US-Alkoholzoll bedroht kanadischen Spirituosenabsatz und Getreidenachfrage
Ein US-Zoll von 50 % auf kanadischen Alkohol dürfte die Spirituosenausfuhren und später die Nachfrage nach Mais, Roggen, Gerste und Weizen verringern. Besonders exponiert ist Roggen mit nur 339.000 Acres Anbaufläche und Whisky als wichtigem Absatzkanal.
Spirituosen treffen im wichtigsten Markt auf 50 % Zoll
Der seit 22. August geltende US-Zoll von 50 % auf kanadischen Alkohol dürfte den Absatz im wichtigsten Exportmarkt für kanadische Spirituosen beeinträchtigen und später die Nachfrage nach dem von Brennereien eingesetzten Getreide schwächen. Laut Farmtario erfasst die Maßnahme Spirituosen sowie spirituosenbasierte Fertiggetränke wie Cooler und Hard Seltzer.
Nach Angaben von Spirits Canada gehen 93 % der gesamten kanadischen Spirituosenexporte in die Vereinigten Staaten. Der US-Markt steht zudem für 48 % des jährlichen Branchenumsatzes von 2 Milliarden $. Diese Konzentration lässt den Brennereien wenig Spielraum, ausfallende Nachfrage rasch zu ersetzen, falls der Zoll die Preise erhöht und die Bestellungen sinken lässt.
Roggen ist auf Erzeugerebene stärker exponiert
Kanadische Brennereien und Brauereien verarbeiten Mais, Roggen, Gerste und Weizen. Kate Sauser, Politikmanagerin bei Grain Growers of Canada, sagte Farmtario, dass eine schwächere Exportnachfrage letztlich den Bedarf der Verarbeiter an diesen Kulturen verringern werde. Bis die Folgen sichtbar werden, könne jedoch einige Zeit vergehen.
Die Auswirkungen fallen je nach Kultur unterschiedlich aus. Kanadische Landwirte bestellten dieses Jahr 25 Millionen Acres mit Weizen, der weltweit viele Absatzmöglichkeiten besitzt. Roggen kam dagegen lediglich auf 339.000 Acres, während Whisky für diese Kultur ein wichtiger Abnehmer bleibt. Sauser zufolge könnte ein länger geltender Zoll die Anbauentscheidungen der kommenden Jahre beeinflussen und die Roggenfläche verkleinern.
Auf Gersten- oder Malzexporte wurden keine direkten Zölle erhoben, erklärte Peter Watts, Geschäftsführer des Canadian Malting Barley Technical Centre. Der unmittelbare Druck läuft somit über die Alkoholverarbeiter: Verkaufen Brennereien und Brauereien weniger, könnten später ihre Getreideeinkäufe und die Auslastung der Verarbeitungskapazitäten sinken.
Die Exportabhängigkeit bei Bier ist geringer, aber ungleich verteilt
Kanadas Bierindustrie hängt weniger stark vom Export ab als die Spirituosenbranche. Luke Chapman, Vizepräsident für Bundesangelegenheiten bei Beer Canada, bezifferte die kanadischen Bierexporte in die USA 2025 auf 29 Millionen $, verglichen mit einem Inlandsverbrauch von 9,1 Milliarden $. Dennoch drängt der Zoll von 50 % kanadisches Bier faktisch aus seinem größten und nächstgelegenen Auslandsmarkt.
Die Folgen dürften sich auf einzelne Brauereien konzentrieren, insbesondere in Quebec und den Atlantikprovinzen. Internationale Braukonzerne lassen zudem gelegentlich ihre Marken für den US-Markt auf freien kanadischen Kapazitäten produzieren; laut Farmtario könnte auch dieses Geschäft verloren gehen. Kanadische Gegenzölle können zugleich Vorprodukte wie Aluminiumdosen und Dosenblech verteuern.
Beer Canada fordert Ottawa auf, die automatische Verbrauchsteuererhöhung abzuschaffen, durch die der Steuersatz auf die Bierproduktion jährlich steigt. Für Getreideerzeuger ist die Dauer des Konflikts entscheidend. Eine kurze Störung lässt sich möglicherweise über Lagerbestände und andere Märkte auffangen; ein anhaltender Rückgang der Alkoholverkäufe würde jedoch die Getreidekäufe der Verarbeiter und vor allem die Roggenfläche unter Druck setzen.