Indonesiens Milchproduktion deckt nur 20 % des nationalen Bedarfs
Indonesien erzeugt nur rund 20 % der im Land benötigten Milch und deckt fast 80 % des Bedarfs durch Importe, insbesondere aus Australien. Niedrige Milchleistungen, knappe Futterflächen und das tropische Klima bremsen den Ausbau der heimischen Produktion.
Importe decken fast vier Fünftel des Bedarfs
Indonesiens heimische Milchviehbetriebe liefern derzeit nur rund 20 % der landesweit benötigten Milch, während fast 80 % durch Importe gedeckt werden, berichtete Republika. Der stellvertretende koordinierende Minister für Ernährung, Hanif Faisol Nurofik, erklärte, das Land benötige weiterhin Lieferungen aus dem Ausland, insbesondere aus Australien, das er als Herkunftsland leistungsfähiger Milchrinder bezeichnete.
Die Zahlen verdeutlichen Indonesiens starke Abhängigkeit von externen Milchlieferungen. Für einheimische Landwirte und Verarbeiter eröffnet die Lücke zwischen Produktion und Verbrauch einen großen potenziellen Markt. Um ihn zu bedienen, müssen jedoch sowohl die Leistung der Tiere als auch ihre Haltungsbedingungen verbessert werden. Hanif erläuterte die Hemmnisse nach einem Besuch bei der nordbandungischen Milchbauernkooperative KPSBU in Lembang im Regierungsbezirk West Bandung am 24. Juli 2026.
Leistungsgefälle begrenzt das heimische Angebot
Die durchschnittliche Milchleistung in Indonesien liegt laut Hanif weiterhin unter rund 12 Litern je Kuh und Tag. Moderne Betriebe können etwa 34 Liter erreichen. Dieser Vergleich zeigt, dass höhere Erträge aus dem vorhandenen Bestand ebenso wichtig sein könnten wie zusätzliche Tiere. Nach Einschätzung der Regierung muss der nationale Milchviehbestand dennoch ebenfalls schnell wachsen.
Die Futterversorgung zählt zu den größten Hindernissen. Für den Anbau von Viehfutter geeignete Flächen sind sehr knapp, während Indonesiens tropisches Klima für leistungsstarke Milchrinder, die meist aus subtropischen Ländern wie Australien stammen, ungünstig ist. Eingeführte Tiere brauchen kühlere Bedingungen und werden deshalb häufig in Bergregionen gehalten. Das begrenzt die Auswahl geeigneter Standorte und erschwert den Aufbau von Betrieben in der Nähe von Molkereien oder großen Verbrauchszentren.
Produktion konzentriert sich auf Java
Die nationale Milcherzeugung konzentriert sich stark auf drei Provinzen. Ostjava stellt laut Hanif rund 57,9 % der Produktion, Westjava fast 30 % und Zentraljava etwa 9 %. Mehrere weitere Provinzen kommen zusammen auf rund 2 %. Dadurch können Veränderungen bei Tiergesundheit, Futterkosten oder Haltungsbedingungen auf Java das gesamte Inlandsangebot überproportional beeinflussen. Zugleich wird deutlich, dass ein Ausbau außerhalb der etablierten Hochlandregionen Technologien zur Kontrolle von Hitze und Feuchtigkeit voraussetzt.
Eine solche Lösung prüft die Regierung derzeit in Ostjava: geschlossene Ställe, die das Mikroklima für Milchrinder regulieren können. Funktioniert das System, müssten Milchviehbetriebe nicht mehr ausschließlich in Bergregionen liegen, sondern könnten auch in tieferen Lagen entstehen. Das könnte die verfügbare Flächenbasis erweitern. Der Bericht nennt jedoch weder Investitionskosten noch einen Zeitplan für die Einführung oder erwartete Steigerungen der Milchleistung.
Bestandsaufbau erfordert Finanzierung
Allein durch natürliche Vermehrung würde der Aufbau des Milchviehbestands laut Hanif zu lange dauern, besonders mit Blick auf Indonesiens Ziel einer Selbstversorgung mit Milch. Er forderte staatliche Eingriffe über Finanzierungsprogramme, um die Entwicklung der Branche zu beschleunigen. Ein Fördervolumen oder konkrete Instrumente wurden nicht genannt.
Für die Erzeuger reicht es daher nicht, lediglich mehr Kühe einzustallen. Die Betriebe müssen Futter sichern, Hitzebelastung begrenzen und die tägliche Leistung an das Niveau moderner Höfe heranführen. Verarbeiter und Importeure werden vorerst in einem Markt tätig bleiben, in dem ausländische Milch unverzichtbar ist. Geschlossene Ställe und öffentliche Finanzierung können die Aussichten der heimischen Produktion verbessern. Das bestehende Leistungsgefälle und die geografische Konzentration zeigen jedoch, dass eine Senkung des Importanteils von fast 80 % Veränderungen im gesamten Produktionssystem erfordert.