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Vietnam wägt Technologie und lokale Fertigung für Hochgeschwindigkeitsbahnen ab

Vietnam muss in den kommenden 10 Jahren jährlich rund 1 Milliarde $ für den Bahnsektor mobilisieren. Bei der Technologiewahl sollen Interoperabilität, Lebenszykluskosten, heimische Fähigkeiten und der Aufbau von Fachkräften berücksichtigt werden.

Vietnam wägt Technologie und lokale Fertigung für Hochgeschwindigkeitsbahnen ab

Jährlicher Investitionsbedarf von 1 Milliarde $

Vietnam muss in den kommenden 10 Jahren jährlich rund 1 Milliarde $ für seinen Bahnsektor mobilisieren, sagte Nguyen Tien Thinh, stellvertretender Leiter der vietnamesischen Eisenbahnbehörde, am 8. Oktober auf einer Branchentagung. Nach Angaben von Thanh Nien soll der Staatshaushalt die wichtigste Finanzierungsquelle bleiben, ergänzt durch Provinzen, private Investoren und internationale Partner. Zusätzliche Mittel könnten durch eine am öffentlichen Verkehr orientierte Stadtentwicklung im Umfeld von Bahnhöfen entstehen.

Zur Projektpipeline gehören die Hochgeschwindigkeitsstrecke Nord–Süd und die Verbindung Lao Cai–Hanoi–Hai Phong. Auch privates Kapital kommt zum Einsatz: Vinspeed investiert in die Strecken Hanoi–Quang Ninh und Ben Thanh–Can Gio, während sich mehrere vietnamesische Investoren für das Nord–Süd-Projekt interessieren. Das Programm könnte langfristige Nachfrage nach Fahrzeugen, Schienen, Signaltechnik, Software, Wartung und Ingenieurleistungen schaffen.

Inländische Unternehmen benötigen jedoch Klarheit über künftige Aufträge, bevor sie in Produktionslinien, Ausrüstung und Ausbildung investieren, erklärte Thinh. Er schlug Beschaffungsmechanismen mit planbarer Nachfrage vor, die verfügbare einheimische Produkte bevorzugen und bei noch nicht in Vietnam herstellbarer Technik einen Technologietransfer verlangen. Entsprechende Klauseln könnten auch in internationale Ausschreibungen aufgenommen werden.

Gezielte Lokalisierung und offene Technik

Österreichs Botschafter in Vietnam, Philipp Agathonos, warnte vor einer Lokalisierung um jeden Preis. Vietnam müsse nicht jede Komponente eines Bahnsystems selbst herstellen, sondern Bereiche auswählen, die heimische Wertschöpfung und echte Wettbewerbsfähigkeit schaffen können. Zudem befürwortete er Forschungs- und Technologiezentren, die Innovationen in marktfähige Produkte überführen und importiertes Know-how ergänzen.

Die Technologiewahl wird Betriebskosten und Lieferantenabhängigkeit über Jahrzehnte bestimmen. Europäische Länder nutzen gemeinsame Standards, während Südkorea und China eigene Systeme für Kommunikation, Signaltechnik und Zugsteuerung entwickelt haben. Vietnamesische Behörden wollen deshalb neben dem Anschaffungspreis auch Wartung, Ersatzteile, Softwareaktualisierungen, Interoperabilität und spätere Netzerweiterungen bewerten.

Hyundai Rotem empfahl Vietnam technische Vorgaben, die zur Finanzkraft und zur Aufnahmefähigkeit der heimischen Industrie passen. Der südkoreanische Hersteller erklärte sich zum Wissenstransfer bereit und stellte eine Aufteilung der Zugproduktion zwischen Südkorea und Vietnam in Aussicht, wie bei einigen Nahverkehrsprojekten. Vietnamesische Firmen könnten zunächst Montage, Reparaturen, Teileaustausch und Wartung übernehmen und später in die Fertigung einsteigen.

Fachkräftelücke neben der Technologiefrage

Die Vietnam National Railway Corporation, kurz VNR, soll die Hochgeschwindigkeitsbahn Nord–Süd und die Strecke Lao Cai–Hanoi–Hai Phong übernehmen, verwalten, warten und betreiben sowie einen Bahnindustriekomplex aufbauen. VNR-Vorsitzender Dang Sy Manh sagte, das Unternehmen habe sich von technologischer Abhängigkeit zur Beherrschung zentraler Informations- und Signalsysteme entwickelt. Damit bestehe eine Grundlage für den Betrieb neuer Anlagen und die Aufnahme übertragenen Know-hows.

Der Personalbedarf ist erheblich. Die nationale Eisenbahn und die städtischen Bahnen Vietnams beschäftigen derzeit mehr als 10.000 Menschen, von denen die meisten mit älterer Technik arbeiten. Bis 2030 werden voraussichtlich rund 35.000 Beschäftigte benötigt, bis 2035 weitere rund 70.000. Zusätzlich müssen etwa 40.000 Arbeitskräfte für neue Technik und Betriebsanforderungen umgeschult werden.

Bjorn Koslowski von der deutschen Auslandshandelsorganisation in Vietnam forderte, die Ausbildung von Ingenieuren, Fachleuten und Wartungstechnikern mit Hochschulen und Berufsschulen sofort zu planen. Deutsche Unternehmen prüften zudem Liefermöglichkeiten für Stahl, Schienen und weitere Bahnprodukte. Entscheidend wird sein, ob Vietnams Beschaffung dauerhafte heimische Technik- und Wartungskompetenz schafft, ohne das Netz an kostspielige geschlossene Systeme zu binden.

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