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Ägypten plant weniger Zucker in Lebensmitteln, Hersteller fordern Stufenplan

Ägypten erarbeitet ein Gesetz zur Senkung des zugesetzten Zuckers in verarbeiteten Lebensmitteln und Getränken. Hersteller unterstützen eine schrittweise Einführung und sehen Stevia als mögliche Alternative zu Zuckerimporten, während Rezepturkosten und Verbraucherakzeptanz zentrale Hürden bleiben.

Ägypten plant weniger Zucker in Lebensmitteln, Hersteller fordern Stufenplan

Regierung erarbeitet neuen Rahmen für Zucker

Ägypten bereitet ein Gesetz vor, das den zugesetzten Zucker in industriell hergestellten Lebensmitteln und Getränken senken soll. Die Maßnahme gehört zu einer nationalen Strategie gegen Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Al-Masry Al-Youm zufolge folgte die Initiative auf ein Treffen der für Gesundheit, Investitionen und Industrie zuständigen Minister unter Beteiligung der Weltgesundheitsorganisation.

Der geplante Rahmen soll Aufklärung, Früherkennung und gesündere Konsumgewohnheiten mit einer schrittweisen Zuckerreduktion verbinden. Unternehmen sollen Zeit erhalten, um Rezepturen und Produktionsabläufe anzupassen. Von Al-Masry Al-Youm zitierte amtliche Daten zeigen, dass nicht übertragbare Krankheiten rund 86% aller Todesfälle in Ägypten verursachen. Ernährungsbedingte Risiken stehen deshalb im Mittelpunkt der politischen Debatte.

Hersteller unterstützen schrittweise Rezepturänderungen

Emad Ramses, Mitglied der Lebensmittelkammer im Verband der ägyptischen Industrie und Leiter eines Natur­saftherstellers, sagte Al-Masry Al-Youm, die Privatwirtschaft unterstütze den Regierungskurs. Die Einführung müsse jedoch stufenweise und in Abstimmung mit Wirtschaftsverbänden erfolgen, damit der Gesundheitsschutz weder Hersteller noch Verbraucher übermäßig belastet.

Ägyptische Produzenten verfügen Ramses zufolge über die technischen Fähigkeiten, Produkte neu zu entwickeln und das Angebot zuckerärmerer Lebensmittel und Getränke auszubauen. Betroffen wären neben Säften auch weitere Getränke, Süßwaren, Kekse und Konfitüren. Bei der Reformulierung müssen Qualität und Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben, insbesondere für Unternehmen, die sowohl den Binnenmarkt als auch Exportziele mit unterschiedlichen Vorgaben beliefern.

Der Export zeigt bereits, wie stark sich die Anforderungen unterscheiden. Nach Angaben von Ramses importieren Schweden, Deutschland und Italien ägyptische Natursäfte ohne zugesetzten Zucker. Einige arabische Märkte erlauben dagegen einen Anteil zwischen 2% und 3%. Ein Teil der ägyptischen Verbraucher könne solche Werte akzeptieren, der breite Markt benötige jedoch Zeit für die Gewöhnung an weniger Süße.

Stevia könnte Zuckernachfrage und Handel verändern

Ramses bezeichnete Stevia als eine der wichtigsten natürlichen Alternativen. Der Ertrag eines Feddan Stevia entspreche dem von etwa 250 Feddan Zuckerrüben. Die Pflanze benötige zudem weniger Wasser, und ihre Blätter könnten fünfmal jährlich über einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren geerntet werden. Ein größerer Anbau könnte daher Ägyptens Ausgaben für Zuckerimporte senken und den Druck auf Flächen für Zuckerrohr mindern.

Steviablätter sind Ramses zufolge etwa 250-mal süßer als herkömmlicher Zucker und enthalten keine Kalorien. Der Rohstoff eignet sich damit für Säfte, andere Getränke, Süßwaren, Kekse und Konfitüren für Verbraucher mit Diabetes, Adipositas oder Bluthochdruck. Fruchtzucker ist eine weitere mögliche Alternative, würde die Herstellungskosten aber deutlich erhöhen und entsprechende Produkte wahrscheinlich vor allem auf einkommensstärkere Käufer ausrichten.

Der Zeitplan entscheidet darüber, wie schnell sich die Politik auf die Nachfrage nach raffiniertem Zucker, Süßstoffen und neuen Rezepturbestandteilen auswirkt. Ramses forderte eine Abstimmung mit Industrie- und Handelskammern, dem Verband der ägyptischen Industrie und der nationalen Behörde für Lebensmittelsicherheit sowie frühzeitige Verbraucherinformationen. Bei stufenweiser Einführung und Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft werde der ägyptische Markt schätzungsweise 3 bis 5 Jahre für die vollständige Anpassung benötigen.

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