Kroatische Landwirte wehren sich gegen höhere EU-Quoten für die Ukraine
Die Ukraine will mit der EU über höhere Quoten für sensible Agrarwaren wie Zucker, Geflügel und Eier sprechen. Kroatische und andere europäische Erzeuger befürchten zusätzlichen Preisdruck, während Brüssel Gespräche im September noch nicht bestätigt hat.
Kiew drängt auf eine vorgezogene Quotenprüfung
Die Ukraine bereitet einen Vorstoß für höhere Einfuhrquoten der Europäischen Union bei sensiblen Agrarprodukten vor. Damit flammt der Streit über Marktzugang, Produktionsstandards und Preisdruck im Binnenmarkt erneut auf. Wie Jutarnji list berichtet, forderte der ukrainische Landwirtschaftsminister Taras Vysotsky Branchenvertreter auf, Daten für eine stärkere Verhandlungsposition bereitzustellen. Kiew plane, die Konsultationen mit der Europäischen Kommission im September wieder aufzunehmen.
Als sensibel gelten unter anderem Getreide, Mais, Honig, Zucker, Geflügelfleisch und Eier. Ukrainische Unternehmen setzen sich besonders für eine Überprüfung der Quoten für Zucker, Stärke, Melasse, Alkohol und Bioethanol ein. Angriffe auf Schwarzmeerhäfen beeinträchtigen den ukrainischen Seeexport und erhöhen damit die Bedeutung des Zugangs zum EU-Markt. Die Kommission hat nicht bestätigt, dass formelle Gespräche im September beginnen. Offen bleibt deshalb, ob der Zeitplan abgestimmt ist oder lediglich das Ziel Kiews darstellt.
Das geltende Abkommen hat den Marktzugang bereits erweitert
Ein modernisiertes Handelsabkommen zwischen der EU und der Ukraine trat Ende Oktober 2025 in Kraft. Es sieht höhere Quoten als die Vereinbarung von 2016 vor, begrenzt den Zugang jedoch gegenüber der Hochphase der zollfreien Kriegsimporte. Bei den meisten sensiblen Produkten wurden die Mengen gegenüber 2016 angehoben. Die jährliche Geflügelquote stieg von 90.000 auf 120.000 Tonnen, die Zuckerquote von 20.070 auf 100.000 Tonnen.
Weitere Erhöhungen sind an die schrittweise Angleichung ukrainischer Produktionsregeln an EU-Vorgaben gebunden. Dazu gehören Anforderungen an Tierwohl und Pestizideinsatz. Der Fortschritt wird jährlich überwacht; eine abschließende Bewertung ist für 2028 vorgesehen. Europäische Erzeuger argumentieren, dass die Einhaltung dieser Regeln ihre Kosten erhöht, während ukrainische Anbieter unter abweichenden Standards deutlich günstigere Ware liefern können. Die Kommission hatte die nächste Quotenüberprüfung bislang für 2028 angekündigt.
Kroatische Erzeuger verweisen auf Preis- und Importdruck
Agrarverbände in Kroatien und anderen östlichen EU-Mitgliedstaaten erklären, dass ukrainischer Zucker, Eier und Geflügel die Preise auf ihren Inlandsmärkten drücken. Kroatische Ackerbauern äußerten bereits 2023 ähnliche Bedenken bei Weizen und Mais. Unbegrenzte Importe aus der Ukraine gehörten 2024 zu den Auslösern der Bauernproteste in Đakovo und Čakovec. Besonders im Fokus steht der Eierhandel: 2022 importierte Kroatien keine ukrainischen Eier. Der Importwert stieg jedoch von 70.128 € im Jahr 2023 auf mehr als 8,2 Millionen € im Jahr 2024 und damit auf das 117-Fache. Bereits im ersten Halbjahr 2025 wurde der vorherige Ganzjahreswert überschritten. Das kroatische Landwirtschaftsministerium erklärte, der Großteil der Eier werde letztlich in andere Länder weitergeleitet. Die staatliche Aufsichtsbehörde gab an, bei ihren Kontrollen keine Eier aus Drittländern in kroatischen Geschäften gefunden zu haben.
Im gesamten Warenhandel bleibt das Verhältnis deutlich zugunsten der EU gewichtet. Auf den Staatenbund entfielen 65 % des ukrainischen Warenhandels, der 2025 einen Wert von 68,2 Milliarden € erreichte. Die EU importierte Waren im Wert von 21,7 Milliarden € aus der Ukraine und exportierte Waren für 46,5 Milliarden € dorthin. Die Agrarimporte gingen unter anderem zurück, weil der Wert der Getreideeinfuhren um 49 % beziehungsweise 2,2 Milliarden € sank. Die Maismenge verringerte sich um 40 % oder 1,2 Millionen Tonnen, die Weizenmenge um 65 % oder 0,9 Millionen Tonnen. Der Importwert von Raps fiel um 52 % beziehungsweise 870 Millionen €. Dagegen legten Pflanzenölimporte um 261 Millionen € oder 9 % zu. Die Mengen von Rapsöl stiegen um 51 % und von Sojaöl um 58 %, während die Sonnenblumenölmenge um ein Viertel sank. Brüssel kann damit argumentieren, dass der allgemeine Agrardruck nachgelassen hat. Für kroatische Erzeuger bleibt jedoch die Konzentration der Einfuhren auf Eier, Geflügel und Zucker das Kernproblem.
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