M&A-Welle erfasst Griechenlands Lebensmittelindustrie mit 26,2 Milliarden Euro Umsatz
Investoren forcieren Übernahmen in der griechischen Lebensmittelverarbeitung, im Premium-Eisgeschäft, in der Geflügelwirtschaft, im Catering und im Einzelhandel. Laut Real.gr erzielt die Branche 26,2 Milliarden Euro Jahresumsatz und 7,4 Milliarden Euro Exporterlöse.
Kapital fließt in Griechenlands größten Industriesektor
Die griechische Lebensmittel- und Getränkeindustrie erlebt einen ungewöhnlich aktiven Übernahmezyklus. Inländische Unternehmen, ausländische strategische Investoren und Private-Equity-Fonds suchen nach Beteiligungen in der Produktion, der Gastronomie und im Lebensmitteleinzelhandel. Real.gr bezeichnet die Branche als größten Bestandteil des verarbeitenden Gewerbes in Griechenland und beziffert ihren Jahresumsatz auf 26,2 Milliarden Euro.
In den vergangenen zehn Jahren investierte die Industrie mehr als 7,2 Milliarden Euro in die Modernisierung der Infrastruktur, Digitalisierung und die ökologische Transformation. Der Exportwert liegt inzwischen bei 7,4 Milliarden Euro. Käufer erhalten damit neben dem griechischen Markt Zugang zu etablierten Vertriebsnetzen im Ausland. Die Supermarktumsätze stiegen im ersten Halbjahr um 6,4 %, vor allem wegen Handelsmarken und veränderter Konsumgewohnheiten wie der Nachfrage nach Fertiggerichten.
Transaktionen reichen von Molkereien bis zu Handel und Geflügel
Der Erwerb einer strategischen Beteiligung am Molkereiunternehmen Farma Koukaki durch EOS Capital Partners gehörte zu den frühen Transaktionen des neuen Zyklus. Real.gr berichtet zudem von fortgeschrittenen Gesprächen zwischen EOS und einem Hersteller von Snacks und Backwaren. Dessen griechisches Exportpotenzial steht im Zentrum des möglichen Investments. Derweil setzt das Molkereiunternehmen KRI-KRI ein eigenes Investitionsprogramm von 26 Millionen bis 30 Millionen Euro zur Erweiterung seiner Produktionskapazität um.
Auch im organisierten Einzelhandel schreitet die Konsolidierung voran. Die Übernahme der Supermarktkette ANEDIK Kritikos durch Masoutis wurde offiziell genehmigt und geht nun in die Abschlussphase. Zudem sollen Gespräche über den Erwerb von zwei oder drei mittelgroßen regionalen Supermarktketten durch die vier größten Gruppen des Landes weit fortgeschritten sein.
Ausländisches strategisches Kapital erreicht ebenfalls die primäre Lebensmittelverarbeitung. Der ukrainische Geflügelkonzern MHP SE erwirbt schrittweise 70 % an Th. Nitsiakos SA und verändert damit das Kräfteverhältnis im griechischen Geflügelmarkt. MHP ist der größte Geflügelproduzent und -exporteur der Ukraine, an der Londoner Börse notiert und exportiert in mehr als 80 Länder. Laut Real.gr erhält der Konzern durch die Transaktion eine etablierte, vertikal integrierte Produktionsbasis innerhalb der Europäischen Union.
Private Equity setzt auf Premiummarken
Halcyon Equity Partners hat ein strategisches Investment in den Premium-Eis- und Frozen-Yogurt-Anbieter Kayak SA angekündigt. Geplant sind die geografische Expansion, die internationale Entwicklung der Marken Kayak, Chillbox und Goatit sowie ein Netz von mehr als 80 Standorten. Der Fonds setzt dabei auf den wachsenden Tourismus und die anhaltende Nachfrage nach Gourmetprodukten mit höherer Wertschöpfung.
Vor Kayak beteiligte sich Halcyon strategisch an Mailo’s – The Pasta Project, einer Fast-Casual-Kette für frische Pasta, deren internationale Expansion der Fonds unterstützen will. Zuvor erwarb Halcyon eine Minderheitsbeteiligung an Evvoiki Zymi und finanzierte in Schimatari ein neues, vollautomatisiertes Werk mit 7.000 Quadratmetern Fläche zur Förderung der Exporte. Außerdem investierte der Fonds in das griechische Feinkost- und Hotelkonzept der ERGON-Gruppe.
Weitere Käufer interessieren sich für dieselben Kategorien. Die Venetis-Gruppe stieg mit der Übernahme des traditionsreichen Eisproduzenten Dodoni im Rahmen einer Banksanierung über 40 Millionen Euro in den Markt ein. Real.gr zufolge könnte die stärkere finanzielle und unternehmerische Unterstützung für Kayak und Dodoni den Druck auf kleinere regionale Anbieter und Franchiseketten erhöhen und eine neue Konsolidierungsrunde auslösen.
Weitere Verhandlungen laufen
Auch Fertiggerichte und Catering rücken in den Fokus; Coca-Cola HBC prüft einen Einstieg in diese Kategorie. Exporterlöse, eine robuste Inlandsnachfrage und fragmentierte Eigentümerstrukturen fördern weitere Transaktionen. Produzenten erhalten Kapital für Kapazitätsausbau und Automatisierung. Kleinere Wettbewerber müssen dagegen höhere Aufwendungen stemmen, um bei Vertrieb, Markenentwicklung und internationaler Expansion mit größeren Gruppen mitzuhalten.