← Zurück zu den Nachrichten

Sonnenblumenöl in der Ukraine überschreitet 100 Hrywnja je Flasche, Handel rationiert Verkauf

Der Liter Sonnenblumenöl kostete in der Ukraine im September rund 107 Hrywnja, die 850-Milliliter-Flasche liegt in mehreren Ketten über 100 Hrywnja, berichtet OBOZ.UA. Einzelne Supermärkte begrenzen den Kauf auf sechs Flaschen Öl oder sechs Kilogramm Grütze. Das Agrarministerium sieht nach dem Angriff auf das Bunge-Werk in Dnipro keinen Engpass: Die Verarbeitungskapazität übersteigt 20 Millionen Tonnen.

Sonnenblumenöl in der Ukraine überschreitet 100 Hrywnja je Flasche, Handel rationiert Verkauf

Der durchschnittliche Einzelhandelspreis für einen Liter Sonnenblumenöl lag in der Ukraine im September bei etwa 107 Hrywnja, die handelsübliche Flasche mit 850 Millilitern kostet in mehreren Supermarktketten bereits mehr als 100 Hrywnja, berichtet OBOZ.UA. Einzelne Händler begrenzen inzwischen die Abgabemenge für Öl und Grütze, während das Ministerium für Agrarpolitik und Ernährung darauf verweist, dass die Verarbeitungsbasis des Landes den Inlandsbedarf deutlich übersteigt.

Angriff auf das Bunge-Werk in Dnipro

Am 10. September trafen russische Streitkräfte das Bunge-Werk in Dnipro, das die Marke „Oleyna“ herstellt, wie OBOZ.UA berichtet. Der Betrieb wurde vorübergehend eingestellt. Das Medium weist darauf hin, dass dies nicht der erste russische Angriff auf die ölverarbeitende Branche ist und Agrarinfrastruktur seit Beginn des Krieges regelmäßig Ziel ist. Das Werk gehört zu einer Branche, die sowohl für die Regale im Land als auch für die Agrarexporte der Ukraine von Bedeutung ist.

Der Minister für Agrarpolitik und Ernährung, Taras Wyssozkyj, erklärte, die Beschädigung eines einzelnen Betriebs dürfe für sich genommen nicht zu Lücken in den Geschäften führen. Die Regierung erwartet keinen Mangel an Sonnenblumenöl.

Kapazität liegt über der Ernte

Nach Ministeriumsangaben, die OBOZ.UA zitiert, wird in diesem Jahr eine Ölsaatenernte von rund 20 Millionen Tonnen erwartet, davon sollen etwa 16 Millionen Tonnen in die Verarbeitung gehen. Die installierte Gesamtkapazität der ukrainischen Ölmühlen übersteigt 20 Millionen Tonnen, sodass selbst bei vollständiger Auslastung des geplanten Verarbeitungsvolumens Reserven bleiben. „Stand heute reichen die Kapazitäten aus“, sagte Wyssozkyj.

Das Ministerium beziffert die ukrainische Sonnenblumenölproduktion zudem auf etwa das Zehnfache des Inlandsverbrauchs. Deshalb sieht es keinen Grund dafür, dass das Produkt aus Rohstoffmangel physisch aus den Regalen verschwindet. Wyssozkyj ging weiter und erklärte, die aktuelle Marktlage könne unter bestimmten Bedingungen sogar zu sinkenden Verbraucherpreisen für Sonnenblumenöl führen.

Preise und Abgabebeschränkungen

Marktdaten, die OBOZ.UA anführt, weisen den Verbraucherpreisindex für Sonnenblumenöl im September 2026 mit 101,86 % aus, das Produkt verteuerte sich im Monatsvergleich also um 1,86 %. Eine eigene Preiserhebung des Mediums am 15. September 2026 ergab für raffiniertes „Oleyna“ mit 850 Millilitern Preise von etwa 90 Hrywnja in einigen Geschäften bis über 110 Hrywnja in anderen, abhängig von der Kette und von Aktionsangeboten.

Laut news.uaportal.com haben Supermärkte Obergrenzen eingeführt: höchstens sechs Flaschen Öl oder sechs Kilogramm Grütze je Kunde. Das Agrarministerium hält solche Maßnahmen für verfrüht, wenn sie mit angeblicher Knappheit begründet werden, und warnt vor dem gegenteiligen Effekt: Wer ein Limit sieht, kann schließen, das Produkt werde bald knapp, und kauft die zulässige Höchstmenge. Aus einem Logistikproblem wird so ein Nachfrageschock.

Engpass ist die Logistik, nicht die Versorgung

Leere Regale und Preisaufschläge führt das Ministerium auf die Distribution zurück, nicht auf die Produktion. Russische Angriffe haben das bisherige Modell gestört, bei dem Ware zunächst in große Zentrallager ging und von dort auf die Geschäfte verteilt wurde. Handel und Verarbeiter setzen verstärkt auf dezentrale Logistik: Lieferung direkt vom Hersteller an die Verkaufsstelle oder über ein Netz kleinerer Lager. Das senkt das Risiko, große Bestände an einem Ort zu verlieren, erfordert aber mehr Fahrzeuge, Fahrer, Routen und Zeit — Kosten, die in den Endpreis einfließen.

Zu den Grundbilanzen berichtet news.uaportal.com unter Berufung auf das Ministerium: In diesem Jahr werden mehr als 24 Millionen Tonnen Weizen erwartet, bei einem Inlandsbedarf von rund 6 Millionen Tonnen, von denen etwa 3 bis 3,5 Millionen Tonnen auf Nahrungszwecke entfallen. Weizen-, Gersten-, Hafer-, Buchweizen- und Maisgrütze produziert die Ukraine über dem Eigenverbrauch; Ausnahme ist Reis, der überwiegend importiert wird. Die Geflügelfleischproduktion liegt bei rund 1,4 Millionen Tonnen jährlich, der Inlandsverbrauch bei etwa 908.000 Tonnen, weitere rund 550.000 Tonnen gehen in den Export. Bei Schweinefleisch und Eiern ist das Land Selbstversorger, der Milchmarkt annähernd ausgeglichen: Ein Teil des Käses wird importiert, exportiert werden Trocken- und Kondensmilch sowie Butter.

Importabhängig ist die Ukraine vor allem bei Bananen, Zitrusfrüchten, Kaffee und Kakaobohnen, bei Meeres- und Ozeanfisch, nachdem der industrielle Fang im Schwarzen und im Asowschen Meer faktisch zum Erliegen kam, sowie bei Salz, seit das Gelände des Unternehmens „Artemsil“ unter Besatzung geriet. Am anfälligsten für kurzfristige örtliche Lücken sind nach Einschätzung des Ministeriums frisches Obst und Gemüse sowie gekühltes Fleisch und Fisch, da sich diese Waren nicht über Monate lagern lassen und beim Transport viel Volumen beanspruchen.

Vollständige Marktanalyse

Wir verwenden Cookies, um Ihr Surferlebnis zu verbessern, personalisierte Inhalte bereitzustellen und unseren Traffic zu analysieren. Durch Klicken auf "Alle akzeptieren" stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Sie können Ihre Einstellungen verwalten oder mehr erfahren in unserer Datenschutzrichtlinie.