Österreich bringt Dürreschäden von 1 Milliarde Euro vor den EU-Agrarrat
Österreich will die Folgen der Dürre 2026 im EU-Agrarrat thematisieren, nachdem die Agrarschäden auf rund 1 Milliarde Euro geschätzt wurden. Ertragsverluste im Grünland von bis zu 50 Prozent und die geringe Versicherungsquote belasten Viehbetriebe.
Wien drängt auf eine europäische Reaktion
Österreich will die Folgen der anhaltenden Dürre 2026 am 28. September im EU-Rat für Landwirtschaft und Fischerei in Brüssel ansprechen. Wien fordert schnellere Krisenhilfen und eine stärkere Gemeinsame Agrarpolitik. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig will sich dafür einsetzen, dass die EU-Agrarreserve bei Extremwetter in ganzen Regionen rasch eingesetzt werden kann. Die Österreichische Hagelversicherung schätzt den landwirtschaftlichen Schaden auf rund 1 Milliarde Euro.
Die Initiative ist noch kein förmlicher Antrag auf finanzielle Unterstützung. Wie netz-trends.de berichtet, nannte das Ministerium weder eine beantragte Summe noch das Verfahren, über das Hilfe gewährt werden soll. Auf der veröffentlichten Tagesordnung für den 28. September stehen die Gemeinsame Agrarpolitik nach 2027, die Marktlage und aktuelle Herausforderungen sowie ein Arbeitsessen zum Düngemittel-Aktionsplan. Österreich kann die Dürre daher im Rahmen der breiteren Marktdebatte oder als zusätzlichen Punkt ansprechen.
Hohe Grünlandverluste treffen auf eine Versicherungslücke
Am stärksten unter Druck stehen Grünland- und Viehbetriebe. Das Ministerium meldete Ertragseinbußen im Grünland von bis zu 50 Prozent. Nach Angaben der Österreichischen Hagelversicherung sind jedoch nur 40 Prozent der Grünlandflächen gegen Dürre versichert. Bei den Ackerflächen liegt der Anteil bei 80 Prozent. Viele Milchvieh- und Rinderbetriebe sind damit gerade in dem Bereich ungeschützt, in dem die größten Produktionsverluste gemeldet werden.
Der Grünlandausfall verlängert die finanziellen Folgen über die Ernte hinaus. Betriebe ohne ausreichendes Grundfutter müssen Vorräte aufbrauchen oder Futter für Milchvieh und Rinder zukaufen. Die Mehrkosten können sich durch den gesamten Winter ziehen. Nach Angaben des Ministeriums leiden auch Sommerkulturen und Grünland in anderen Teilen West- und Mitteleuropas unter extremer Trockenheit; Schätzungen für einzelne Länder wurden jedoch nicht genannt.
GeoSphere Austria teilte am 18. August mit, dass die vorangegangenen zwölf Monate die trockensten seit Messbeginn 1850 waren. Auf 72 Prozent der Landesfläche gab es mehr trockene Tage als in jedem vergleichbaren Zeitraum der vergangenen 65 Jahre. Das Niederschlagsdefizit hängt vom Messzeitraum ab: Vom 1. Januar bis 12. August ermittelte GeoSphere 43 Prozent für Niederösterreich, 42 Prozent für Oberösterreich sowie jeweils 39 Prozent für Wien und das Burgenland. Die Angabe des Versicherers von bis zu 75 Prozent bezog sich dagegen auf einzelne Regionen seit dem 15. Juni und auf den Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2025.
Nationales Paket ersetzt nicht zwingend verlorene Erträge
Die österreichische Bundesregierung vereinbarte am 21. August ein Dürre-Hilfspaket von 240 Millionen Euro. Es gilt bundesweit für alle Betriebsformen und Kulturen. Den Quellen zufolge besteht aber nur ein Teil aus unmittelbar verfügbarem Geld. Weitere Elemente fördern Versicherungsprämien im folgenden Jahr oder umfassen Kredite, Beitragserleichterungen und Stundungen. Das kann Liquidität sichern und die Vorbereitung auf die nächste Saison erleichtern, ersetzt aber nicht zwingend die bereits 2026 ausgefallene Produktion.
Als die deutsche Fachzeitung agrarzeitung am 27. August über das Thema berichtete, hatte die EU-Kommission noch keine gezielten Erleichterungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik zugesagt. EU-Agrarkommissar Christophe Hansen erklärte, die Lage werde intensiv beobachtet. Die Beratung im Rat wird zeigen, ob Österreich Unterstützung für den Einsatz der Agrarreserve oder andere Krisenmaßnahmen findet. Besonders relevant ist das Ergebnis für unzureichend versicherte Viehbetriebe und für Käufer von Raufutter, Getreide und anderen Futtermitteln, falls das heimische Angebot knapp bleibt.