Südzucker erwartet steigende Zuckerpreise bei knapperem Rübenangebot
Südzucker rechnet mit einer Erholung der europäischen Zuckerpreise, nachdem der EU-Durchschnitt im Juli auf 499 € je Tonne gesunken war. Dürre, geringe Niederschläge, eine kleinere Rübenernte und die Bioethanolproduktion verknappen das Angebot.
Europas Zuckerversorgung gerät unter Druck
Südzucker, Europas größter Zuckerproduzent, erwartet nach dem längeren Preisrückgang eine Erholung. Ungünstiges Wetter verringert die Verfügbarkeit von Zuckerrüben, während die Bioethanolproduktion einen Teil der Ernte bindet. Vorstandschef Niels Pörksen sagte Reuters, dass Dürre und geringe Niederschläge die Rübenbestände beeinträchtigten und den Fabriken weniger Rohstoff zur Verfügung stehe.
Das Unternehmen schätzt, dass die aktuelle europäische Zuckerrübenernte rund 1 Million Tonnen kleiner ausfallen wird. Nach Angaben von Eurostat erntete die Europäische Union 2024 insgesamt 121,6 Millionen Tonnen Zuckerrüben. Diese Menge dient als Vergleichsgröße für den erwarteten Rückgang.
Eine kleinere Rübenernte führt nicht automatisch zu einem gleich hohen Rückgang der Zuckerproduktion, da auch Flächenerträge und Zuckergehalt die Fabrikausbeute bestimmen. Weniger verfügbare Rüben verschärfen jedoch den Wettbewerb um den Rohstoff und können Verarbeiter, Landwirte und industrielle Zuckerkäufer belasten.
Bioethanol konkurriert um Agrarrohstoffe
Das Angebot wird zusätzlich begrenzt, weil ein Teil der Agrarproduktion für Bioethanol statt für Kristallzucker eingesetzt wird. Pörksen erklärte, der Weltmarkt sei nicht mit Zucker überschwemmt, während auf dem europäischen Markt ein Defizit bestehe. Deshalb sehe er kein anderes Szenario als weiter steigende Preise.
Die Prognose folgt auf einen deutlichen Rückgang der europäischen Zuckerpreise. Nach Daten der Europäischen Kommission sank der durchschnittliche EU-Preis für Weißzucker im Juli auf 499 € je Tonne und damit auf den niedrigsten Stand seit August 2022. Der Preisverfall hat die Zuckererlöse der Hersteller gedrückt. Zugleich könnten weitere Produktionskürzungen unattraktiver werden, wenn alternative Verwendungen höhere Erträge bieten.
Für industrielle Käufer ist entscheidend, ob die kleinere Rübenernte und die Nachfrage nach Biokraftstoffen die physische Verfügbarkeit stark genug einschränken, um den jüngsten Preistrend umzukehren. Bleibt das von Südzucker beschriebene Defizit bestehen, könnten Lebensmittelhersteller und Händler mit höheren Wiederbeschaffungskosten konfrontiert werden. Produzenten würden von höheren Zuckerpreisen profitieren, hätten wegen der kleineren Ernte aber weniger Ware zu verkaufen.
Biokraftstoffe stützen das Ergebnis von Südzucker
Südzucker meldete für das erste Halbjahr einen Umsatz von 4,19 Milliarden €, annähernd so viel wie im Vorjahr. Nach Angaben des Unternehmens glich die starke Nachfrage nach Biokraftstoffen die niedrigeren Erlöse mit Zucker- und Stärkeprodukten teilweise aus. Die Diversifizierung federt damit die Schwäche im Zuckergeschäft ab.
Der Konzern hatte bereits im September seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr angehoben und dies mit steigenden Biokraftstoffverkäufen begründet. Im ersten Quartal lag der Konzernumsatz bei 2 Milliarden €, verglichen mit 2,1 Milliarden € im Vorjahreszeitraum.
Der Ausblick verbindet zwei Seiten des Südzucker-Portfolios. Eine starke Biokraftstoffnachfrage stützt das Konzernergebnis, doch der höhere Einsatz von Agrarrohstoffen für Ethanol kann das Zuckerangebot begrenzen. Für den europäischen Markt entscheiden deshalb Wetter, Rübenmenge und die Verteilung der Rohstoffe zwischen Lebensmitteln und Kraftstoffen darüber, ob der Julipreis den Tiefpunkt des Zyklus markiert.
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