Spaniens Inflation steigt im August auf 4,3 % – unverarbeitete Lebensmittel verdoppeln ihre Jahresrate
Die Verbraucherpreise in Spanien stiegen im August um 4,3 % gegenüber dem Vorjahr, der höchste Wert seit Februar 2023. Energie verteuerte sich um 16,9 %, unverarbeitete Lebensmittel verdoppelten ihre Jahresrate auf 4,5 %. Funcas erwartet im kommenden Monat 4,9 %, BBVA Research 4,7 bis 4,9 % – beide Prognosen hängen am Ölpreis.
Die Verbraucherpreise in Spanien sind im August um 4,3 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen – 0,7 Punkte mehr als im Juli und der höchste Stand seit Februar 2023, als die Rate 6,1 % erreichte. Über die endgültigen Zahlen des Statistikinstituts INE berichtet Libertad Digital: Den größten Einfluss auf die Jahresrate hatten die Gruppen Verkehr sowie Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke.
Unverarbeitete Lebensmittel verdoppeln ihre Jahresrate
Unter den Sonderaggregaten des INE stieg Energie im August um 16,9 %, 6,8 Punkte mehr als im Vormonat. Unverarbeitete Lebensmittel verdoppelten ihre Julirate auf 4,5 %. Im Warenkorb der Haushalte ist das laut Libertad Digital bereits deutlich spürbar.
Frischware, Fleisch und Fisch fallen in diese Kategorie, in der die Preise stärker von Ernten, Kraftstoffkosten und Logistik abhängen als von vertraglich fixierten Verarbeitungsmargen. Eine Verdopplung der Jahresrate binnen eines Monats zeigt, dass Kosten sehr schnell durch die Kette gereicht werden.
Funcas und BBVA Research sehen Raten über 4 %
Funcas erwartet für den kommenden Monat eine Inflationsrate von 4,9 % und geht davon aus, dass der Wert in den Folgemonaten über 4 % bleibt – mehr als das Doppelte des 2-%-Preisstabilitätsziels der Europäischen Zentralbank. Der Thinktank rechnet mit einem durchschnittlichen Jahres-VPI von 3,6 % für dieses Jahr und 2,9 % für 2027, in beiden Fällen drei Zehntel mehr als in der vorherigen Prognose.
Die Echtzeitschätzungen von BBVA Research weisen in dieselbe Richtung: Die Gesamtinflation dürfte im kommenden Monat auf eine Spanne von 4,7 % bis 4,9 % gegenüber dem Vorjahr anziehen. Die Forschungsabteilung der Bank führt den Aufwärtsdruck vor allem auf die Energiekomponente zurück und ergänzt, dass sich der Anstieg bei unverarbeiteten Lebensmitteln durch höhere Transportkosten und teurere Vorleistungen verstärken könnte.
Die Ölannahmen entscheiden
Funcas hat seine Zahlen auf drei Szenarien aufgebaut. Öl- und Gaspreise sind in den vergangenen Wochen mit der Verschärfung des Konflikts stark gestiegen, Rohöl notiert über 100 US-Dollar je Barrel, Mibgas bei rund 85 Euro.
- Basisszenario: Die kriegsbedingten Spannungen verschärfen sich nicht weiter, Rohöl fällt bis Ende dieses Jahres auf 80 US-Dollar je Barrel und bis Ende nächsten Jahres auf 70 US-Dollar zurück, und die Regierung führt bis Januar erneut eine Senkung der Mineralölsteuer um 0,2 Euro für Benzin und Diesel ein. Durchschnittlicher Jahres-VPI: 3,6 % im Jahr 2026 und 2,9 % im Jahr 2027.
- Negativszenario: Rohöl bleibt bis Jahresende bei rund 107 US-Dollar und 2027 durchgehend nahe 100 US-Dollar. Durchschnittlicher Jahres-VPI: 3,8 % im Jahr 2026 und 3,6 % im Jahr 2027.
Die im Basisszenario unterstellte Steuersenkung von 0,2 Euro läuft nur bis Januar. Wird sie nicht verlängert, springen die Transportkosten der Lebensmitteldistribution zu Jahresbeginn nach oben. Mibgas bei rund 85 Euro belastet zudem gasintensive Verarbeitungsstufen der Lebensmittelindustrie.
Kumulierte Kaufkraftverluste und fiskalische Nebenwirkungen
Offizielle Daten, die Libertad Digital anführt, zeigen einen Kaufkraftverlust von mehr als 24 % seit August 2021, als die Inflationswelle einsetzte. Über die unmittelbare Belastung an der Kasse und an der Zapfsäule hinaus wirkt die Inflation auf die Rentenanpassung und auf Haushaltsposten, die mit den Preisen fortgeschrieben werden, etwa die Beamtenbesoldung und das Mindesteinkommen IMV.
Das Medium verweist auch auf die fiskalische Seite: Der Verzicht auf eine Inflationsbereinigung des Einkommensteuertarifs (IRPF) wirkt wie eine Steuererhöhung durch die Hintertür, und über die Mehrwertsteuer füllt der Fiskus seine Kassen ebenfalls mit den steigenden Preisen.
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