Brauerei Wolters schließt nach fast vier Jahrhunderten – Bierabsatz in Deutschland bricht ein
Die 1627 in Braunschweig gegründete Brauerei Wolters schließt ihren Produktionsstandort, nachdem im Insolvenzverfahren kein Investor gefunden wurde. Rund 90 Beschäftigte wurden informiert. Der deutsche Biermarkt schrumpfte im vergangenen Jahr so stark wie seit der Wiedervereinigung 1990 nicht mehr.
Insolvenz beendet einen Braubetrieb, der 1627 begann
Die 1627 in Braunschweig gegründete Brauerei Wolters schließt ihren Produktionsstandort nach fast vier Jahrhunderten. Eine Sprecherin der Kanzlei Eckert, die das Insolvenzverfahren führt, erklärte am Dienstag, rund 90 Beschäftigte seien über die Schließung informiert worden, wie N1 und Večernji list berichten.
Das Unternehmen hatte Anfang des Jahres Insolvenz angemeldet und dies mit anhaltenden Absatzrückgängen begründet. Die Suche nach einem neuen Investor blieb erfolglos. Die Produktion in Braunschweig soll bis Jahresende auslaufen, berichtet zadarski.hr.
Geschäftsführer Nils Handke nannte den Schritt unvermeidlich. „Mit der Schließung des Produktionsstandorts in Braunschweig endet eine Ära“, sagte er.
Braunschweigs Oberbürgermeister Thorsten Kornblum bezeichnete die Schließung laut zadarski.hr als „äußerst schmerzhaft“; die Stadt verliere einen Teil ihrer Identität und Tradition. Die Brauerei hatte Kriege, Wirtschaftskrisen und zahlreiche gesellschaftliche Umbrüche überstanden, ehe das veränderte Konsumverhalten den Standort unrentabel machte.
Stärkster Rückgang des Bierkonsums seit der Wiedervereinigung
Der deutsche Biermarkt ist im vergangenen Jahr so stark geschrumpft wie seit der Wiedervereinigung 1990 nicht mehr. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor, die im Februar veröffentlicht wurden und von N1 sowie Večernji list zitiert werden.
Laut zadarski.hr sank der Bierabsatz in Deutschland um rund 6 Prozent auf etwa 7,8 Milliarden Liter – das schwächste Ergebnis seit Beginn der amtlichen Aufzeichnungen. Zugleich steige die Nachfrage nach alkoholfreiem Bier, dessen Produktion sich in den vergangenen Jahren nahezu verdoppelt habe.
Schließungen sind längst keine Einzelfälle mehr
Wolters ist die jüngste deutsche Brauerei, die wegen schwacher Nachfrage aufgibt. Nach Angaben von N1 haben in den vergangenen Jahren bundesweit Brauereien aus demselben Grund geschlossen. Für einen Regionalbrauer mit einem einzigen Standort und rund 90 Beschäftigten lässt ein Absatzrückgang im mittleren einstelligen Bereich kaum Spielraum, Fixkosten aufzufangen.
Die Marke könnte den Standort überdauern. Die Insolvenzverwaltung erklärte, die Gespräche mit Interessenten über den Erhalt des Namens Wolters liefen weiter, ob am bisherigen Standort wieder gebraut werde, sei jedoch offen.
Gewerkschaft kritisiert das Tempo der Entscheidung
Die Gewerkschaft NGG kritisierte den kurzen Zeitraum zwischen der Eröffnung des Insolvenzverfahrens und der Entscheidung, die Produktion bei Wolters einzustellen. „Von außen wirkt dieser Prozess weniger wie eine geordnete Restrukturierung, sondern eher wie eine Vollbremsung“, hieß es von der Gewerkschaft.
Für die Lieferkette entfällt mit der Schließung ein Abnehmer von Braugerste, Hopfen, Verpackungsmaterial und regionalen Logistikleistungen. Sie zeigt zudem das Investitionsproblem kleinerer Brauereien: Kapazitäten für alkoholfreies Bier – das einzige Wachstumssegment, das in den Berichten genannt wird – erfordern eigene Anlagen, die in einem schrumpfenden Markt schwerer zu finanzieren sind. Dass Wolters im Insolvenzverfahren keinen Investor fand, zeigt, wie begrenzt das Käuferinteresse an mittelgroßen deutschen Brauereien inzwischen ist – selbst bei einer Marke mit vierhundertjähriger Geschichte.