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Mehr Regen stärkt Aussicht auf Rekordweizenernte in der Türkei

Die türkische Weizenernte könnte nach einem Anstieg der Niederschläge um 76 % gegenüber dem Vorjahr den Rekordwert von 24,5 Millionen Tonnen erreichen. Laut IAOM-Eurasia-Präsident Eren Günhan Ulusoy dürften die gute Ernte und hohe Lagerbestände kurzfristige Versorgungsrisiken für die Mühlen begrenzen.

Mehr Regen stärkt Aussicht auf Rekordweizenernte in der Türkei

Niederschläge verbessern die Produktionsaussichten

Die türkische Weizenernte dürfte einen Rekordwert von 24,5 Millionen Tonnen erreichen, nachdem die Niederschläge gegenüber dem Vorjahr um 76 % gestiegen sind. Das erklärte Eren Günhan Ulusoy, Eurasia-Präsident der International Association of Operative Millers, kurz IAOM. In einer von nGazete veröffentlichten Mitteilung sagte Ulusoy, die erfolgreiche heimische Ernte und hohe Lagerbestände sollten den türkischen Markt gegen kurzfristige Störungen der weltweiten Getreideversorgung abschirmen.

Ulusoy erwartet kurz- und mittelfristig keine Versorgungsprobleme auf dem Binnenmarkt. Die Prognose ist besonders für die türkische Mehlindustrie relevant, deren jährliche Produktionskapazität 32 Millionen Tonnen beträgt. Nach Angaben der IAOM hält die Türkei einen Anteil von 23 % am weltweiten Mehlhandel und ist seit 11 Jahren der größte Mehlexporteur der Welt. Mehr heimischer Weizen würde den Mühlen eine breitere lokale Rohstoffbasis geben; eine Prognose für die türkischen Weizenimporte oder Mehlexporte enthält die Quelle jedoch nicht.

Mühlen stehen vor einem volatilen Schwarzmeermarkt

Die besseren Aussichten in der Türkei stehen wachsenden Risiken rund um Russland und die Ukraine gegenüber. Laut Ulusoy betreffen die Angriffe inzwischen die Hafen- und Logistikinfrastruktur beider Seiten, darunter Ismajil und die Routen über das Schwarze Meer. Er bezeichnete die Lage als kritischer als zu Beginn der Krise 2022, als ukrainische Häfen geschlossen, russische Häfen aber geöffnet waren. Russland und die Ukraine liefern zusammen rund 30 % des weltweiten Weizens. Einschränkungen ihrer Exportkapazität wirken sich daher unmittelbar auf Preise und Beschaffung in regionalen Märkten aus.

Unter Verweis auf die jüngsten Schätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums bezifferte Ulusoy die erwarteten russischen Exporte infolge logistischer Blockaden auf 43-46 Millionen Tonnen und die ukrainischen auf 13,5 Millionen Tonnen. Zugleich verwies er auf die wachsende Rolle der USA, Kanadas und Kasachstans, während die Exportanteile Russlands und der Ukraine zurückgehen. Für türkische Verarbeiter könnte die größere Inlandsernte Transportstörungen und Preisschwankungen abfedern. Der Zugang zu alternativen Herkunftsländern bleibt dennoch wichtig, insbesondere für exportorientierte Mühlen.

Europäische Dürre eröffnet Exportchancen

Eine schwere Dürre in Europa drückt laut Ulusoy die Ernteerträge. Die türkischen Kapazitäten für Mehl und Backwaren sowie die logistische Position des Landes könnten dazu beitragen, einen Teil der regionalen Lücke zu schließen und neue Märkte zu erschließen. Die Chance liegt vor allem bei verarbeiteten Getreideprodukten: Die etablierte Mühlenindustrie kann verfügbaren Weizen zu Mehl für benachbarte Märkte verarbeiten, in denen Ernten oder die lokale Versorgung unter Druck stehen.

Der breitere eurasische Markt bleibt für diese Strategie zentral. Die Eurasia-Region der IAOM umfasst 32 Länder, mehr als 2 Milliarden Menschen und eine Wirtschaftsleistung von 7,1 Billionen $. Sie steht für 30 % der weltweiten Weizenproduktion und 55 % der globalen Mehlexporte. Die fünfte IAOM Eurasia Conference and Exhibition soll am 28.-29. September in Taschkent stattfinden und mehr als 1.000 Branchenvertreter zusammenbringen. Ulusoy hob Usbekistans Mühlenwirtschaft hervor, die kasachischen Weizen verarbeitet und Mehl in Nachbarländer exportiert. Die türkische Prognose von 24,5 Millionen Tonnen verbessert damit die Versorgungssicherheit der Mühlen; der wirtschaftliche Effekt hängt jedoch weiterhin von Qualität, Inlandsnachfrage und den Handelsrouten im Schwarzen Meer ab.

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