Kasachstan finanziert 95 Milchviehbetriebe und baut Kapazitäten aus
Kasachstan hat 95 Milchviehbetriebe mit einer Jahreskapazität von mehr als 500.000 Tonnen Milch finanziert; 71 davon produzieren bereits. Bis Ende 2026 sollen weitere 19 Betriebe mit rund 100.000 Tonnen Kapazität starten, während der neue Großbetrieb SK Agro 2050 den Ausbau im Norden prägt.
Vergünstigte Kredite verbreitern die Rohstoffbasis
Kasachstan beschleunigt Investitionen in große Milchviehbetriebe, um das heimische Milchangebot zu erhöhen und Verarbeitern eine verlässlichere Rohstoffbasis zu bieten. Ein Programm mit vergünstigten Krediten hat 95 Betriebe mit einer gemeinsamen Jahreskapazität von mehr als 500.000 Tonnen Milch finanziert, erklärte der stellvertretende Landwirtschaftsminister Asat Sultanow laut APK-Inform auf einer Regierungssitzung am 4. August. Davon sind 71 bereits in Betrieb.
Bis Ende 2026 sollen weitere 19 Milchviehbetriebe mit einer Jahreskapazität von rund 100.000 Tonnen anlaufen. Kapital.kz zufolge ist das Programm Teil breiterer Maßnahmen, um die inländische Versorgung auszubauen und Importe in Produktgruppen zu ersetzen, bei denen die Selbstversorgung noch unter dem Zielwert liegt. Bei den meisten Grundnahrungsmitteln deckt Kasachstan mindestens 80 % des Bedarfs; gezielte Maßnahmen betreffen weiterhin Geflügelfleisch, Fisch, Zucker, Käse und Quark, Wurstwaren sowie Äpfel.
SK Agro 2050 erreicht eine neue Größenordnung
Zum Ausbau gehört der neue Milchkomplex SK Agro 2050 im Bezirk Maghschan Schumabayew der Region Nordkasachstan. Die Regionalverwaltung meldete die Inbetriebnahme eines GEA-Westfalia-Melkkarussells mit 100 Plätzen, das als größte Anlage dieser Art in Zentralasien bezeichnet wird. Nach Erreichen der Auslegungskapazität soll der Betrieb täglich bis zu 150 Tonnen Milch erzeugen.
Die Gesamtinvestition in SK Agro 2050 beträgt rund 30 Milliarden Tenge; mehr als 120 dauerhafte Arbeitsplätze sollen entstehen. Der geplante Bestand umfasst 12.000 Rinder. Im ersten Bauabschnitt entstanden ein Stall für 800 Tiere, ein moderner Melkbereich, Unterkünfte für 550 trockenstehende und kalbende Kühe, zwei Kälberställe und ein computergesteuertes Mischfutterwerk.
Der Betrieb nutzt eine automatisierte Herdenführung, digitale Fütterungskontrollen und Systeme zur Überwachung der Tiergesundheit. Weitgehend automatisiert sind Abläufe vom Treiben der Rinder zum Melkstand bis zur Kühlung der Gebäude bei Hitze. Chef технологe und Betriebsleiter Wladimir Sergejew zufolge wurden seit Jahresbeginn 585 leistungsstarke Zuchtrinder per Luftfracht aus Deutschland eingeführt; bis zum Jahresende sollen weitere 660 Tiere aus europäischen Ländern folgen.
Verarbeiter erhalten einen größeren heimischen Milchpool
Nordkasachstan ist bereits das führende Zentrum des Landes für technologieintensive Milcherzeugung. Nach Angaben der Regionalverwaltung arbeiten mehr als 50 der 118 gewerblichen Milchviehbetriebe als „intelligente“ Unternehmen. Ein weiterer Großbetrieb von Gennadi Sentschenko hält rund 9.000 Rinder, darunter 3.600 Milchkühe, und nutzt ein Melkkarussell desselben Herstellers mit 90 Plätzen.
Das Milchprogramm fällt mit einem breiten Wachstum der kasachischen Lebensmittelindustrie zusammen. Laut Kapital.kz erreichte die Lebensmittelproduktion 2025 einen Wert von 4 Billionen Tenge, ein Plus von 8,4 %. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Produktion gegenüber dem Vorjahreszeitraum um weitere 14,7 %. Die Anlageinvestitionen in der Landwirtschaft erreichten 1,6 Billionen Tenge und lagen damit 46 % über dem Vorjahr; im ersten Halbjahr 2026 beliefen sie sich auf 926 Milliarden Tenge, ein Anstieg um 55 %.
Für Milchverarbeiter ist entscheidend, wie schnell die finanzierten Kapazitäten zu stabilen Lieferungen marktfähiger Rohmilch führen. Die Jahreskapazität der 95 geförderten Betriebe ist mehr als fünfmal so hoch wie diejenige der 19 Projekte, die bis zum Jahresende anlaufen sollen. SK Agro 2050 zeigt zudem, dass Kasachstan den Bestandsaufbau mit automatisiertem Melken, eigener Futterproduktion und Gesundheitsüberwachung verbindet, was Konsistenz und Rückverfolgbarkeit verbessern kann.