise erst im Oktober kommt. Er rechnet damit, dass Betriebe besonders kostenintensive und wetterempfindliche Kulturen wie Zuckerrüben überdenken. Auch die Kartoffelfläche könnte sinken.
Niedrige Erträge treffen auf schwache Erzeugerpreise
Der Produktionsausfall folgt auf ein Jahr mit weltweit überdurchschnittlichen Ernten, die die Rohstoffpreise gedrückt haben. Österreichische Betriebe müssen deshalb niedrige Erträge bei weiterhin schwachen Erzeugerpreisen verkraften. Der Dürreschaden wird auf mindestens 1 Milliarde € geschätzt. Die Bundesregierung hat für dieses Jahr Dürrehilfen von 240 Millionen € für betroffene Landwirte beschlossen. Die Prämie für die Hagelversicherung soll im kommenden Jahr um 10% sinken.
In der Tierhaltung fehlt zusätzlich Futter. Vertrocknete Almwiesen sowie Ausfälle bei Heu und Silomais verursachen in manchen Regionen ein Defizit von bis zu 50%. Derzeit werden pro Woche rund 1.000 Rinder mehr als üblich geschlachtet, überwiegend ältere Milchkühe. Ein Teil des Fleisches wird für Burger-Patties genutzt, ein anderer für den späteren Verkauf gekühlt. Auch Mastbetriebe könnten ihre Bestände verringern, wodurch in einem Jahr weniger Schlachtrinder und Rindfleisch verfügbar wären.
Importe verhindern Engpässe, Preise könnten steigen
Nach Einschätzung der Wiener Zeitung sind keine echten Versorgungsengpässe zu erwarten, weil Österreich mehr importieren oder weniger exportieren kann. Heimische Ware dürfte vor allem in Supermärkten und der Gastronomie präsent bleiben, wo die Herkunftskennzeichnung für Käufer wichtig ist. In verarbeiteten Lebensmitteln könnte der österreichische Anteil jedoch sinken, während die Verbraucherpreise steigen könnten.
Wissenschaftler fordern eine langfristige Anpassung der Produktion. Marianne Penker, Professorin an der BOKU Wien, hält eine widerstandsfähigere Landwirtschaft für notwendig, um wiederkehrende Wetterextreme zu bewältigen. Sie verweist auf pflanzliche Proteine und Hülsenfrüchte als energiesparendere Alternativen zur Tierhaltung und stark gedüngten Kulturen. Hülsenfrüchte binden Stickstoff aus der Luft und können laut Penker den fossilen Energieaufwand für die Stickstoffversorgung gegenüber stark gedüngten Kulturen wie Mais um annähernd 100% reduzieren.
Grundwasser sinkt, künftiger Bedarf wächst
Die öffentliche Wasserversorgung erreicht weiterhin alle Kunden, doch die meisten Grundwasserstände liegen unter dem Normalwert. An fast jeder fünften Messstelle wurde der niedrigste jemals erfasste Wasserstand registriert. Einige Brunnen abgelegener Höfe sind ausgetrocknet oder liefern nur noch genug Wasser für Menschen. Tiere müssen dort von Feuerwehren oder Tankwagen versorgt werden. Einzelne Gemeinden untersagten bereits im April das Befüllen privater Pools.
Speicher und überregionale Netze dürften verhindern, dass eine Gemeinde vor dem nächsten ergiebigen Regen trockenfällt. Langfristig erwartet die Studie Wasserschatz Österreichs jedoch bis 2050 einen Anstieg des öffentlichen Wasserbedarfs um 11–15%, in manchen schnell wachsenden Städten sogar um bis zu 50%. Greenpeace warnte, dass 471 der rund 2.000 österreichischen Gemeinden bis 2050 von Wasserknappheit bedroht sein könnten. Wien und andere Kommunen bauen ihre Speicher aus, weil die Dürre Landwirtschaft, Wasserkraft, Trinkwasserversorgung und Verkehrsinfrastruktur zunehmend belastet.