Ukraine erwartet 2027 Anstieg der Hähnchenfleischproduktion auf 1,54 Millionen Tonnen
Die ukrainische Hähnchenfleischproduktion könnte 2027 laut einer von Glavcom aufgegriffenen USDA-Prognose 1,54 Millionen Tonnen erreichen. Da die Erzeugung stärker als der Binnenverbrauch steigt, werden Exporte von 530.000 Tonnen erwartet.
Produktion wächst schneller als die Binnennachfrage
Die ukrainische Hähnchenfleischproduktion könnte 2027 auf 1,54 Millionen Tonnen steigen. Das geht aus einer Prognose von Analysten des US-Landwirtschaftsministeriums hervor, über die Glavcom berichtet. Der erwartete Wert liegt 60.000 Tonnen über der Prognose für 2026, die damit bei rund 1,48 Millionen Tonnen liegt.
Der inländische Verbrauch soll 2027 auf 1,055 Millionen Tonnen steigen, 11.000 Tonnen mehr als für 2026 erwartet. Preisgünstige Geflügelprodukte gewinnen beim Konsum tierischer Proteine weiter an Bedeutung, während sich die Kaufkraft der Bevölkerung nur langsam erholt.
Der unterschiedliche Anstieg von Produktion und Verbrauch ist für den Markt entscheidend. Die Erzeugung soll um 60.000 Tonnen zulegen, der Binnenverbrauch jedoch nur um 11.000 Tonnen. Die Produzenten werden daher stärker auf Auslandsmärkte angewiesen sein, um das zusätzliche Angebot abzusetzen.
Exporte könnten 530.000 Tonnen erreichen
Die Hähnchenfleischexporte könnten 2027 auf 530.000 Tonnen steigen, meldet Glavcom unter Berufung auf die USDA-Prognose. Das wären 40.000 Tonnen mehr als 2026 erwartet. Die Importe sollen dagegen um 5.000 Tonnen auf 45.000 Tonnen sinken.
Die Versorgungszahlen für 2027 sind weitgehend schlüssig: Eine Produktion von 1,54 Millionen Tonnen und Importe von 45.000 Tonnen würden den Binnenverbrauch von 1,055 Millionen Tonnen sowie Exporte von 530.000 Tonnen decken. Damit wird der Zugang zu Auslandsmärkten zu einer Voraussetzung für die geplante Expansion der ukrainischen Geflügelwirtschaft.
Die ukrainischen Anbieter dürften sich weiterhin vor allem auf die Europäische Union konzentrieren. Laut Glavcom erzielt ukrainisches Geflügel innerhalb des EU-Zollkontingents den höchsten Preis. Zugleich gewinnt das Vereinigte Königreich an Bedeutung. Die dorthin gelieferten Mengen könnten sich 2027 dem Exportvolumen in die EU annähern. Großbritannien gewährt ukrainischen Produkten weiterhin unbegrenzten Marktzugang.
Konzentrierter Markt unter Kriegsbedingungen
Die industrielle Hähnchenfleischproduktion der Ukraine ist stark konzentriert. Nach USDA-Schätzung werden sechs vertikal integrierte Unternehmen mehr als 75% der Gesamtproduktion stellen. Eine kleine Gruppe großer Erzeuger und Verarbeiter entscheidet damit wesentlich darüber, ob aus dem Produktionszuwachs ein höheres Exportvolumen wird.
Kriegsbedingte Störungen bleiben das größte Risiko für die Prognose. Russische Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur führen zu Stromausfällen, erschweren die Logistik und schaffen zusätzliche Risiken für Produktionsstätten. Energieversorgung und verlässliche Transportwege werden bestimmen, ob die Unternehmen die erwarteten Produktions- und Exportmengen erreichen.
Die Prognose zeigt ein moderates Wachstum des ukrainischen Binnenmarktes, aber eine deutlich stärkere Exportorientierung. Die Produzenten müssen zusätzliche 40.000 Tonnen im Ausland verkaufen und zugleich den Zugang zu den höherpreisigen EU-Verkäufen sowie zum offenen britischen Markt sichern. Importeure und Händler können mit einem größeren ukrainischen Angebot rechnen, müssen aber weiterhin Lieferprobleme infolge von Energie- und Logistikstörungen einkalkulieren.