Bio-Anteil bei frischen Lebensmitteln in Österreich erreicht Rekordwert von 13 Prozent
Der Bio-Anteil bei frischen Lebensmitteln in Österreich erreichte im ersten Halbjahr 2026 mit 13 Prozent einen Höchststand, wie RollAMA-Daten zeigen, über die ad-hoc-news.de berichtet. Der Rekord fällt in einen schrumpfenden Markt: Die Einkaufsmenge sank um 4,6 Prozent, die Ausgaben für landwirtschaftliche Produkte um 3,2 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro. Die Dürre kostet 50 bis 70 Prozent der Herbsternte.
Der Bio-Anteil bei frischen Lebensmitteln hat in Österreich im ersten Halbjahr 2026 mit 13 Prozent einen Höchststand erreicht und bringt das Land damit europaweit in eine führende Position. Das geht aus der RollAMA-Halbjahresbilanz hervor, über die ad-hoc-news.de berichtet. Der Rekord fällt in einen schrumpfenden Markt: Die Einkaufsmenge sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,6 Prozent, die Ausgaben der Haushalte für landwirtschaftliche Produkte beliefen sich auf 5,4 Milliarden Euro und damit um 3,2 Prozent weniger. Die RollAMA-Erhebung stützt sich auf eine Stichprobe von 2.800 Haushalten.
Der Rückgang konzentriert sich auf größere Haushalte. Familien mit Kindern kauften 14,5 Prozent weniger Frische-Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte, Haushalte mit vier oder mehr Personen verzeichneten ein Minus von 14,6 Prozent. Zwei-Personen-Haushalte schränkten sich mit 2,2 Prozent deutlich moderater ein.
Aktionsware und Eigenmarken gewinnen weiter an Gewicht
Mehr als jeder dritte Euro fließt inzwischen in Aktionsware. Der Aktionsanteil im RollAMA-Warenkorb stieg auf 34,3 Prozent nach 33,4 Prozent im Vorjahr und erreicht bei Fleisch und Wurstwaren 42,8 Prozent. Eigenmarken machen 66 Prozent der Gesamtausgaben im Lebensmitteleinzelhandel aus, bei Eiern sind es 80 Prozent, bei Gebäck 74 Prozent und bei der sogenannten Weißen Palette 72 Prozent.
Die Marktstruktur bleibt hochkonzentriert. Spar, Rewe, Hofer und Lidl vereinen knapp 90 Prozent des Geschäfts mit Grundnahrungsmitteln auf sich, allein die Diskonter erzielen ein Drittel der Umsätze. Fachhandel und Direktvermarktung kommen zusammen auf 8,6 Prozent.
Christina Mutenthaler-Sipek von AMA Marketing wies darauf hin, dass Konsumenten verstärkt nach Aktionen suchen und Spontankäufe abnehmen, das Bewusstsein für Herkunft und Qualität aber hoch bleibt. Eine begleitende Shopper-Studie von YouGov ergab, dass 44 Prozent das AMA-Gütesiegel bevorzugen, ein Zuwachs von fast vier Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr, und dass drei Viertel der Befragten Lebensmittel aus heimischer Produktion qualitativ als am besten einstufen. Die Studie zeigt zugleich einen Zwiespalt: 61 Prozent wollen das Leben im Hier und Jetzt genießen, während sich 74 Prozent beim Einkauf auf das Nötigste konzentrieren und ihre Einkäufe auf verschiedene Geschäfte verteilen.
Warengruppen driften auseinander: Huhn gewinnt, Butter verbilligt sich
Innerhalb der Warengruppen verlief das Halbjahr sehr unterschiedlich.
- Die Mengen bei Putenfleisch gingen um 20,8 Prozent zurück, bei Rind- und Kalbfleisch um 10,2 Prozent.
- Hühnerfleisch steigerte seinen Marktanteil von 28 Prozent im Jahr 2022 auf nunmehr 32 Prozent.
- Bei Rindfleisch stieg der Umsatz trotz geringerer Mengen um 4 Prozent.
- Butter lag preislich fast ein Drittel unter dem Vorjahr, was auf Milchfett-Überschüsse zurückgeführt wird.
- Grüner Salat verteuerte sich um 16 Prozent, Vollkornbrot um 14 Prozent, Naturjoghurt inklusive Skyr um 9 Prozent.
Dürre kostet 50 bis 70 Prozent der Herbsternte
Die landwirtschaftliche Produktion ist 2026 massiv von einem trockenen und heißen Sommer betroffen. Die Landwirtschaftskammer berichtet von dürrebedingten Ernteeinbußen bei der Herbsternte zwischen 50 und 70 Prozent. Besonders kritisch ist die Lage bei Erdäpfeln, deren Ertrag regional von üblichen 30 Tonnen auf rund 10 Tonnen pro Hektar eingebrochen ist; weitere Teile der Ernte sind durch Schädlinge wie den Drahtwurm unbrauchbar. Vertreter der Landwirtschaftskammer und des Bauernbundes warnen, dass die heimischen Vorräte spätestens im Februar erschöpft sein könnten und dann vermehrte Importe nötig würden.
Bei der Zuckerrübe wird ein Mengenrückgang von bis zu 52 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet, mitverursacht durch die Schließung einer großen Zuckerfabrik im Frühjahr 2025. In der Milchwirtschaft stiegen die Exporte im ersten Halbjahr um 5,2 Prozent auf über eine Milliarde Euro, in der Grünlandwirtschaft fehlt wegen der Hitze zunehmend Futter.
EU-Ebene: Ruf nach einem Aktionsplan für das Lebensmittelsystem
Mehr als 90 Organisationen und Unternehmen fordern auf EU-Ebene einen Aktionsplan für ein nachhaltiges Lebensmittelsystem. Ein in Brüssel vorgelegter Bericht drängt auf eine Umstellung der Ernährung auf eine stärker pflanzliche Basis, orientiert an den Empfehlungen der EAT-Lancet-Kommission. Zu den geforderten Maßnahmen zählen die Angleichung der Mehrwertsteuersätze für pflanzliche Alternativen sowie die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in das öffentliche Beschaffungswesen von Schulen und Krankenhäusern. Experten betonen, dass das Ernährungssystem an einem Wendepunkt stehe und ein verbindlicher politischer Rahmen für die kommenden Jahre essenziell sei.
Vollständige Marktanalyse