Marokkos Olivenölproduktion könnte 2026/27 um 44 % sinken
Marokko könnte 2026/27 noch 100 Millionen Kilogramm Olivenöl produzieren, nach 180 Millionen Kilogramm in der laufenden Saison, schätzen von OkDiario befragte spanische Branchenvertreter. Das vorläufige Szenario würde das Exportangebot verknappen, während Lagerbestände aus der außergewöhnlichen Ernte 2025/26 den Binnenmarkt stützen könnten.
Produktion könnte auf 100 Millionen Kilogramm zurückfallen
Marokkos Olivenölproduktion könnte in der Kampagne 2026/27 von 180 Millionen Kilogramm in der laufenden Saison auf 100 Millionen Kilogramm sinken. Das berichtet Bladi.net unter Berufung auf spanische Branchenvertreter, die von OkDiario befragt wurden. Der prognostizierte Verlust von 80 Millionen Kilogramm entspräche einem Rückgang um 44 % und würde die Erholung nach mehreren Dürrejahren abrupt beenden.
Die Schätzung ist vorläufig und stammt nicht von marokkanischen Behörden. Sie beruht teilweise auf dem alternierenden Ertragszyklus der Olivenbäume: Auf ein besonders ertragreiches Jahr folgt häufig eine schwächere Saison. Entscheidend bleiben das Wetter, der tatsächliche Fruchtbehang und die Ölausbeute bei der Verarbeitung.
Prognosen für Früchte und Öl verwenden unterschiedliche Größen
Marokkanische Fachleute hatten unabhängig davon einen Rückgang der nationalen Olivenernte um 40 % beziehungsweise rund 800.000 Tonnen Früchte gegenüber dem Saisonrekord von zwei Millionen Tonnen für möglich gehalten. Damit läge die erwartete Ernte bei etwa 1,2 Millionen Tonnen. Beide Prognosen hängen zusammen, sind aber nicht gleichzusetzen: Die 1,2 Millionen Tonnen betreffen unverarbeitete Oliven, die 100 Millionen Kilogramm dagegen das nach dem Mahlen gewonnene Öl.
Für Verarbeiter und Händler ist diese Abgrenzung wichtig, weil die Ölausbeute die Folgen einer kleineren Fruchternte für das Angebot an Fertigöl verstärken oder abschwächen kann. Solange keine amtliche marokkanische Ölprognose vorliegt, sind die 100 Millionen Kilogramm als Branchenszenario und nicht als gesicherte Produktionsmenge zu verstehen.
Exportangebot könnte bei spanischer Erholung sinken
Ein Rückgang dieser Größenordnung könnte die für den Export verfügbare Menge begrenzen, nachdem die europäischen Käufe marokkanischen Öls deutlich gestiegen waren. Spanien, der weltweit größte Produzent, erhöhte laut Bladi.net seine Einfuhren aus Marokko 2026 stark. Eine bessere spanische Ernte würde den Bedarf an externen Lieferungen senken, während Marokko, Tunesien und die Türkei gleichzeitig schwächere Produktionsjahre erleben könnten.
Die spanische Branche erwartet 2026/27 eine Produktion von 1,5 Milliarden bis 1,7 Milliarden Kilogramm, verglichen mit etwa 1,3 Milliarden Kilogramm in der laufenden Kampagne. Das wäre ein Zuwachs von 200 Millionen bis 400 Millionen Kilogramm. Treffen die Obergrenze der spanischen Prognose und die marokkanische Schätzung ein, könnte Spanien bis zu 17-mal so viel Olivenöl wie Marokko produzieren.
Auch andere Mittelmeerlieferanten könnten deutliche Einbußen verzeichnen. Für Tunesien wird ein Rückgang von 512 Millionen auf 250 Millionen bis 300 Millionen Kilogramm erwartet. Die Türkei könnte von mehr als 400 Millionen auf weniger als 300 Millionen Kilogramm zurückfallen. Gleichzeitige Ausfälle außerhalb Spaniens würden dessen Stellung am Weltmarkt stärken, wobei das Ausmaß von den tatsächlichen Ernten und Ölausbeuten in der Region abhängt.
Lagerbestände könnten Marokkos Binnenmarkt stützen
Eine niedrigere Produktion bedeutet nicht zwangsläufig einen sofortigen Preissprung in Marokko. Vorräte aus der üppigen Kampagne 2025/26 könnten einen Teil des Rückgangs auffangen und die Inlandsversorgung sichern. Marokkos Käufe ausländischen Olivenöls brachen im ersten Halbjahr 2026 nach der heimischen Rekordernte ein. Dies zeigt, wie rasch sich der Importbedarf mit dem lokalen Angebot verändert.
Für marokkanische Mühlen und Exporteure zählt daher nicht nur der erwartete Ernterückgang, sondern auch das Verhältnis zwischen Vorräten, Inlandskonsum und Exportverpflichtungen. Bei 100 Millionen Kilogramm bliebe weniger Spielraum für Ausfuhren als in der laufenden Saison, während eine größere spanische Ernte den Wettbewerb verschärfen könnte. Bis Wetter, Fruchtbehang und Ausbeuten klarer sind, müssen Käufer und Verkäufer mit einer breiten Spanne möglicher Versorgungslagen im Mittelmeerraum rechnen.