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Sinkende Linsenerzeugung macht die Türkei stärker von Importen abhängig

Die türkische Linsenerzeugung sank binnen 36 Jahren von 846.000 auf 433.000 Tonnen, während die Bevölkerung auf 86 Millionen wuchs. Von 2003 bis 2025 importierte das Land 7,6 Millionen Tonnen und schuf damit einen bedeutenden Markt für ausländische Lieferanten wie Kanada.

Sinkende Linsenerzeugung macht die Türkei stärker von Importen abhängig

Die Produktion sinkt trotz wachsender Bevölkerung

Die Türkei hat sich vom weltweit führenden Linsenproduzenten zu einem Land entwickelt, das einen erheblichen Teil seines Verbrauchs durch Importe deckt. Der Agrarautor Gazi Kutlu erklärte gegenüber Cumhuriyet, dass das Land in den 1990er-Jahren bei 56 Millionen Einwohnern 846.000 Tonnen Linsen erzeugte. In den folgenden 36 Jahren nahm die Bevölkerung um rund 30 Millionen auf 86 Millionen zu, während die Produktion um 413.000 auf 433.000 Tonnen sank.

Die gegenläufige Entwicklung von Bevölkerung und Produktion hat die Position der Türkei auf dem Weltmarkt verändert. Das Land lag einst auf Rang eins der globalen Erzeugung, steht heute aber nur noch an sechster Stelle. Kutlu zufolge wurde während der Regierungszeit der Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung, kurz AKP, etwa die Hälfte der verbrauchten Linsen importiert. Ausländische Lieferungen sind damit nicht nur für Händler und Verarbeiter wichtig, sondern auch für Verbraucher von Linsensuppe, einem der bekanntesten und preisgünstigsten Gerichte des Landes.

Importe schließen die wachsende Versorgungslücke

Nach den von Kutlu gegenüber Cumhuriyet genannten Zahlen importierte die Türkei von 2003 bis 2025 insgesamt 7,6 Millionen Tonnen Linsen im Wert von 5,4 Milliarden $. Allein in den ersten sieben Monaten 2026 erreichten die Einfuhren 446.000 Tonnen und übertrafen damit bereits die angegebene jährliche Inlandsproduktion von 433.000 Tonnen. Obwohl sich die Werte auf unterschiedliche Zeiträume beziehen, verdeutlicht der Vergleich die Größe des Defizits.

Laut Kutlu gehörte die Türkei während der AKP-Regierungszeit durchgehend zu den drei größten Linsenimporteuren der Welt. 2008 stand sie an erster Stelle; seit 2013 belegt sie üblicherweise Rang zwei hinter Indien. Kutlu stellte den 86 Millionen Einwohnern der Türkei die 1,4 Milliarden Menschen in Indien gegenüber. Die hohen türkischen Käufe seien Ausdruck einer politischen Bevorzugung von Importen gegenüber einer ausreichenden Förderung der heimischen Produktion.

Kanada profitiert von der schwächeren türkischen Erzeugung

Der Rückgang eröffnet ausländischen Anbietern neue Absatzchancen, insbesondere Kanada, das inzwischen eine wichtige Rolle in der globalen Linsenproduktion und im Handel spielt. Cumhuriyet gab Kutlus Darstellung wieder, wonach aus der Türkei stammendes Saatgut zum Aufbau der kanadischen Produktion beitrug. Damit ist die Türkei, die als genetisches Ursprungszentrum der Kultur gilt, zum Käufer eines Produkts geworden, das historisch eng mit ihrer eigenen Landwirtschaft verbunden ist.

Die Debatte im Land betrifft zudem Qualität, Vermarktung und den Zeitpunkt staatlicher Eingriffe. Cumhuriyet berichtete über den Vorwurf, die Türkei exportiere Linsen mit höherer Proteinqualität und importiere zugleich minderwertigere Ware. Von der Zeitung zitierte Fachleute erklärten, die türkische Getreidebehörde TMO gebe ihre Ankaufspreise für grüne Linsen teilweise erst bekannt, nachdem die Bauern ihre Ernte verkauft hätten. Dadurch profitierten Händler statt Erzeuger. Landwirte sehen in dieser Einkaufspolitik und weiteren agrarpolitischen Entscheidungen einen Grund für die sinkenden Produktionsanreize. Für eine Erholung benötigen sie verlässliche Konditionen vor der Vermarktung. Verarbeiter und Importeure können dagegen wegen des anhaltenden Defizits mit einer stabilen Nachfrage nach ausländischer Ware rechnen.

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