← Zurück zu den Nachrichten

Kleinere deutsche Apfelernte setzt Erzeuger durch Kosten und Importe unter Druck

Deutschlands Apfelernte dürfte rund 18 % kleiner ausfallen als im Vorjahr, nachdem Frost, Trockenheit, Hitze und die natürliche Alternanz die Erträge belastet haben. Niedrige Ladenpreise, günstige Importe und hohe Kosten schmälern die Erlöse der Erzeuger, während knappes Apfelsaftkonzentrat die Verbraucherpreise erhöhen könnte.

Kleinere deutsche Apfelernte setzt Erzeuger durch Kosten und Importe unter Druck

Weniger Äpfel und schwache Erlöse belasten deutsche Erzeuger

Die deutsche Apfelernte dürfte rund 18 % kleiner ausfallen als im Vorjahr, zeigen erste Schätzungen des Statistischen Bundesamtes, über die Tagesschau berichtet. Zunächst minderte Frost die Erträge, später folgten Trockenheit und Hitze. Hinzu kommt die Alternanz: Nach einer besonders großen Ernte tragen Apfelbäume von Natur aus weniger Früchte. Im Vorjahr war die Ernte auf Rekordniveau.

Der Rückgang ließ sich auch durch Kühlung und Bewässerung mit Elbwasser im Alten Land nicht verhindern. In Deutschlands größtem Obstanbaugebiet stehen rund 30 Millionen Apfelbäume; dort arbeiten mehr als 600 Obstbauern. Klimabedingte Risiken werden für die Produktion dauerhafter, während sich junge Betriebsinhaber zugleich mit dem Generationenwechsel und der Wirtschaftlichkeit heimischer Plantagen befassen müssen.

Niedrige Ladenpreise verdecken den Druck auf die Betriebe

Bei den Verbrauchern ist die kleinere Ernte bislang nicht angekommen. In der dritten Augustwoche kosteten Äpfel in deutschen Supermärkten und Discountern durchschnittlich 2,20 € je Kilogramm, teilte die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mit. Das waren 10 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Noch wurden Äpfel aus der Ernte 2025 vermarktet, sodass das Angebot vergleichsweise groß blieb.

Für die Erzeuger bringen diese Preise kaum Entlastung. Laut Tagesschau gelangen günstige Früchte aus Europa und Übersee auf den Markt, obwohl die heimischen Lager voll sind. Ware aus der Türkei, Griechenland und sogar Neuseeland kostet mitunter nur halb so viel wie deutsche Äpfel. Die hiesigen Betriebe tragen vergleichsweise hohe Energie- und Lohnkosten und können die Importpreise daher kaum ohne Margenverlust erreichen.

Das Problem hat besonderes Gewicht, weil Äpfel das beliebteste Obst in Deutschland sind. Nach Berechnungen der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse isst jeder Deutsche statistisch rund 90 Äpfel im Jahr. In den kommenden Monaten könnten die Preise steigen, wenn die Altbestände abnehmen und die kleinere neue Ernte auf den Markt kommt. Auch in anderen europäischen Ländern sinkt die Produktion, vor allem in Polen. Das Land besitzt Europas mit Abstand größte Apfelanbaufläche und liefert 30 % aller europäischen Äpfel.

Am Apfelsaftmarkt entsteht ein eigener Engpass

Der Verarbeitungsmarkt ist bereits angespannt. Nach Angaben des Verbandes der deutschen Fruchtsaft-Industrie wechseln mehr Verbraucher zu Apfelsaft, weil eine schlechte Orangenernte Orangensaft verteuert hat. Apfelsaftkonzentrat dient zudem als Süßungsmittel und wird anderen Fruchtsäften stärker beigemischt, wenn alternative Früchte teurer werden. Laut Tagesschau sind die europäischen Konzentratlager inzwischen leer.

Die schwache polnische Ernte bei Mostäpfeln verschärft die Knappheit. Fallobst und qualitativ schlechtere Früchte bilden einen wichtigen Rohstoff für Konzentrat. Zusätzlich beeinträchtigt die Insolvenz von STUTE die Versorgung. Der große Paderborner Hersteller produzierte Fruchtsäfte und Marmeladen, darunter Handelsmarkensäfte für Discounter.

Preisverhandlungen und neue Kulturen bestimmen den Ausblick

Alternative Safthersteller verlangen höhere Preise, weil Konzentrat fehlt und ein zentraler Verarbeiter aus dem Markt ausgeschieden ist. Aldi, das von der STUTE-Insolvenz besonders betroffen war, akzeptiert die Aufschläge laut Tagesschau nicht. Deshalb sind die Apfelsaftregale in vielen Aldi-Filialen seit Wochen weitgehend leer; auch andere Discounter melden ein knappes Angebot. Manche Obstbauern diversifizieren: Malte Somfleht baut im Alten Land Aprikosen an. Wärmere Bedingungen ermöglichen dort inzwischen die Kultur, die auf norddeutschen Wochenmärkten stark nachgefragt wird.

Vollständige Marktanalyse

Wir verwenden Cookies, um Ihr Surferlebnis zu verbessern, personalisierte Inhalte bereitzustellen und unseren Traffic zu analysieren. Durch Klicken auf "Alle akzeptieren" stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Sie können Ihre Einstellungen verwalten oder mehr erfahren in unserer Datenschutzrichtlinie.