China nimmt 24,4 % der vietnamesischen Agrarexporte ab – 56,3 Milliarden US-Dollar in neun Monaten
Vietnams Agrarexporte erreichten in den ersten neun Monaten 2026 schätzungsweise 56,3 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 7,8 Prozent. Auf China entfielen 24,4 Prozent. Bei Obst und Gemüse ist die Abhängigkeit deutlich höher: 63 Prozent der Ausfuhren von knapp 7,35 Milliarden US-Dollar gingen nach China.
Exporte von 56,3 Milliarden US-Dollar in neun Monaten
Vietnams Agrarexporte erreichten in den ersten neun Monaten 2026 nach Angaben des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt, die von der Zeitung Ha Noi Moi berichtet wurden, schätzungsweise 56,3 Milliarden US-Dollar und lagen damit 7,8 % über dem Vorjahreszeitraum. Größter Einzelmarkt war China mit einem Anteil von 24,4 %. Der Wert der vietnamesischen Agrarausfuhren nach China stieg um 18,9 % gegenüber dem Vorjahr und damit mehr als doppelt so schnell wie der Sektor insgesamt.
Am deutlichsten zeigt sich die Abhängigkeit bei Obst und Gemüse. Die Ausfuhren dieser Kategorie beliefen sich in neun Monaten auf knapp 7,35 Milliarden US-Dollar, ein Zuwachs von 19,9 %. China nahm 63 % dieses Werts ab, umgerechnet mehr als 4,63 Milliarden US-Dollar.
Die Konzentration reicht weit über Frischware hinaus. Das Ministerium nennt China als größten Abnehmer von vietnamesischem Kautschuk, Reis, Maniok, Cashewnüssen, Fisch und Meeresfrüchten sowie Holz und Holzerzeugnissen. Zudem gehört das Land zu den wichtigsten Importeuren von vietnamesischem Tee, Kaffee und Pfeffer. In einzelnen Monaten gingen Mengen und Werte leicht zurück, über die neun Monate zeigten die wichtigsten Warengruppen jedoch einen Aufwärtstrend. Das Ministerium führt die wachsende chinesische Nachfrage auf die verbesserte Qualität vietnamesischer Agrarerzeugnisse zurück, von der Landwirte, Unternehmen und Genossenschaften profitieren.
Durian-Fenster verschafft Vietnam einen Vorteil im vierten Quartal
Das Ministerium erwartet, dass die Ausfuhren nach China und in andere Märkte in den letzten Monaten des Jahres weiter zulegen, gestützt auf verfügbare Mengen und die Nachfragelage. Der Oktober bringt einen besonderen Vorteil: Im Zentralen Hochland erreicht Durian den Erntehöhepunkt der späten Saison, während konkurrierende Exporteure zu diesem Zeitpunkt kaum Ware anbieten können. Vietnam ist damit faktisch die einzige Bezugsquelle für frische Durian auf dem chinesischen Markt, was die Ausfuhren auf hohem Niveau halten dürfte.
November und Dezember bringen einen zweiten Nachfrageschub, wenn Käufer in China und weiteren nordostasiatischen Märkten, namentlich Südkorea und Japan, sowie in Europa und Nordamerika für die Feiertage zum Jahresende und das Mondneujahr einkaufen. Das vietnamesische Angebot an Obst und Gemüse bleibt nach Einschätzung des Ministeriums bis dahin reichlich.
Diversifizierung und ein Ziel von 74 Milliarden US-Dollar
Neben dem China-Geschäft will das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt die Exportbasis verbreitern, etablierte Märkte intensiver bearbeiten und in neueren Märkten Spielraum schaffen:
- Europäische Union, Japan, Südkorea und Australien sowie die Mitgliedstaaten von CPTPP und RCEP;
- Naher Osten und Südasien;
- Afrika und Lateinamerika;
- Schwerpunktprodukte für diese Märkte: Reis, Kaffee, Pfeffer, verarbeitetes Obst und Gemüse, Fischereierzeugnisse und tierische Produkte.
Die erklärte Linie ist eine Abkehr vom mengengetriebenen Wachstum hin zu Qualität, Wertschöpfung, Markenbildung und digitaler Transformation: der Markt gibt die Richtung vor, Qualität und Standards bilden die Grundlage, Unternehmen stehen im Zentrum, Erzeuger sind die handelnden Akteure. Für das Gesamtjahr 2026 strebt das Ministerium Agrarexporte von mehr als 74 Milliarden US-Dollar an, was allein im vierten Quartal rund 17,7 Milliarden US-Dollar bedeutet.
Der Handel verläuft in beide Richtungen. China ist zugleich der größte Lieferant der wichtigsten Agrarimporte Vietnams mit einem Anteil von 12,4 %; der geschätzte Wert dieser Einfuhren aus China stieg in den ersten neun Monaten 2026 um 11,2 % gegenüber dem Vorjahr. Für Verarbeiter auf beiden Seiten der Grenze ist die Beziehung damit kein einseitiger Exportkanal mehr, sondern eine verzahnte Kette aus Vorleistungen und Fertigware.