Estnische Agrone will Lettlands größten Milchverarbeiter übernehmen
Agrone-Eigentümer Falber Investments plant die Übernahme von Rīgas piena kombināts und damit die Verbindung von Estlands größtem unabhängigem Rohmilcherzeuger mit Lettlands größtem Milchverarbeiter. Die Transaktion benötigt noch die Genehmigung der lettischen und estnischen Wettbewerbsbehörden, die im Herbst erwartet wird.
Estnischer Erzeuger steigt in die Verarbeitung ein
Falber Investments, die rechtliche Eigentümerin der estnischen Agrargruppe Agrone, hat eine Vereinbarung zur Übernahme von Rīgas piena kombināts, Lettlands größtem Milchverarbeiter, angekündigt. Die Transaktion ist noch nicht abgeschlossen. Laut TVNET benötigt sie die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden in Lettland und Estland, die im Herbst erwartet wird.
Der geplante Zusammenschluss würde Estlands größten unabhängigen Rohmilcherzeuger mit einem bedeutenden lettischen Verarbeitungsbetrieb verbinden. Die Agrone-Höfe erhielten direkten Zugang zu Verarbeitungskapazitäten und etablierten Milchmarken, während Rīgas piena kombināts eine umfangreiche Milchquelle erschließen könnte. NRA beschreibt die Strategie in einfachen Worten: Die Eigentümer von Milchviehbetrieben kaufen einen Verarbeiter, um ihren Rohstoff künftig selbst zu verarbeiten, statt ihn an ein anderes Unternehmen zu verkaufen.
Mit dem Kauf würde die vergleichsweise kurze Eigentumsphase der auf Asien ausgerichteten Investmentgruppe PAG enden, die im Januar 2024 die Kontrolle über den Verarbeiter übernahm. Nach Angaben von NRA verwaltet PAG Vermögenswerte von 55 Milliarden $. Der angekündigte Käufer ist geografisch deutlich näher am operativen Geschäft und als industrieller Eigentümer unmittelbar in der Milcherzeugung tätig.
Grenzüberschreitende Milchströme könnten sich verschieben
Bei einer Genehmigung dürfte die Lieferung von Rohmilch aus Estland nach Lettland steigen. NRA zufolge könnte sich dieser Strom verdoppeln, während die estnischen Milchlieferungen nach Litauen leicht zurückgehen könnten. Absolute Liefermengen und der Kaufpreis wurden in den vorliegenden Berichten nicht genannt.
Die Entwicklung würde den integrierten baltischen Milchmarkt weiter verzahnen. Seit Lettland, Estland und Litauen 2004 der Europäischen Union beitraten, können Verarbeiter nach dem Wegfall von Zoll- und physischen Grenzkontrollen Milch über Landesgrenzen hinweg beschaffen. Große litauische Verarbeiter wie Pieno Žvaigždės, Žemaitijos Pienas und Rokiškio sūris gehören zu den wichtigsten Nutznießern dieses regionalen Versorgungsnetzes.
Lettland liefert laut NRA dennoch weiterhin erheblich mehr Rohmilch an litauische Verarbeiter, als die eigenen Betriebe aus Estland beziehen. Selbst bei einer Verdoppelung der estnischen Lieferungen nach Lettland dürfte der Strom nach Litauen um ein Mehrfaches größer bleiben. Für lettische Werke könnte die Transaktion eine bessere Kapazitätsauslastung und mehr inländisch hergestellte Produkte mit höherer Wertschöpfung bringen, ohne den Wettbewerb litauischer Abnehmer um Rohmilch zu beseitigen.
Kārums und Ambitionen auf dem Weltmarkt
Der strategische Wert des Unternehmens reicht über Fabriken und Marktanteile hinaus. Rīgas piena kombināts produziert im Rahmen des Food-Union-Geschäfts Kārums, eine eng mit Lettland verbundene Quarksnack-Marke. NRA sieht durch den geplanten Eigentümerwechsel keine erkennbare Gefahr für die weitere Herstellung von Kārums. Agrone hätte vielmehr einen Anreiz, die eigene Milch in Markenendprodukte zu lenken.
Agrone-Vorstandsvorsitzender Raul Jeets sieht laut TVNET Chancen auf dem Weltmarkt. Die vertikale Integration könnte der Gruppe mehr Kontrolle über Rohstoffversorgung, Verarbeitung und Produktpositionierung geben. Die Umsetzung hängt jedoch von der behördlichen Genehmigung und der Wirtschaftlichkeit des Milchtransports über die estnisch-lettische Grenze ab. Für Erzeuger, Verarbeiter und Händler stellt sich zunächst die Frage, ob ein größerer gebundener Strom estnischer Milch den Beschaffungswettbewerb in Lettland und Litauen verändert. Rīgas piena kombināts erhält die Chance, bestehende Kapazitäten und Marken für den Verkauf von mehr verarbeiteten Milchprodukten einzusetzen, statt ausschließlich auf dem Rohmilchmarkt zu konkurrieren.