Italiens Olivenölbestände erreichen 233.377 Tonnen, Erzeugerpreise fallen unter die Kostendeckung
Zum 31. Juli lagerten in Italien 233.377 Tonnen natives Olivenöl extra, 43,9 % mehr als ein Jahr zuvor; in den Tanks der Ölmühlen stieg das italienische Öl um 139 % auf 108.299 Tonnen. An der Warenbörse Bari stammen die letzten Großhandelsnotierungen vom 16. Juni und liegen bei 5,90 bis 6,40 Euro je Kilogramm, gegenüber einem Deckungspreis von 7,50 Euro je Liter. Erzeugerverbände fordern die Anerkennung einer Krisenlage und öffentliche Ankäufe.
Italiens Olivenölbranche geht mit den höchsten je erfassten Beständen und Erzeugerpreisen deutlich unter dem als tragfähig geltenden Niveau in die Saison 2026/27, berichtet distribuzionemoderna.info. Bis zur Ernte sind es nur noch Wochen, und Betriebe wie Ölmühlen wägen ab, ob die Ernte ihre eigenen Kosten überhaupt einspielt.
Bestände an nativem Öl extra plus 43,9 %
Daten aus Frantoio Italia, dem Mühlenregister des Landwirtschaftsministeriums, weisen zum 31. Juli 233.377 Tonnen natives Olivenöl extra im Lager aus, ein Plus von 43,9 % gegenüber dem gleichen Stichtag des Vorjahres. Der Aufbau geht fast vollständig auf heimische Ware zurück: In den Mühlen lagen 108.299 Tonnen italienisches natives Öl extra, 139 % mehr als zwölf Monate zuvor.
Bei den übrigen Herkünften verlief die Entwicklung unterschiedlich. Die Bestände an Öl aus anderen EU-Staaten sanken um 3,9 %, während sich die Mengen aus Drittstaaten auf rund 10.000 Tonnen mehr als verdoppelten. Die Lagerbestände an Blends stiegen um 82 % auf 11.650 Tonnen.
Notierungen in Bari seit Juni eingefroren
Das Ungleichgewicht hat den Handel an der Warenbörse Bari ausgetrocknet: Bei italienischem nativem Öl extra kommen so wenige Abschlüsse zustande, dass die jüngsten Großhandelsnotierungen noch vom 16. Juni stammen und bei 5,90 bis 6,40 Euro je Kilogramm liegen. Ein Jahr zuvor war dieselbe Qualität mit rekordhohen 9,30 bis 9,50 Euro notiert. Offiziell soll der Handel am 25. August wieder aufgenommen werden.
Die Branche beziffert den Deckungspreis für italienisches natives Olivenöl extra auf 7,50 Euro je Liter, ein Niveau, das die aktuellen Großhandelspreise nicht erreichen. Antonio Casazza von Confagricoltura Campania nannte den Saisonauftakt in der Region hochkritisch: Die Betriebe müssten entscheiden, ob sie ernten und die Verarbeitung bezahlen „ohne Liquidität, ohne Marktperspektive und ohne kostendeckende Preise“, und ein Teil der Ernte drohe an den Bäumen zu bleiben.
Ladenpreise halten, Herkunftsabstand wächst
Die Verbraucherpreise sind dem Großhandel nicht gefolgt. Im italienischen Lebensmitteleinzelhandel kostet Öl aus der heimischen Kette im Schnitt 10 bis 12 Euro je Liter, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Ware aus anderen EU-Ländern dagegen 7 bis 8 Euro. Die Preise für Öle italienischer Herkunft blieben in den vergangenen Monaten weitgehend stabil, jene aus der EU gaben nach.
Kategoriedaten von Circana zeigen für das im März 2026 endende Jahr einen Absatz von Oliven- und Saatenölen im Handel von 388,4 Millionen Litern, ein Mengenplus von 1,3 %, bei einem Umsatzrückgang von 14,5 % auf 1,72 Milliarden Euro. Der Wertverlust spiegelt den Abbau der Rekordgroßhandelspreise von 10 Euro aus dem Jahr 2024 wider.
Erzeuger drängen auf öffentliche Hilfe
Apulien und Kalabrien haben formell beantragt, für den Sektor den Krisenzustand anzuerkennen, und Confagricoltura Campania fordert die Region Kampanien auf nachzuziehen. Tommaso Loiodice, Präsident des Erzeugerverbands Unapol, plädiert dafür, den Absatz mit einer starken Promotion im großflächigen Handel neu zu beleben und die Ministerien einzubinden, da Olivenöl Grundlage der mediterranen Ernährung sei.
Coldiretti hat das Landwirtschaftsministerium um eine Ausschreibung für zu 100 % italienisches natives Olivenöl extra zur Verteilung an Bedürftige gebeten. Solche Mittel könnten ein erster Eingriff bei den Beständen sein, so die Organisation, allerdings nur mit äußerst strengen Kontrollen gegen Betrug; vorgeschlagen werden Analysen unter anderem mittels Magnetresonanz, genetischer Kartierung und Isotopenanalyse sowie integrierte Datenbanken und ein gestärktes Labornetz.
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