Mehr Milch und hohe Importe setzen Brasiliens Preise unter Druck
Brasiliens durchschnittlicher Rohmilchpreis blieb im August mit R$ 2,8869 je Liter nahezu stabil, obwohl die Erfassung um 3,86 % zunahm. Die Erholung der heimischen Produktion, hohe Molkereieinfuhren und steigende Futterkosten erhöhen den Druck auf Erzeuger- und Großhandelspreise.
Milcherfassung steigt, Erzeugerpreise bleiben stabil
Brasiliens durchschnittlicher Rohmilchpreis blieb im August nahezu unverändert, obwohl sich das Angebot in wichtigen Erzeugerregionen erholte. Feed & Food zufolge erreichte der von Cepea berechnete Netto-Durchschnitt für Brasilien R$ 2,8869 je Liter. Real waren das 0,7 % mehr als im Juli und 9,18 % mehr als im August 2025. Eine weiterhin relativ solide Nachfrage und höhere Preise für einige Milchprodukte verhinderten, dass das größere Angebot die Auszahlungspreise für Landwirte deutlicher sinken ließ.
Der Milcherfassungsindex ICAP-L erhöhte sich zwischen Juli und August um 3,86 %. Der Anstieg spiegelte die Erholung der Produktion wider, insbesondere im Süden Brasiliens. Die zusätzliche Milch gelangt nun zu den Verarbeitern und vergrößert die verfügbare Rohstoffmenge für die Herstellung von Molkereiprodukten. Damit verschiebt sich das Marktgleichgewicht nach der im August beobachteten Stabilität.
Regionale Preise weichen voneinander ab, Futter wird teurer
Die Bedingungen auf Erzeugerebene unterschieden sich deutlich zwischen den beobachteten Bundesstaaten. Minas Gerais verzeichnete im August mit R$ 3,0446 je Liter den höchsten durchschnittlichen Nettopreis. In Rio Grande do Sul, wo die Erholung der südlichen Produktion das Angebot erhöht, lag er bei R$ 2,6545. Santa Catarina kam auf R$ 2,7758 je Liter. Die Spanne zeigt, wie stark lokales Angebot, Nachfrage der Verarbeiter und regionale Marktbedingungen die Erlöse der Milchviehbetriebe bestimmen.
Die Betriebskosten entwickelten sich entgegengesetzt zum erwarteten Preisdruck bei Milch. Die effektiven Betriebskosten stiegen im August um 0,63 %, hauptsächlich wegen höherer Aufwendungen für die Fütterung der Herden. Kraftfutter verteuerte sich nach den vorherigen Preissteigerungen bei Mais und Sojabohnen um 1,2 %. Den Betrieben drohen damit sinkende Milcherlöse, während gleichzeitig ein zentraler Kostenblock wächst.
Importe vergrößern das verfügbare Angebot
Brasiliens Einfuhren von Molkereiprodukten gingen gegenüber Juli um 2,54 % zurück, blieben mit 230,3 Millionen Litern Milchäquivalent aber hoch. Laut Feed & Food lag das Volumen fast 40 % über dem Niveau von August 2025. Milchpulver stellte 72,3 % der Auslandskäufe und entsprach 166,58 Millionen Litern Milchäquivalent. Diese Lieferungen ergänzen die Erholung der heimischen Erfassung und verstärken den Wettbewerb für brasilianische Rohmilch.
In São Paulo stiegen die Preise wichtiger Milchprodukte im August noch. H-Milch verteuerte sich um 4,65 %, Milchpulver um 1,80 % und Mozzarella um 0,62 %. Diese Zuwächse stützten die Rohmilchnachfrage und begrenzten einen unmittelbaren Rückgang der Erzeugerpreise. Im September begann die größere Rohstoffverfügbarkeit jedoch bereits, die Großhandelsverhandlungen zu belasten. Der Angebotsanstieg erreicht damit zunehmend die nachgelagerte Verarbeitungskette.
Weiterer Druck im September und Oktober möglich
Cepea erwartet, dass die Erholung der brasilianischen Milchproduktion und die anhaltend hohen Importe die Rohmilchpreise im September unter Druck setzen. Diese Entwicklung könnte sich im Oktober fortsetzen. Wie stark einzelne Betriebe betroffen sind, hängt von regionaler Erfassung, Verarbeiternachfrage und Futterkosten ab. Verarbeiter und Einkäufer können von günstigeren Beschaffungsbedingungen profitieren. Für Milcherzeuger werden die Margen enger, falls die Milchpreise fallen, bevor die von Mais und Sojabohnen beeinflussten Futterkosten nachgeben.
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