Moldaus Landwirtschaftsminister fordert vollständigen Exportstopp nach Russland und Belarus
Landwirtschaftsminister Eugeniu Osmochescu hat einen vollständigen Verzicht auf moldauische Exporte nach Russland und Belarus vorgeschlagen, um Chisinaus Bekenntnis zu den internationalen Sanktionen zu zeigen. Er räumte ein, dass ein sofortiges Verbot die Exporteure treffen würde, und schlug ein Förderprogramm für den Zugang zum EU-Markt vor. Eine Entscheidung steht aus.
Moldaus Landwirtschaftsminister Eugeniu Osmochescu hat vorgeschlagen, die Ausfuhr moldauischer Waren auf die Märkte Russlands und Belarus vollständig einzustellen. Ein solcher Schritt würde nach seiner Auffassung das Bekenntnis Chisinaus zu den internationalen Sanktionen gegen beide Länder zeigen. Die Äußerungen berichtete die Zeitung Komsomolskaja Prawda in Moldau; übernommen wurden sie anschließend von TASS, Kommersant sowie den belarussischen Portalen Myfin und BelNowosti.
Nach Angaben von BelNowosti brachte der Minister die Initiative am 20. September 2026 in Chisinau vor. Kommersant weist darauf hin, dass Osmochescu betonte, es handele sich um seine persönliche Meinung. Eine förmliche Entscheidung ist bislang nicht gefallen, und es ist offen, ob andere Mitglieder der moldauischen Regierung den Vorstoß unterstützen.
Eine politische Geste mit eingeräumten Kosten
Osmochescu stellte den Vorschlag nicht als kostenlos dar. Er räumte ein, dass ein sofortiges Verbot moldauische Erzeuger treffen würde, die bereits auf diesen Märkten tätig sind. „Wir müssen berücksichtigen, dass wir Exporteure für diese beiden Märkte haben – mehr nach Belarus als nach Russland –, und sie würden unter einem sofortigen Verbot leiden“, zitiert ihn Komsomolskaja Prawda in Moldau.
Zum Ausgleich schlug er ein eigenes Förderprogramm für betroffene Exporteure vor. „Wir müssen ein Programm zu ihrer Unterstützung entwickeln, das ihnen den Zugang zum Markt der Europäischen Union ermöglicht“, zitiert Kommersant den Minister. Damit räumte er ein, dass ein politisches Signal in Richtung EU zusätzliche Haushaltsmittel erfordert und den heimischen Agrarsektor vor Schwierigkeiten stellen kann.
Das Risiko liegt bei Äpfeln und Wein
Kommersant beschreibt die kommerzielle Bedeutung eines Verbots: den Verlust eines langjährig genutzten Absatzmarktes, vor allem für Äpfel und Wein. Die Zeitung nennt folgende Kennzahlen:
- 2020 entfielen 28 % der russischen Apfelimporte auf Moldau.
- Bei moldauischem Wein lag Russland als Abnehmer auf Platz zwei hinter Rumänien.
- Die Folgen fielen je nach Erzeuger unterschiedlich aus, am empfindlichsten für Unternehmen, die auf diese beiden Warengruppen ausgerichtet sind.
Die Schwerpunkte der Quellen unterscheiden sich. Kommersant sieht den russischen Markt als den größeren kommerziellen Verlust für Apfel- und Weinexporteure, während der Minister selbst laut Myfin und BelNowosti erklärt, die heutigen Exporteure seien stärker auf Belarus als auf Russland ausgerichtet. Der erste operative Schock träfe demnach den belarussischen Kanal.
Der Weg in die EU ist belegt, aber langsam
Kommersant verweist zudem darauf, dass eine rasche Umorientierung in die Europäische Union nicht nur an der Käufersuche hängt. 2022 stießen Lieferungen moldauischer Waren nach Russland bereits auf logistische Probleme, und seit dem 15. August 2022 war die Einfuhr pflanzlicher Erzeugnisse aus mehreren moldauischen Bezirken wegen Verstößen gegen Quarantänevorschriften untersagt.
Moldauische Weinkellereien reduzierten 2022 ihre Verkäufe nach Russland und orientierten sich nach Europa und in die USA um. Kommersant beschreibt diese Erfahrung allerdings als Anpassungsprozess und nicht als sofortigen Ersatz des bisherigen Marktes – ein Unterschied, der bei der Frage zählt, wie schnell Apfel- und Weinmengen neu platziert werden können.
Was als Nächstes zu beobachten ist
Ob der Vorstoß über eine Ministererklärung hinausgeht, entscheidet sich an drei Punkten: ob das Kabinett ihn zur Regierungspolitik macht, ob das angekündigte Förderprogramm mit echter Finanzierung und Vergabekriterien ausgestaltet wird und wie schnell Zertifizierung und Logistik den Zugang verdrängter Mengen zu EU-Kanälen erlauben. Zum Zeitpunkt der Äußerung war keiner dieser Punkte geklärt.