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Schokolade bleibt trotz sinkender Kakaopreise teuer – Hersteller setzen auf Premiumprodukte

Sinkende Kakaopreise führen noch nicht zu breiten Preissenkungen bei Schokolade, weil Hersteller frühere Kostensteigerungen verarbeiten und ihre Margen stabilisieren. Lindt senkt Preise punktuell, während Barry Callebaut und Nestlé auf Premiumprodukte, eine Nachfrageerholung und niedrigere künftige Rohstoffkosten setzen.

Schokolade bleibt trotz sinkender Kakaopreise teuer – Hersteller setzen auf Premiumprodukte

Niedrigere Kakaopreise erreichen die Verbraucher noch nicht

Nach einer Rekordrally geben die Kakaopreise nach, doch Schokolade wird bislang nicht auf breiter Front günstiger. Newmoney.gr berichtet, dass die großen Schweizer Hersteller Barry Callebaut, Lindt und Nestlé den steilen Anstieg der Kakaokosten als Belastung für ihre Gewinne bezeichnet haben. Die Unternehmen versuchen nun, ihre Profitabilität wiederherzustellen, ohne die Nachfrage weiter zu schwächen. Deshalb bleiben die Verbraucherpreise trotz der Korrektur am Rohstoffmarkt hoch.

Wie stark die Absatzmengen unter Druck stehen, zeigt Lindt. Preiserhöhungen von konzernweit 11,8% gingen im ersten Halbjahr mit einem Rückgang des Schokoladenabsatzes um 7,5% einher, weil weniger Verbraucher zugriffen. Inzwischen hat das Unternehmen die Preise in wichtigen Märkten wie Deutschland und der Schweiz selektiv gesenkt, insbesondere während der für die Branche entscheidenden Weihnachtszeit. Barry Callebaut und Nestlé haben keine Preissenkungen angekündigt.

Die Nachfrage sinkt, die Unternehmenszahlen entwickeln sich unterschiedlich

Weltweit kauften Verbraucher im dritten Quartal 4,4% weniger Schokolade als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, wie von Barry Callebaut veröffentlichte Zahlen zeigen. Das gesamte Absatzvolumen des Unternehmens stieg im Quartal dennoch um 5,7% und wuchs damit erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder. Der weltweite Kakaoabsatz legte infolge der Marktkorrektur zu Jahresbeginn um 18% zu.

Auch Nestlé spürt weiterhin die Folgen teurer Agrarrohstoffe. Höhere Kakao- und Kaffeepreise trugen im ersten Halbjahr zu einem Rückgang des zugrunde liegenden Betriebsgewinns um 2,8% bei. Süßwaren stehen für 9,7% des gesamten Konzernumsatzes. Nestlé erwartet von niedrigeren Kakaopreisen eine Stützung der Margen, doch zunächst stärkt dieser Effekt die Profitabilität, statt unmittelbar zu niedrigeren Ladenpreisen zu führen.

Das Wetter sorgt für zusätzliche Unsicherheit. Schlechte Ernten in Westafrika, verschärft durch Wetterereignisse im Zusammenhang mit El Niño und dem Klimawandel, waren ein wesentlicher Auslöser der Angebotsverknappung und des Preissprungs bei Kakao. Barry Callebaut zufolge wurde für 2026 und 2027 ein starker El Niño bestätigt, der ein neues Angebotsrisiko schafft. Ein großer erwarteter Überschuss für 2025-2026 bildet jedoch einen Puffer, sodass sich die Lage deutlich von 2023-2024 unterscheidet.

Premiumformate sollen Wachstum zurückbringen

Um Verbraucher zurückzugewinnen, setzen die Hersteller auf Produktentwicklung statt auf eine weitere Preisrunde. Barry Callebaut und Lindt konzentrieren sich auf die Nachfrage nach Premiumprodukten und auf Formate, die von Trends in sozialen Medien bei jüngeren Käufern geprägt sind. Laut CNBC, zitiert von Newmoney.gr, baut Barry Callebaut sein Gourmet-Geschäft für Köche und Bäcker sowie sein Angebot spezialisierter hochwertiger Schokoladenprodukte aus.

Die Absicherung der Rohstoffkosten könnte den Herstellern zusätzlichen Spielraum bei der Preissteuerung geben. UBS-Analysten schätzen, dass Lindt Kakao für 2027 zu günstigen Konditionen abgesichert hat und dadurch bis zu 500 Millionen Schweizer Franken einsparen könnte. Nachfragerisiken bleiben bestehen: Hitzewellen und steigende Temperaturen belasteten einige wichtige europäische Märkte von Lindt, wo der Absatz ohne Osteuropa bis zum 14. Juni im Monatsvergleich zurückging. Die Zölle von Donald Trump verursachten zudem einen kurzen, aber deutlichen Preissprung und Störungen der Lieferketten. Der Konflikt im Nahen Osten verringerte die Touristenströme und beeinträchtigte Lindts Einzelhandelsgeschäft an Flughäfen und Bahnhöfen weltweit. Für Hersteller und Einkäufer verbessert billigerer Spot-Kakao damit zwar den Ausblick, doch Verträge, Absicherungen, Lagerbestände und eine fragile Nachfrage entscheiden, wann und ob die Entlastung bei den Verbrauchern ankommt.

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