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Rohmilchpreise unter Produktionskosten bringen slowakische Milchviehbetriebe in Bedrängnis

Die slowakischen Rohmilchpreise sind von etwa 0,50 € je Liter im Vorjahr auf rund 0,36 € gefallen und decken bei vielen Betrieben die Kosten nicht mehr. Die Erzeuger rechnen 2026 mit möglichen Branchenverlusten von 95 Millionen € und warnen vor einem weiteren Abbau des Milchkuhbestands.

Rohmilchpreise unter Produktionskosten bringen slowakische Milchviehbetriebe in Bedrängnis

Erzeugerpreise sinken unter die Betriebskosten

Slowakische Milchbauern warnen, dass der starke Rückgang der Ankaufspreise für rohe Kuhmilch die Betriebe in die Verlustzone drängt und einige zur Aufgabe ihrer Milchviehhaltung zwingen könnte. Nach Angaben von Hospodárske noviny lag der durchschnittliche Erlös im vergangenen Jahr bei rund 0,50 € je Liter. Dieses Niveau ermöglichte aus Sicht der Erzeuger einen normalen Betrieb. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres sank der Durchschnitt auf 0,40 €, inzwischen liegt der Preis bei etwa 0,36 €.

Miroslav Štefček, stellvertretender Vorsitzender der Slowakischen Landwirtschafts- und Lebensmittelkammer und Vorsitzender der Agrargenossenschaft Ludrová, bezeichnete Produktionskosten von weniger als 0,40 € je Liter als „wirtschaftliches Wunder“. In den Regionen Liptau und Orava seien die Kosten noch höher. Sein Unternehmen verzeichnet beim Vergleich der durchschnittlichen Milchpreise des vergangenen und des laufenden Jahres bereits einen Erlösausfall von fast 300.000 €.

Ähnlich ist die Lage bei der Agrargenossenschaft Kozárovce mit rund 300 Milchkühen. Laut Noviny.sk verliert der Betrieb derzeit etwa 0,10 € mit jedem Liter. Der Ankaufspreis sei binnen eines Jahres von 0,51 € auf 0,37-0,38 € gefallen, erklärte der Genossenschaftsvorsitzende Peter Repiský. Bei einer Jahresproduktion von 2,3 Millionen Litern erwartet der Betrieb einen Erlösausfall von 230.000-250.000 €.

EU-Überschuss belastet kleinere Erzeugerländer

Die Slowakische Landwirtschafts- und Lebensmittelkammer sieht die deutliche Überproduktion von Rohmilch in der Europäischen Union als einen Hauptgrund des Preisverfalls. Nach Darstellung der Bauern gelangen Überschüsse anderer Mitgliedstaaten ohne Mengenbegrenzung auf den slowakischen Markt. Das verschärft den Wettbewerb in einem kleineren Erzeugerland. Štefček zufolge hat die Slowakei den drittniedrigsten Milchpreis der EU; nur Ungarn und Litauen liegen darunter.

Die Milchviehhalter schätzen, dass die Gesamtverluste des slowakischen Sektors 2026 bis zu 95 Millionen € erreichen könnten, berichtete Noviny.sk. Zusätzlich erschwert die Dürre die Beschaffung ausreichender Futtermengen. Sinkende Milcherlöse und Futterengpässe treffen besonders Betriebe, die weiterhin Löhne, Tierhaltung und den langfristigen Aufbau ihrer Herden finanzieren müssen.

Der Preisrückgang wird in der Wertschöpfungskette nicht gleichmäßig weitergegeben. Die Bauern erklärten gegenüber Hospodárske noviny, dass sich billigere Rohmilch bei H-Milch und Butter bemerkbar mache, bei Joghurt und Käse jedoch weniger. Im Einzelhandel ist Milch dennoch deutlich billiger geworden: Von Noviny.sk zitierte Daten des Statistikamts zeigen für Juni einen Preis von 0,49 € je Liter Vollmilch. Im Juni 2024 waren es 0,63 € und ein Jahr später 0,76 €.

Betriebsaufgaben könnten Importabhängigkeit erhöhen

In der Slowakei gibt es nur noch etwa 100.000 Milchkühe. Die Erzeuger warnen, dass ein weiterer Bestandsabbau die Selbstversorgung mit Rohmilch schwächen und das Land stärker von Importen abhängig machen würde. Die Aufgabe eines Milchbetriebs wirkt langfristig, weil leistungsfähige Herden, Zuchtprogramme und Stallanlagen über Jahrzehnte entstehen. Repiský betonte, der Bestand in Kozárovce sei das Ergebnis jahrzehntelanger Zucht und Investitionen und lasse sich nicht innerhalb von ein oder zwei Jahren wiederaufbauen.

Landwirtschaftsminister Richard Takáč kündigte an, die Regierung werde bei der Europäischen Kommission auf die Anerkennung des Problems drängen. Die Slowakei hat die gekoppelte Unterstützung für Milchkühe bereits bis zur zulässigen Obergrenze angehoben. Bauern und Lebensmittelproduzenten fordern außerdem die Aktivierung der EU-Krisenreserve und Mittel zum Ausgleich der Verluste. Entscheidend ist nun, ob die Hilfe eintrifft, bevor anhaltend negative Margen weitere Betriebe zum Produktionsstopp bewegen.

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