Marokkos Olivenernte soll 2026-2027 um 40 % auf 1,2 Millionen Tonnen fallen
Der marokkanische Olivenbranchenverband erwartet für die Saison 2026-2027 einen Produktionsrückgang von rund 40 Prozent, etwa 800.000 Tonnen weniger als die Rekordernte von 2 Millionen Tonnen. Der Verband setzt auf die Vorräte aus der Rekordernte und rechnet weder mit Knappheit noch mit einem Preissprung, nennt aber keine Lagerbestände.
Die marokkanische Olivenproduktion könnte in der Saison 2026-2027 um rund 40 Prozent zurückgehen. Das erwartet die Fédération interprofessionnelle marocaine de l'olive, der Branchenverband der marokkanischen Olivenwirtschaft. Bezogen auf den Rekord der Vorsaison von 2 Millionen Tonnen entspricht die Prognose einem Minus von etwa 800.000 Tonnen und einer Erntemenge von rund 1,2 Millionen Tonnen, berichtet bladi.net.
Scharfer Rückgang von einer außergewöhnlichen Basis
Der Verbandspräsident legte die Schätzung rund zwei Monate vor Beginn der Ernte vor und bezifferte den Rückgang im Jahresvergleich auf etwa 40 Prozent. Die Größenordnung ist untrennbar mit dem Vorjahr verbunden: Die vorangegangene Kampagne setzte mit 2 Millionen Tonnen einen Rekord und lag damit 111 Prozent über dem Vorjahr, nachdem zwei Saisons durch Dürre verkürzt worden waren.
Nach dieser Rechnung führt ein Minus von 40 Prozent Marokko nicht zurück auf Krisenniveau. bladi.net verweist darauf, dass die kommende Ernte einen Rückschritt gegenüber einem außergewöhnlich produktiven Jahr markieren würde und keine Wiederholung der Dürrejahre: 1,2 Millionen Tonnen liegen weiterhin deutlich über den Mengen, mit denen die Branche in der Zeit der Rohstoffknappheit arbeitete. Für Ölmühlen, Konservenhersteller und Exporteure ist deshalb nicht der Höchststand der Vorsaison der Maßstab, sondern der mehrjährige Durchschnitt.
Warum der Verband stabile Preise erwartet
Der Verband erklärt, der Rückgang werde weder zu Knappheit führen noch die Preise nach oben treiben, und stützt sich dabei auf die Reserven aus der Rekordernte, die den Markt weiter versorgen sollen. bladi.net betont, dass es sich um eine Branchenprognose und nicht um eine Garantie handelt und dass das genaue Volumen der verfügbaren Bestände nicht mitgeteilt wurde — die größte offene Frage in dieser Argumentation.
Neben der reinen Erntemenge nennt bladi.net mehrere Faktoren, die die Olivenölpreise in der Kampagne bestimmen werden:
- die Ölausbeute der Oliven bei der Pressung;
- die Qualität der angelieferten Früchte;
- die Erntekosten;
- die Entwicklung der Nachfrage.
Die Handelsströme haben sich mit der Rekordernte bereits gedreht
Die Ernte von 2 Millionen Tonnen hat Marokkos Position im Olivenölhandel innerhalb einer einzigen Saison verändert. Das Land hatte begonnen, Olivenöl aus Spanien einzuführen, um sein Defizit zu decken und auf die steigenden Preise eines im Inland stark nachgefragten Produkts zu reagieren. Im ersten Halbjahr 2026 brachen die marokkanischen Käufe ausländischen Öls dann ein — zeitgleich mit der Rückkehr der heimischen Rekordernte und besseren Anbaubedingungen, so bladi.net.
Der Export entwickelte sich in die Gegenrichtung. Nach Daten der Europäischen Kommission stiegen die marokkanischen Olivenöllieferungen in die Europäische Union deutlich und erreichten zwischen Oktober und November 2024 841 Tonnen. Auch die Olivenkonservenindustrie kehrte auf Basis der Ernte von 2 Millionen Tonnen zum Wachstum zurück und beendete damit zwei Krisenjahre mit knappem Rohstoff, berichtet bladi.net.
Die Inlandspreise folgten demselben Muster. Laut bladi.net beendete die historische Ernte den Preisanstieg beim Olivenöl, der 120 Dirham erreicht hatte, und erzwang eine unmittelbare Rückkehr zu normaleren Niveaus. Eine Ernte von 1,2 Millionen Tonnen wird zeigen, wie viel von dieser Korrektur die Branche halten kann, wie tief die Übertragsbestände tatsächlich reichen, auf die der Verband setzt, und ob marokkanische Käufer in der zweiten Saisonhälfte zu ausländischer Ware zurückkehren.