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Südkoreas Molkereien setzen bei sinkendem Trinkmilchkonsum auf Premiumdesserts

Südkoreanische Milchverarbeiter bauen ihr Geschäft mit Speiseeis, Backwaren und funktionellen Lebensmitteln aus, weil Demografie und veränderte Ernährungsgewohnheiten den Trinkmilchkonsum drücken. Seoul Milk, Yonsei Dairy, Namyang Dairy Products und Maeil Dairies setzen dabei auf Premium-Rohmilch, etablierte Marken und Convenience-Kanäle.

Südkoreas Molkereien setzen bei sinkendem Trinkmilchkonsum auf Premiumdesserts

Trinkmilch verliert an Nachfrage

Südkoreas Milchverarbeiter beschleunigen ihre Expansion in Premiumdesserts, Backwaren und funktionelle Lebensmittel, weil der heimische Trinkmilchmarkt unter demografischem und ernährungsbedingtem Druck steht. Nach Angaben von ThinkFood sank der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von weißer Trinkmilch im vergangenen Jahr von 25,3 kg auf 22,9 kg. Im Jahr 2016 waren es noch 27,0 kg. Gründe sind die anhaltend niedrige Geburtenrate, veränderte Essgewohnheiten, mehr alternative Getränke und ein größeres Angebot importierter haltbarer Milch.

Gleichzeitig wachsen höherwertige Lebensmittelkategorien. ThinkFood berichtete unter Berufung auf die Korea Agro-Fisheries & Food Trade Corporation und weitere Quellen, dass der Online-Backwarenmarkt von 320 Milliarden Won im Jahr 2021 auf 625 Milliarden Won im vergangenen Jahr zunahm. Die Molkereien übertragen deshalb ihre Verarbeitungskompetenz und Markenbekanntheit auf Produkte mit höheren Stückpreisen und potenziell besseren Margen.

Milchmarken erschließen Brot, Speiseeis und Pudding

Yonsei Dairy von der Yonsei University gilt als einer der sichtbarsten Erfolge der Branche im Backwarengeschäft. Das gemeinsam mit der Convenience-Kette CU entwickelte Yonsei Milk Fresh Cream Bread kam im Januar 2022 auf den Markt und überschritt im April einen kumulierten Absatz von 100 Millionen Stück. Auf Varianten mit Sahne, Schokolade und Melone folgten unter anderem Matcha-Creme-Sandwiches, Matcha-Pavé-Schokolade und frische Schokoladenküchlein.

Seoul Milk Cooperative baut mehrere Dessertlinien rund um Milch aus heimischer Erzeugung auf. Milchtoast und Frühstücksbrötchen enthalten rund 10 % koreanische Milch; zur Premiumstrategie gehören zudem Jersey- und A2-Milch. Weekly Hankook zufolge lag der Umsatz der Marke Seoul Milk Jersey Milk im Juni 178 % über dem Vorjahreswert. Die Genossenschaft betreibt Südkoreas größten spezialisierten Jersey-Hof und nutzt den höheren Fettgehalt der Milch zur Differenzierung von Speiseeis und Pudding.

Im September vergangenen Jahres brachte Seoul Milk das Jersey Milk Cone mit 58 % heimischer Jersey-Milch und 9 % Milchfett auf den Markt. Im Oktober folgte ein Pudding mit 83 % Jersey-Milch. Ein im April eingeführter 474-ml-Eisbecher enthält 50 % heimische Jersey-Rohmilch. Nach Unternehmensangaben stieg der gesamte Speiseeisumsatz im Jahresvergleich um 600 %, der Umsatz mit Backwaren und anderen Convenience-Produkten um mehr als 200 %. Weekly Hankook wies jedoch darauf hin, dass das Eisgeschäft noch klein und in einer frühen Phase ist, sodass die Wachstumsrate allein wenig über die Rentabilität aussagt.

Verarbeiter verbreitern Absatzkanäle und Produktnutzen

Andere Verarbeiter kombinieren Einzelhandel, Gastronomie und Ernährung auf unterschiedliche Weise. Die Maeil-Dairies-Tochter M’s Bakers betreibt 17 Meal°-Bäckereien und bereitet nach der Eröffnung in der Lotte-Filiale Pyeongchon einen Standort im Lotte Mall Gimpo Airport vor. Namyangs Dessertmarke Baekmidang auf Basis von Biomilch ist auf rund 60 Geschäfte gewachsen; der Umsatz stieg im ersten Quartal um 44 % auf 7,6 Milliarden Won. Namyang meldete zudem für seine Takefit-Proteingetränke ein Umsatzplus von 72 % im ersten Quartal.

Binggrae überträgt geistiges Eigentum von Marken wie Banana Flavored Milk auf Backwarenkooperationen. Lotte Wellfood hat Pasteur Milk Brûlée mit einem Anteil von mehr als 30 % Pasteur-Markenmilch eingeführt. Seoul Milk bereitet außerdem eine neue Premium-Eismarke für eine Markteinführung zwischen Ende dieses Jahres und Anfang nächsten Jahres vor und will dafür Spezialanlagen aus Dänemark im Werk Yangju installieren. Die neuen Kategorien schaffen zusätzliche Absatzmöglichkeiten für Rohmilch. Entscheidend wird jedoch sein, ob Premiumpositionierung und klare Produktunterschiede in wettbewerbsintensiven und bei Tiefkühldesserts saisonalen Märkten dauerhaft tragfähige Margen ermöglichen.

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