Russlands Geflügelproduktion sinkt wegen schwacher Margen den zweiten Monat in Folge
Russische Agrarbetriebe erzeugten im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 3,29 Millionen Tonnen Schlachtgeflügel, 2,7% weniger als im Vorjahr. Überangebot, steigende Futter- und Betriebskosten sowie schwache Margen veranlassen die Produzenten, ihre Bestände zu reduzieren, während die Großhandelspreise für Masthähnchen deutlich steigen.
Produktionsrückgang beschleunigt sich im Juni
Russische Agrarbetriebe erzeugten von Januar bis Juni 2026 insgesamt 3,29 Millionen Tonnen Schlachtgeflügel. Das waren 2,7% weniger als im Vorjahr, wie aus von Kommersant veröffentlichten Daten von Rosstat hervorgeht. Hühnerfleisch macht nahezu die gesamte russische Geflügelproduktion aus. Auf Putenfleisch entfielen laut Agrifood Strategies 2025 insgesamt 6,2%, während andere Geflügelarten nur geringe Anteile hatten.
Im zweiten Quartal verstärkte sich der Rückgang. Im März sank die Produktion gegenüber dem Vorjahr um 1,1% auf 580.500 Tonnen, im April blieb sie mit 572.100 Tonnen unverändert. Im Mai ging sie um 4% auf 557.000 Tonnen zurück. Im Juni verringerte sich der Ausstoß um 5,8% auf 526.800 Tonnen. Geflügel war damit die einzige Fleischkategorie mit einem deutlichen Produktionsrückgang in diesem Monat.
Die anderen Tierhaltungssegmente legten im Juni zu. Die Schlachtproduktion von Rindern stieg im Jahresvergleich um 4,1% auf 91.100 Tonnen, die von Schweinen um 3% auf 491.700 Tonnen und die von Schafen und Ziegen um 11,3% auf 1.900 Tonnen.
Überangebot und Kosten belasten die Rentabilität
Das russische Landwirtschaftsministerium erklärte gegenüber Kommersant, die Geflügelproduktion des Landes übersteige den Bedarf des Binnenmarktes. Die aktuelle Entwicklung sei auf saisonale Faktoren sowie die Angebots- und Nachfrageverhältnisse im In- und Ausland zurückzuführen. Bei hohen Sommertemperaturen verringern Betriebe gewöhnlich die Besatzdichte, während Verbraucher möglicherweise leichtere Speisen bevorzugen.
Albert Davleev, Präsident von Agrifood Strategies, führt die Produktionskürzung auf das Überangebot von 2025 zurück, als die Mengen den Bedarf deutlich überstiegen. Der Export nahm nur einen Teil der Überschüsse auf: Russland führte 2025 laut Rosselkhoznadzor 409.500 Tonnen Geflügel aus, entsprechend 5,6% der Gesamtproduktion. Das verbleibende Überangebot drückte auf die Inlandspreise, während Futtermittel und andere Produktionsmittel teurer wurden.
Die durchschnittliche Rentabilität von gekühltem Geflügelfleisch sank 2025 laut Neo von 12% auf 6%, während sie bei Tiefkühlware um null lag. Die Verschlechterung bremste Investitionen und trug zum Ausscheiden einiger Anbieter bei. Die Zahl der Geflügelunternehmen verringerte sich binnen eines Jahres um 2,8% auf 4.600 Anfang Juni.
Bestände sinken, Regionen entwickeln sich unterschiedlich
Russische Agrarbetriebe hielten im Juni 2026 insgesamt 479 Millionen Vögel, 1,3% weniger als im Vorjahr, wie Rosstat meldete. Davleev zufolge reduzierten viele Unternehmen gezielt die Zahl der eingelegten Bruteier. Die Anpassung könnte den Ausstoß über die saisonale Sommerflaute hinaus begrenzen.
Auch in einigen Grenzregionen schwächte sich die Produktion ab. Die Betriebe im Gebiet Kursk erzeugten im ersten Halbjahr 54.800 Tonnen Schlachtgeflügel, ein Rückgang von 14,2%. Das Gebiet Belgorod entwickelte sich gegenläufig: Dort stieg die Produktion um 4,8% auf 384.300 Tonnen.
Großhandelspreise reagieren auf das knappere Angebot
Die Produktionskorrektur treibt bereits die Großhandelspreise. In der Woche vom 13. bis 19. Juli kosteten Masthähnchenschlachtkörper im Großhandel 235 Rubel je Kilogramm, 27% mehr als im Vorjahr. Grundlage sind Berechnungen von Marktteilnehmern für Branchenverbände. Filet verteuerte sich um 36% auf 418 Rubel je Kilogramm, Hähnchenschenkel um 29% auf 181 Rubel. Analysten beobachten den Preissprung seit Ende Juni.
Im Einzelhandel fiel der Anstieg bislang moderater aus. Der durchschnittliche Preis für gekühltes und gefrorenes Hühnerfleisch lag laut Rosstat im Juni bei 238,6 Rubel je Kilogramm, 5,1% über dem Vorjahreswert und damit unter der jährlichen Juni-Inflation von 6,02%. Nach Angaben von Stanislav Bogdanov, Vorsitzender des Verbands der Einzelhandelsunternehmen, bleibt das Angebot in den Handelsketten stabil. Je nach Ladenformat führen sie 16–280 Geflügelartikel, darunter 10–130 Hühnerfleischprodukte. Russische Ware stellt 95% des Sortiments; Importe kommen hauptsächlich aus Belarus.