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Ukraines Milchsektor konsolidiert sich: Kleine Herden verschwinden

Die Zahl der offiziell registrierten Betriebe in der Ukraine ist binnen fünf Jahren um rund ein Drittel gesunken, die Kuhbestände privater Haushalte in zehn Jahren um etwa zwei Drittel, berichtet The Kyiv Independent. Betriebe mit mehr als 1.000 Kühen wachsen weiter. Kleine Erzeuger stehen zwischen Kosten von rund 13 Hrywnja je Liter und Molkereiangeboten von nur 9 Hrywnja.

Ukraines Milchsektor konsolidiert sich: Kleine Herden verschwinden

Die Rohmilchbasis der Ukraine schrumpft unten und wächst oben. Die Zahl der offiziell registrierten Betriebe ist in den vergangenen fünf Jahren um rund ein Drittel gesunken, am schnellsten verschwinden die kleinsten Erzeuger, berichtet The Kyiv Independent. Gleichzeitig steigt die Zahl der Betriebe mit mehr als 1.000 Kühen, und der Schwerpunkt der Rohmilcherzeugung verlagert sich zu industriellen Einheiten.

Von 18 Kühen auf sieben

In einem Dorf im Gebiet Tschernihiw hielten die Einwohner 2022 gemeinsam 18 Kühe, berichtet die Landwirtin Maryna Hrytsyk. Heute sind sieben Tiere übrig, und bis zum Winter könnte nach ihrer Einschätzung keine einzige Kuh mehr im Dorf stehen. Landesweit zeigt sich dasselbe Muster: In privaten Haushalten, die meist weniger als fünf Kühe halten, ist der Bestand im vergangenen Jahrzehnt um etwa zwei Drittel gefallen.

Den größten Teil erklärt die Rechnung. Hrytsyk beziffert ihre Produktionskosten auf rund 13 Hrywnja je Liter Milch. Im Durchschnitt können Betriebe für etwa 15 Hrywnja je Liter verkaufen, kleinen Lieferanten bieten Molkereien jedoch mitunter nur 9 Hrywnja. „Viele Leute, die es sich leisten konnten, haben ihr Vieh verkauft und sind weggegangen. Die Menschen haben kein Geld, um unsere Produkte zu kaufen. Und wir können den Preis wegen der hohen Futterkosten nicht weiter senken“, sagte sie.

Krieg, Futterkosten und Winter

Mehrere Belastungen wirken gleichzeitig. Der großangelegte Krieg hat einen Teil der Arbeitskräfte in die Mobilmachung geholt, Flächen besetzt oder beschädigt und in frontnahen Gebieten Tiere gekostet. Hinzu kommen hohe Futterpreise, Absatzprobleme und sinkende Rentabilität. Im Winter verschärft sich die Lage, weil die Tiere mit teurer werdendem Futter versorgt werden müssen, während die Milchleistung zurückgehen kann.

  • Im Winter steigen die Futterkosten, während die Milchleistung sinken kann.
  • Nach der Überproduktion von Milch im Jahr 2025 sind die Weltmarktpreise gefallen, Kraftstoff und Dünger wurden teurer.
  • Neue EU-Anforderungen an Tiergesundheit und Tierwohl können zusätzliche Investitionen ukrainischer Erzeuger erfordern.

Hanna Lawrenjuk, Generaldirektorin des Verbands der Milcherzeuger, erklärte, die Lage der kleinen Landwirte bleibe sehr schwierig; auch ein Teil der mittleren Betriebe stehe vor dem Risiko der Betriebsaufgabe.

Größe bringt bessere Konditionen

Große Betriebe bauen ihre Position aus, während kleine ausscheiden. Hohe Mengen verschaffen ihnen günstigere Verkaufsbedingungen und die Mittel, in moderne Technik, Futter und Zucht zu investieren – Vorteile, die sich mit jedem ausscheidenden Lieferanten verstärken. Den im Bericht genannten Prognosen zufolge könnten Agrarunternehmen 2026 erstmals mehr Milch erzeugen als die ukrainischen Haushalte.

Damit ändert sich die Struktur des Rohmilchangebots. Molkereien beziehen dann von weniger, größeren und stärker standardisierten Erzeugern, während die breit gestreute Basis der Haushalte, die das Sammelaufkommen lange getragen hat, weiter schrumpft. Umweltorganisationen äußern Bedenken gegen diese Konzentration und verweisen auf eine höhere Belastung von Böden, Weiden und Umwelt.

Importkonkurrenz und EU-Marktzugang

Ukrainische Erzeuger konkurrieren zudem mit europäischer Ware. Landwirte in der EU haben Zugang zu Subventionen, ein anderes Steuerumfeld und günstigere Logistik, was ihre Kosten senkt. Am deutlichsten zeigt sich das bei Käse: Einzelne Importprodukte in ukrainischen Geschäften kosten genauso viel wie heimische Ware oder sogar weniger.

Der politische Rahmen bleibt offen. Die Financial Times berichtete unter Berufung auf ein internes Dokument der Europäischen Kommission zur Erweiterungsreform, die Kommission schlage vor, den Zugang der Ukraine zum EU-Agrarmarkt und zu EU-Agrarsubventionen auch nach einem Beitritt deutlich zu begrenzen. Für die Milchwirtschaft bleiben damit Größe, Kostenkontrolle und die Beziehungen zu den Molkereien als wesentliche Hebel; für kleine Erzeuger bleiben die Engpässe dieselben: Produktionskosten, Absatz, Arbeitskräftemangel und die Folgen des Krieges.

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