Russlands Schweinefleischabsatz steigt um 13 %, Geflügel verliert
Der Absatz von gekühltem und gefrorenem Schweinefleisch in Russland stieg von Januar bis Juni 2026 um 13 % gegenüber dem Vorjahr, während der Geflügelabsatz mengenmäßig um 3 % sank. Die höhere Schweineproduktion und steigende Hähnchenpreise sprechen für eine Verschiebung innerhalb des Fleischkonsums.
Schweinefleisch wächst stärker als der Gesamtmarkt
Der Absatz von gekühltem und gefrorenem Schweinefleisch in Russland stieg von Januar bis Juni 2026 um 13 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das zeigen Daten des Analyseunternehmens NTech, die von Kommersant zitiert und von Life.ru veröffentlicht wurden. Unter den untersuchten Fleischkategorien war dies der stärkste Zuwachs, wobei Halbfertigprodukte, Marinaden, Hackfleisch und andere verarbeitete Erzeugnisse nicht berücksichtigt wurden.
Die Entwicklung lag deutlich über dem Gesamtmarkt. Die gesamte Fleischnachfrage nahm lediglich um 1 % zu. Schweinefleisch gewann damit vor allem innerhalb der Einkäufe privater Haushalte an Anteil, statt nur von einem allgemeinen Konsumwachstum zu profitieren. Die Analysten von NTech vermuten, dass ein Teil der Verbraucher von Hähnchen- zu Schweinefleisch wechselte. Der Geflügelabsatz sank in den ersten sechs Monaten 2026 mengenmäßig um 3 %.
Die Handelsketten meldeten dieselbe Richtung, allerdings mit unterschiedlichen Wachstumsraten. Bei Auchan nahm der Schweinefleischabsatz im Jahresvergleich um 5 % zu, während Perekrestok einen Nachfrageanstieg von 14 % verzeichnete. Die Abweichung kann mit Ladenformaten, regionaler Präsenz, Kundengruppen, Sortimenten und Verkaufsaktionen zusammenhängen. Beide Werte bestätigen dennoch, dass Schweinefleisch besser abschnitt als die Fleischkategorie insgesamt.
Die heimische Produktion zieht mit
Der höhere Einzelhandelsabsatz ging mit einer Ausweitung der russischen Produktion einher. Laut Rosstat erzeugten russische Agrarbetriebe von Januar bis August 2026 insgesamt 3,96 Millionen Tonnen Schlachtschweine in Lebendgewicht. Das waren 3,3 % mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Produktionsstatistik umfasst zwei Monate mehr als die Absatzdaten, doch beide Kennzahlen weisen auf Wachstum im Schweinesektor hin.
Andere wichtige Tierkategorien verzeichneten im selben Achtmonatszeitraum Rückgänge. Die Geflügelproduktion sank um 3,3 % auf 4,36 Millionen Tonnen, die Rinderproduktion um 0,5 % auf 720.500 Tonnen. Bei Schweinefleisch stiegen somit sowohl Einzelhandelsvolumen als auch Angebot, während beim Geflügel Absatz und landwirtschaftliche Produktion zurückgingen.
Für russische Verarbeiter und Händler schafft das zusätzliche Angebot mehr Spielraum, die Nachfrage mit inländischer Ware zu bedienen. Die verfügbaren Daten enthalten jedoch keine Großhandelspreise für Schweinefleisch, Verarbeitungsmargen, Lagerbestände oder Handelsströme. Deshalb lässt sich nicht feststellen, ob die Expansion die Profitabilität verbessert hat. Erkennbar ist lediglich, dass die Erzeuger ihre Mengen erhöhten, während Verbraucher und große Handelsketten mehr gekühltes und gefrorenes Schweinefleisch kauften.
Teureres Hähnchen verändert den Wettbewerb
Die Nachfrageverschiebung fiel mit steigenden Hähnchenpreisen zusammen. Nach Rosstat-Zahlen, die Life.ru veröffentlichte, verteuerten sich gekühlte und gefrorene Hähnchen im zuletzt erfassten Monat um 2,2 %. Der durchschnittliche Einzelhandelspreis erreichte 263,6 Rubel je Kilogramm und lag damit 15,8 % über dem Vorjahresniveau. Frühere Berichte führten den Anstieg auf höhere Produktionskosten und Marktveränderungen zurück.
Ein vergleichbarer Schweinefleischpreis wurde nicht genannt. Daher lassen sich weder der relative Preisabstand noch die jeweiligen Beiträge von Preisen, Verkaufsaktionen und veränderten Präferenzen bestimmen. Steigende Hähnchenpreise, sinkende Geflügelverkäufe und eine geringere Produktion stützen jedoch die Annahme, dass Bezahlbarkeit und Verfügbarkeit die Kaufentscheidung beeinflussten.
Folgen für die Fleischwirtschaft
Die Entwicklung begünstigt Schweinehalter, Schlachtbetriebe und Verarbeiter von gekühlten und gefrorenen Teilstücken. Ein Absatzplus von 13 % bei einem Produktionszuwachs von 3,3 % kann die Kapazitätsauslastung stützen. Die Unternehmen müssen jedoch beobachten, ob das Angebot mit der Nachfrage Schritt hält, ohne zusätzlichen Preisdruck auszulösen. Händler könnten Regalflächen, Aktionen und Beschaffung stärker auf Schweinefleisch ausrichten, falls die Kategorie weiter überdurchschnittlich wächst.
Geflügelunternehmen stehen vor einer anderen Aufgabe. Höhere Kosten und Einzelhandelspreise treffen auf schwächere Absatzmengen, wodurch Kostenkontrolle und disziplinierte Preisgestaltung wichtiger werden. Die gesamte Fleischnachfrage in Russland wuchs weiterhin um 1 %. Die Zahlen zeigen daher keinen allgemeinen Rückzug vom Fleischkonsum, sondern eine veränderte Zusammensetzung: Schweinefleisch gewinnt, während Geflügel Volumen verliert.