Höhere Milchpulverpreise stärken Exportanreiz der Ukraine bei knapperem Herbstangebot
Die Preise für ukrainisches Magermilchpulver nähern sich historischen Höchstständen, weil höhere Exportnotierungen den Binnenmarkt stützen. Ein saisonal geringeres Rohmilchangebot und die Konkurrenz um den Rohstoff könnten die Herbstproduktion senken und die Verfügbarkeit für inländische Käufer begrenzen.
Exportnotierungen treiben den Binnenmarkt
Milchpulver verteuert sich in der Ukraine rasch, da festere internationale Märkte die Wirtschaftlichkeit von Auslandsverkäufen verbessern. Laut UkrAgroConsult unter Berufung auf INFAGRO hat der Preis für Magermilchpulver den höchsten Stand seit mehreren Jahren erreicht und sich historischen Höchstständen angenähert. Delo.ua berichtet, dass Exporte für ukrainische Werke inzwischen deutlich attraktiver sind als Lieferungen an inländische Kunden.
Ukrainisches Magermilchpulver wird auf einigen Auslandsmärkten bereits zu Preisen angeboten, die deutlich über dem Sommerniveau liegen. Die höheren Exportnotierungen wirken unmittelbar auf die Inlandspreise. Günstige Angebote sind auf dem ukrainischen Markt nahezu verschwunden, während hochwertiges Pulver noch schneller teurer wird.
Auch bei Vollmilchpulver zeigt sich eine klare Aufwärtsbewegung. Sein potenzieller Exportwert liegt inzwischen erheblich über dem Niveau von Mitte des Sommers. Beide Publikationen weisen jedoch darauf hin, dass dieser Preisanreiz wegen der starken Nachfrage ukrainischer Käufer nicht zwingend zu einem deutlichen Anstieg der physischen Exportmengen führen wird.
Produktion sinkt nach einem starken Sommer
Der Preisanstieg fällt mit einem Rückgang des Angebots zusammen. Nach vergleichsweise hohen Produktionsmengen im Sommer sank die ukrainische Erzeugung von Magermilchpulver im August. UkrAgroConsult zufolge lag sie weiterhin über dem Vorjahresniveau, doch die saisonalen Aussichten sprechen für weitere Rückgänge im Herbst.
Den Verarbeitern steht weniger überschüssige Rohmilch zum Trocknen zur Verfügung. Der saisonale Rückgang der Milchanlieferungen wird die Rohstoffbasis weiter verkleinern. Zugleich lenken die Werke Milch in andere Molkereiprodukte für den Binnenmarkt um. Wegen dieser Konkurrenz um Rohmilch kann die Pulverproduktion selbst bei attraktiven Exportpreisen fallen.
Bei Vollmilchpulver verlief die Entwicklung zum Ende des Sommers etwas anders, da die Hersteller ihre Produktion leicht steigerten. Diese Erholung dürfte im Herbst nicht anhalten. Mit dem saisonal sinkenden Milchangebot und der Bevorzugung anderer Produktkategorien könnte die Erzeugung erneut zurückgehen.
Inlandskäufer müssen mit knapperer Ware rechnen
Attraktive Auslandspreise, ein begrenztes Angebot und eine feste Inlandsnachfrage geben den Herstellern Spielraum für höhere Großhandels- und Einzelhandelspreise. Delo.ua erwartet deshalb, dass sich Milchpulver in der Ukraine im Herbst weiter verteuert. Für Lebensmittelhersteller und andere industrielle Verbraucher geht es nicht nur um höhere Preise, sondern auch um die sinkende Zahl günstiger Angebote.
Ein sprunghafter Exportanstieg ist dennoch nicht sicher. Die starke lokale Nachfrage könnte einen Teil der verfügbaren Mengen in der Ukraine halten, insbesondere bei Vollmilchpulver. Die Auslandsnotierungen bestimmen jedoch die Opportunitätskosten der Verarbeiter: Inlandskäufer müssen mit den Erlösen konkurrieren, die Werke auf Exportmärkten erzielen können.
Der Herbst könnte den bisherigen Exportrückgang bremsen
Die Festigung des Milchpulvermarktes folgt auf eine schwächere Phase im ukrainischen Außenhandel mit Molkereiprodukten. Delo.ua zufolge sank deren Exportwert seit Jahresbeginn wegen niedrigerer Weltmarktpreise und niedriger Preise in Europa um 18 %. Höhere Milchpulvernotierungen im Herbst könnten diese Entwicklung verändern, wobei die Quellen keine Prognose für die gesamten Exportmengen oder -erlöse nennen.
Die Verarbeiter erzielen höhere Verkaufspreise, verfügen aber über weniger Rohmilch zur Pulverherstellung. Für inländische Käufer bedeuten der saisonale Produktionsrückgang und die Exportkonkurrenz anhaltenden Kostendruck. Entscheidend ist, wie viel Milch die Werke für Pulver statt für andere Molkereiprodukte einsetzen und ob die Inlandsnachfrage stark genug bleibt, um Ausfuhren zu begrenzen.
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