Extreme Hitze und Waldbrände belasten Europas Olivenölversorgung erneut
Hitze, Dürre und Waldbrände schädigen Olivenanbaugebiete in Spanien, Griechenland, Italien und Portugal, nachdem sich die Preise zuletzt entspannt hatten. Die Europäische Kommission erwartet 2025/26 einen Produktionsrückgang in der EU um 5 %, in Griechenland sogar um 18 %.
Wetterrisiken beenden die fragile Preisruhe
Extreme Hitze, anhaltende Dürre und Waldbrände gefährden erneut die Olivenölproduktion in Südeuropa, kurz nachdem die Preise von ihren Rekordständen zurückgegangen waren. Laut g1 melden Erzeuger in Spanien, Griechenland, Italien und Portugal Schäden an Olivenhainen, geringere Erträge, eine schlechtere Fruchtqualität und steigende Produktionskosten.
Anfang Juli stellte die Europäische Kommission fest, dass die Olivenölpreise seit April gesunken waren, teilweise wegen eines Produktionsüberschusses in Italien. Dennoch korrigierte sie ihre Prognose für die EU-Produktion 2025/26 auf einen Rückgang um 5 %. Griechenland dürfte mit einem Minus von 18 % den stärksten Einbruch verzeichnen. Die Kommission warnte, die Aussichten für die nächste Ernte hingen davon ab, dass weitere Wetterextreme ausblieben. Nur wenige Wochen später verschlechterten sich die Bedingungen.
Brände und Wassermangel treffen wichtige Erzeuger
Der spanische Agrarverband ASAJA erklärte, dass die seit Mitte Juli zunehmenden Waldbrände Obstplantagen, Weinberge, Agrarflächen, Gewächshäuser und Olivenhaine erfasst hätten, berichtete The Guardian. Tausende Hektar wurden verwüstet. Betroffen sind unter anderem Zitrusfrüchte, Avocados, Mandeln, Gemüse und Oliven. ASAJA sieht die größte unmittelbare Gefahr nicht in sinkenden Exporten, sondern in höheren Produktionskosten, die voraussichtlich an die Verbraucher weitergegeben werden.
Wasserbeschränkungen verringern in Spanien zudem die Bodenfeuchtigkeit und erhöhen das Risiko, dass Oliven vorzeitig abfallen. Zu Jahresbeginn hatten starke Regenfälle Anbaugebiete überflutet und die Ernteprognosen gedrückt. Als weltgrößter Olivenölproduzent prägt Spanien die internationalen Preise maßgeblich, weshalb weitere Ausfälle die jüngste Marktstabilisierung gefährden. Die Folgen reichen bereits über den Sektor hinaus: Noch vor den Bränden im Juli wurde Spaniens Getreideprognose von 24 Millionen auf rund 18,5 Millionen Tonnen gesenkt.
Griechenlands Produktion dürfte um 18 % sinken
In Griechenland haben Brände tragende Bäume vernichtet und landwirtschaftliches Eigentum beschädigt. Die Erzeugerin Anastasia Hatzoglou sagte Reuters, ihr Haus sei schwer beschädigt worden und ihre Olivenbäume seien verbrannt. Das griechische Medium Neakriti berichtet, dass das durch Hitzewellen und Brände verschärfte Wasserdefizit die Produktivität der Haine mindert. Hinzu kommen Schäden durch Rauch, schlechtere Luftqualität sowie mehr Schädlinge und Krankheiten. Dadurch könnten die Früchte kleiner werden und die Ölqualität sinken.
Das italienische Medium Dissapore beschreibt einen ähnlichen Druck in Griechenland, Italien und Portugal, wo Brände Olivenanbaugebiete erreichen und die anhaltende Hitze die Ausbreitung von Schädlingen begünstigt. Die grundlegende Gefährdung nimmt zu: Laut den von g1 angeführten Klimastudien hat sich die Zahl der Sommertage, an denen Hitze, Dürre und Wind die Ausbreitung von Bränden fördern, seit 1981 verdoppelt. Im Juni und Juli 2026 wurden in mehreren europäischen Ländern Temperaturen von mehr als 40 °C gemessen. Europas Durchschnittstemperatur liegt inzwischen 2,5 °C über dem vorindustriellen Niveau. Für Verarbeiter, Händler und Lebensmittelhersteller besteht das unmittelbare Risiko in einer erneuten Kostenvolatilität, nicht in einer bereits bestätigten Knappheit. Die tatsächlichen Preiseffekte hängen von der endgültigen Ernte, den Schadensbilanzen und der Menge an verwertbarem Öl aus den von Hitze, Rauch und Schädlingen betroffenen Früchten ab.