Leere EU-Lager treiben Magermilchpulver auf 3.210 Euro je Tonne
Die Atla-Notierung für Magermilchpulver lag am 23. September bei 3.210 Euro je Tonne, nach 2.560 Euro am 22. Juni. Die europäischen Pulverbestände sind bei null, die USA halten ihr Protein im Inlandsmarkt. Butter notiert unverändert bei 4.110 Euro je Tonne.
Magermilchpulver gibt das Tempo vor
Die Notierungen für Magermilchpulver in Europa steigen seit Ende Juni ohne Unterbrechung. Die Atla-Notierung vom 23. September lag bei 3.210 Euro je Tonne gegenüber 2.560 Euro am 22. Juni – ein Plus von 650 Euro je Tonne in drei Monaten, wie das französische Fachmedium web-agri.fr berichtet.
Die Festigkeit beschränkt sich nicht auf Magermilchpulver („0 %“): Auch die Notierungen für Pulver mit 26 % Fett haben angezogen. Für Molkereien und Erzeuger ist offen, wie lange diese Lage trägt. Die Antwort hängt fast vollständig davon ab, wie sich die Milchanlieferung in den kommenden Monaten entwickelt – und das ist derzeit unsicher.
Europa exportiert, die USA bleiben im eigenen Markt
„Die USA nutzen das Protein für ihren Binnenmarkt. Im Export sind sie nicht präsent“, sagt Christine Goscianski, Agrarökonomin am Institut de l’élevage. „Umgekehrt ist die Europäische Union, die keine Bestände an 0-%-Pulver hat, im Export aktiv. Asien sowie die Länder des Nahen und Mittleren Ostens ziehen die Nachfrage.“
- Die europäischen Ausfuhren summierten sich in den ersten sieben Monaten des Jahres auf 549.000 Tonnen – der zweithöchste Wert nach 2019.
- Die europäischen Magermilchpulverbestände liegen bei null, einzige Angebotsquelle ist die laufende Produktion.
- Das US-Protein wird im Inland absorbiert, womit der größte alternative Ursprung aus dem Exportgeschäft fällt.
Da einer der beiden Hauptursprünge faktisch fehlt, konkurrieren Käufer aus Asien und dem Nahen und Mittleren Osten um europäische Mengen, die direkt aus der Produktion und nicht aus dem Lager verkauft werden. Das erklärt das Tempo der Preisbewegung seit Juni: Ohne Lagerpuffer wird jede zusätzliche Tonne Nachfrage an der frischen Produktion bewertet.
Die Anlieferung entscheidet
In Ozeanien beunruhigt das ozeanografische Phänomen El Niño die neuseeländische Milchwirtschaft, auf die Anlieferung hat es bislang jedoch keine Auswirkungen. „Das Graswachstum ist gut“, merkt Christine Goscianski an.
In Europa bleiben die Anlieferungen der Erzeuger dynamisch, auch in Frankreich, einem der vom Hitzesommer am stärksten betroffenen EU-Länder. Stabile Mengen auf beiden Halbkugeln würden die Anspannung beim Pulver mit der Zeit lösen; eine Verlangsamung in Ozeanien oder in Europa würde sie verlängern und die Notierungen auf ihrem Kurs halten.
Butter unverändert, gebremst von Gefrierbeständen
Bei Butter läuft es in die Gegenrichtung. Die Notierung blieb am 23. September mit 4.110 Euro je Tonne (Fakturierung) unverändert, weil in den Kühlhäusern der europäischen Länder noch Gefrierbutter liegt. Anders als beim Pulver trägt die Fettseite damit einen Bestandsüberhang, der Aufschläge vorerst deckelt.
Die Spreizung zwischen beiden Komponenten wirkt unmittelbar auf den Milchpreis. Da das Fett keine Stütze liefert, kann eine Erhöhung des französischen Erzeugermilchpreises in den kommenden Monaten nur über das Pulver kommen, berichtet web-agri.fr. Damit sind die Proteinverwertung und dahinter das Gleichgewicht zwischen europäischer Exportnachfrage und angelieferten Milchmengen bis zum Jahresende die entscheidende Größe.
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