EU-Milchanlieferungen steigen um 4 Prozent, während Erzeugerpreise sinken
Die Milchanlieferungen in der EU stiegen in den ersten vier Monaten 2026 um 4 %, wodurch mehr Butter und Magermilchpulver produziert wurde. Gleichzeitig fiel der durchschnittliche Erzeugerpreis im Mai um 19,6 % gegenüber dem Vorjahr, während Futter und Energie teurer wurden.
Mehr Milch drückt die Preise in der EU
Die Anlieferungen von Kuhmilch in der Europäischen Union stiegen in den ersten vier Monaten 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4 %, wie aus von Haniotika Nea veröffentlichten Daten der Europäischen Kommission hervorgeht. Das zusätzliche Rohstoffangebot ließ die Butterproduktion um 9,7 % und die Herstellung von Magermilchpulver um 11,7 % wachsen. Die Produktion von Vollmilchpulver sank dagegen um 3,3 %.
Zugleich fiel der durchschnittliche EU-Preis für Rohmilch im Mai auf 42,63 € je 100 Kilogramm, entsprechend rund 42,6 Eurocent je Kilogramm. Das waren 0,3 % weniger als im April und 19,6 % weniger als im Mai 2025, als der Preis knapp 53 € je 100 Kilogramm betragen hatte. Die vorläufige Schätzung der Kommission für Juni deutet auf einen weiteren monatlichen Rückgang um 0,7 % auf 42,34 € je 100 Kilogramm hin.
Weltweites Angebotswachstum verstärkt den Druck
Das Angebot wächst nicht nur innerhalb der EU. Die Milchproduktion erhöhte sich in Neuseeland um 3,5 %, in den Vereinigten Staaten um 2,8 % und in Australien um 0,2 %. Die gleichzeitige Expansion in wichtigen Exportregionen verschärft den Wettbewerb zwischen Verarbeitern und Lieferanten und begrenzt die Stützung, die die internationale Nachfrage den europäischen Erzeugerpreisen bieten kann.
Die Kosten entwickeln sich zulasten der Betriebe. In der 31. Woche 2026 lagen die Futterkosten 2,3 % über dem Durchschnitt der vorangegangenen vier Wochen, die Energiekosten sogar 12,4 % höher. Brent-Rohöl erreichte am 2. August 91,8 $ je Barrel. Die jüngsten detaillierten Margendaten der Kommission stammen vom 16. April und bilden den neueren Anstieg der Energiekosten deshalb nicht vollständig ab.
Exporte nehmen zusätzliche Mengen auf
Im ersten Quartal 2026 halfen Exporte, einen Teil der höheren Produktion abzusetzen. Die EU-Ausfuhren von Butter in die Vereinigten Staaten stiegen um 85 %. Die Lieferungen von Magermilchpulver nach Ägypten erhöhten sich um 126 % und damit auf mehr als das Doppelte. Das Vereinigte Königreich blieb mit 111.640 Tonnen der größte Absatzmarkt für EU-Käse.
Diese Handelsströme eröffnen Verarbeitern Absatzmöglichkeiten für wachsende Butter- und Milchpulvermengen. Die starken Exporte konnten den deutlichen Rückgang des durchschnittlichen Milchpreises jedoch nicht verhindern. Zudem beziehen sich die Datensätze auf unterschiedliche Zeiträume: Das Dashboard wurde am 5. August aktualisiert, vollständige Produktionsdaten reichen aber nur bis April, Außenhandelsdaten bis März und Milchpreise bis Juni.
Griechische Preise liegen deutlich über dem EU-Mittel
Griechenland verzeichnete eine abweichende Preisentwicklung. Der geschätzte Kuhmilchpreis lag im Mai bei 54,78 € je 100 Kilogramm und damit rund 1 % über den 54,22 € des Vorjahres. Er übertraf den EU-Durchschnitt um etwa 12,2 € je 100 Kilogramm beziehungsweise fast 29 %. Die Kommission kennzeichnet den griechischen Maiwert als Schätzung.
Der Preisaufschlag bedeutet nicht automatisch eine höhere Rentabilität. Griechische Betriebe sind meist kleiner und stärker zersplittert, haben einen höheren Transportbedarf und sind stark von zugekauftem Futter und Energie abhängig. Die Kuhmilchdaten bilden zudem nur einen Teil des heimischen Milchsektors ab, da Schaf- und Ziegenmilch wichtige Rohstoffe für Feta und andere Käse mit geschützter Herkunft sind. EU-weit profitieren Verarbeiter von einer besseren Rohstoffverfügbarkeit, während die Höfe zugleich niedrigere Verkaufspreise und steigende Betriebskosten verkraften müssen.