Schwache deutsche Apfelernte verknappt das Saftangebot
Deutschlands Apfelernte dürfte nach der Rekordernte des Vorjahres um rund 18 % sinken, wodurch höhere Preise für Frischware drohen. Leere europäische Konzentratlager, eine stärkere Apfelsaftnachfrage und die Insolvenz von STUTE begrenzen zugleich das Saftangebot.
Niedrige Ladenpreise verdecken die kleinere Ernte
Deutschlands Apfelkunden profitieren noch von umfangreichen Beständen aus der Ernte 2025, doch das Angebot dürfte knapper werden. Nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft AMI zahlten Verbraucher in Supermärkten in der dritten Augustwoche durchschnittlich 2,20 € je Kilogramm. Das waren 10 % weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Die gegenwärtige Preisschwäche beruht auf dem weiteren Absatz der vorjährigen Rekordernte und nicht auf einer starken neuen Ernte. Nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes wird die deutsche Apfelernte in diesem Jahr rund 18 % kleiner ausfallen als im Vorjahr. Auf Frost folgten Trockenheit und Hitze. Zudem tragen Apfelbäume nach einem außergewöhnlich ertragreichen Jahr von Natur aus weniger Früchte, was Biologen als Alternanz bezeichnen.
Für die Erzeuger treffen niedrige Preise auf hohe Energie- und Lohnkosten. Der junge Obstbauer Niklas Echthof aus dem Alten Land sagte dem NDR, billige Importe hätten den Markt überschwemmt, während die heimischen Lager voll geblieben seien. Ware aus der Türkei, Griechenland und sogar Neuseeland kostet dem Bericht zufolge mitunter nur halb so viel.
Teure Orangen lenken Nachfrage auf Apfelsaft
Bei verarbeitetem Obst ist der Druck noch größer. Nach Angaben des Verbandes der deutschen Fruchtsaft-Industrie, VdF, wechseln Verbraucher zunehmend von Orangen- zu Apfelsaft, nachdem schlechte Orangenernten die Orangenpreise drastisch erhöht haben. Diese zusätzliche Nachfrage trifft auf einen Markt, dessen Rohstoffversorgung bereits eingeschränkt ist.
Apfelsaftkonzentrat wird außerdem verstärkt als Süßungsmittel in anderen Fruchtgetränken eingesetzt, insbesondere wenn andere Früchte teurer werden. Laut DW sind die europäischen Lager für Apfelsaftkonzentrat leer. Eine schwache Ernte von Verarbeitungsäpfeln in Polen verschärft den Engpass. Polen verfügt über Europas größte Apfelanbaufläche und liefert 30 % aller europäischen Äpfel.
Frisch- und Verarbeitungsmarkt reagieren deshalb zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Solange Altbestände verfügbar sind, bleiben frische Äpfel günstig. In den kommenden Monaten könnten die Preise jedoch deutlich steigen, wenn die kleinere Ernte auf den Markt kommt. Safthersteller stehen schon jetzt unter Druck, weil die Konzentratvorräte aufgebraucht sind und die Nachfrage zugenommen hat.
STUTE-Insolvenz stört die Discounterversorgung
Der deutsche Saftmarkt hat zudem einen großen Lieferanten verloren. Der traditionsreiche Paderborner Hersteller STUTE, der neben Konfitüren große Mengen an Fruchtsäften für Handelsmarken der Discounter produzierte, wurde insolvent. Sein Ausfall hat Verarbeitungskapazität vom Markt genommen und die Verhandlungen zwischen Händlern und alternativen Herstellern verschärft.
Angesichts leerer Konzentratlager und des Ausfalls eines wichtigen Produzenten wollen andere Lieferanten höhere Preise durchsetzen. Aldi, das von der STUTE-Insolvenz besonders betroffen ist, akzeptiert diese Forderungen laut DW nicht. In vielen Aldi-Filialen sind die Apfelsaftregale deshalb seit Wochen weitgehend leer. Auch andere Discounter bieten nur begrenzte Mengen an.
Das Zusammenspiel aus Ernterückgang, teuren alternativen Saftrohstoffen und verlorener Verarbeitungskapazität erhöht die Wahrscheinlichkeit steigender Preise für frische Äpfel und Saft. Die Erzeuger könnten von einer gewissen Preisstützung profitieren, ihre Wettbewerbsfähigkeit wird jedoch weiterhin durch Importe und heimische Betriebskosten belastet. Für Handel und Verarbeiter hat die Sicherung von Konzentrat und Ersatzkapazitäten nun Vorrang.