Whey-Protein wird teurer: Griechenlands Anbieter kämpfen mit knappem Angebot
Griechische Anbieter erhöhen die Preise für Whey-Protein, weil die globale Nachfrage das an die Käseproduktion gekoppelte Angebot übersteigt. Europäische Produzenten können Griechenland weiter beliefern, doch Verzögerungen, begrenzte Verfügbarkeit und schnell steigende Rohstoffkosten belasten Bestände und Margen.
Nachfrage reicht weit über Sporternährung hinaus
Whey-Protein hat sich in Griechenland vom spezialisierten Sportprodukt zum Bestandteil der täglichen Ernährung entwickelt. Davon profitieren Pulver, Getränke, Puddings und andere proteinreiche Lebensmittel. Griechische Unternehmen erklärten gegenüber newmoney, heute kauften Männer und Frauen verschiedener Altersgruppen die Produkte und nicht mehr hauptsächlich Fitnessstudiobesucher und Profisportler.
Petros Pelkas, Leiter des in Giannitsa ansässigen Unternehmens Tesoro, berichtete von besonders hoher Marktaktivität und Nachfrage in den vergangenen zwei Jahren. Antonis Foustaniás, Gründer und CEO von biologos, führte das breitere Interesse auf eine ausreichende Proteinzufuhr, den Erhalt der Muskelmasse, gesundes Altern und Gewichtsmanagement zurück. Hinzu komme die breite Nutzung von GLP-1-Therapien: Weil sie Appetit und Nahrungsaufnahme reduzieren, werde unter ärztlicher Begleitung stärker auf Ernährungsqualität und eine ausreichende Proteinversorgung geachtet. Fitnessinhalte und Proteinrezepte auf TikTok und Instagram verstärken die Nachfrage ebenfalls.
Rohstoffpreise steigen schneller als das Angebot
Das Angebot hat sich nicht im gleichen Tempo angepasst. Molke fällt bei der Käseherstellung an. Ihre Verfügbarkeit hängt deshalb von der Milchmenge und noch unmittelbarer vom produzierten Käsevolumen ab. Die Molkereien haben die Käseproduktion nicht im Tempo der weltweiten Whey-Nachfrage erhöht. Laut dem Marktforschungsunternehmen Vesper verfünffachte sich der Preis für Whey-Protein in den drei Jahren bis Juni infolge der Knappheit. Von newmoney zitierte Daten von Expana zeigen, dass sich der durchschnittliche europäische Whey-Protein-Preis gegenüber dem Stand vor drei Jahren vervierfachte und Ende August 130 % über dem Vorjahresniveau lag.
Die Produktionsengpässe betreffen nicht nur die Menge flüssiger Molke. Sie enthält viel Wasser und vergleichsweise wenig Protein. Für eine hochkonzentrierte Qualität wie WPC80 werden große Molkemengen benötigt. Durch Filtration und Trennung werden ein erheblicher Teil der Laktose, Mineralstoffe und des Wassers entfernt, anschließend wird das Protein konzentriert und zu Pulver getrocknet. Die Produktion hängt somit von der Molke aus der Käseherstellung und von den Verarbeitungskapazitäten ab. Beides lässt sich bei steigender Nachfrage nicht kurzfristig ausbauen.
Griechenland produziert nur wenig Molke, weshalb heimische Hersteller auf etablierte Lieferanten in Deutschland, Italien und Polen angewiesen sind. Nach Angaben griechischer Unternehmen können diese Länder weiterhin Rohstoffe liefern, zuletzt kam es jedoch teilweise zu Verzögerungen. Die Unternehmen bauen ihre Lagerbestände deshalb früher auf und versuchen, Verbrauchertrends schneller zu erkennen, um sich Material vor den Wettbewerbern zu sichern.
Griechische Unternehmen tragen einen Teil der Kosten
Für Verarbeiter und Hersteller fertiger Proteinprodukte war die Geschwindigkeit des Kostenanstiegs ebenso problematisch wie dessen Höhe. Foustaniás zufolge änderte sich die Produktionskostenbasis innerhalb kurzer Zeit erheblich, ohne dass Unternehmen die gesamte Steigerung sofort an die Verbraucher weitergeben konnten. Die Hersteller übernahmen einen beträchtlichen Anteil selbst und belasteten damit ihre Margen. Gleichzeitig wurden bestimmte Whey-Qualitäten knapper und die Beschaffungsplanung schwieriger.
Tesoro erhöhte dennoch den Preis seines meistverkauften Produkts Whey-Protein, um trotz steigender Einsatzkosten an der bestehenden Rezeptur festzuhalten. Laut Pelkas lassen sich die teuren Rohstoffe noch beschaffen, doch Unternehmen müssen das begrenzte Material sowohl finden als auch bezahlen können. Händler und Marken wägen damit Bezahlbarkeit gegen Produktkonstanz ab. Verbraucher sehen höhere Ladenpreise, ohne die internationalen Rohstoffengpässe dahinter unbedingt zu kennen.
Branchenvertreter rechnen wegen der Knappheit in den kommenden ein bis zwei Jahren mit neuen Fabriken. Zusätzliche Verarbeitungskapazitäten könnten das Angebot schrittweise verbessern und die Preise auf ein normaleres Niveau zurückführen. Bis dahin bleiben griechische Unternehmen von der europäischen Verfügbarkeit, Lieferverzögerungen und dem Wettbewerb um teure Molkerohstoffe abhängig, während die Nachfrage über einen vorübergehenden Fitnesstrend hinausweist.