Matcha-Boom treibt Japans Teeexporte – Insolvenzen im Teehandel auf Zehnjahreshoch
Der Exportwert japanischen Pulvertees ist in sechs Jahren um rund das Siebenfache gestiegen und zieht die Erzeuger in Yame in der Präfektur Fukuoka zum Matcha-Rohstoff Tencha. 2026 legten die Tencha-Mengen am lokalen Handelszentrum um etwa 50% zu, Blatttee verlor rund 10%. In Kyushu und Okinawa gaben 2025 20 Teebetriebe auf – so viele wie seit zehn Jahren nicht.
Die weltweit stark steigende Nachfrage nach Matcha verschiebt die Ökonomie des japanischen Teehandels: Pulvertee-Exporte und Rohstoffpreise ziehen an, während Händler mit klassischem Blatttee so schnell aufgeben wie seit zehn Jahren nicht mehr. Der japanische Sender FNN berichtete über diese Spaltung aus Yame, einer Teestadt in der Präfektur Fukuoka im Süden Japans.
Im Teefachgeschäft Ocha-mura in Yame kaufen ausländische Besucher vor allem Matcha-Pulver und Matcha-Süßwaren. Eine Person aus Thailand sagte FNN, an diesem Tag bereits zwei Geschäfte besucht zu haben; japanischer Matcha und der Name Yame seien in Thailand gut bekannt. Ein Gast aus Australien erklärte, Matcha sei dort derzeit sehr beliebt, kaufte Matcha-Pulver und Desserts auf Teeblattbasis und kehrte anschließend im angeschlossenen Café ein.
Pulvertee-Export in sechs Jahren versiebenfacht
Der Exportwert von Pulvertee nach Europa, Nordamerika, Südostasien und in weitere Märkte ist in sechs Jahren um rund das Siebenfache gestiegen – das geht aus einer Erhebung des japanischen Ministeriums für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei hervor, die FNN zitiert. Matcha ist damit vom Nischenprodukt zur taktgebenden Kategorie der gesamten Branche geworden.
Dieselbe Nachfrage zeigt sich in den Besucherströmen. In Yame stieg die Zahl der Übernachtungen ausländischer Reisender 2025 auf das 2,36-Fache des Vorjahres – der höchste Zuwachs in Kyushu und der vierthöchste landesweit. Die örtlichen Teefachgeschäfte sind fester Bestandteil dieser Routen geworden, gekauft werden vor allem Pulver und Matcha-Süßwaren.
Tencha verdrängt Blatttee in der Auktion
Yame ist vor allem für Gyokuro bekannt, den beschatteten Blatttee, der beim nationalen Wettbewerb 25 Jahre in Folge den ersten Platz belegt hat. Mit der Matcha-Nachfrage verarbeiten immer mehr Betriebe ihre Ernte zu Tencha, dem beschatteten Blatt, das zu Matcha vermahlen wird, statt zu Aufgusstee.
Am Teehandelszentrum von Yame lag die 2026 gehandelte Tencha-Menge laut FNN etwa 50% über dem Vorjahr, während Blatttee wie Gyokuro um rund 10% zurückging. Yusuke Koga, Vorstandsvorsitzender von Koga Seicha Honpo, sagte, seit den Auktionen des Vorjahres seien die Preise stark gestiegen: Wer das Blatt brauche, bekomme es nur noch mit hohen Geboten.
Zwanzig Teebetriebe in Kyushu und Okinawa verschwunden
Insolvenzen, Betriebsaufgaben und Auflösungen von teebezogenen Unternehmen in Kyushu und Okinawa summierten sich 2025 auf 20 Fälle – der höchste Wert seit zehn Jahren, so Tokyo Shoko Research. Am stärksten betroffen sind Firmen, deren Geschäft auf Blatttee beruht und die den Rohstoff nicht mehr zu Preisen beschaffen können, die ihre Kunden akzeptieren.
Die Inlandsnachfrage bewegt sich in die Gegenrichtung. Eine Erhebung des Ministeriums für Innere Angelegenheiten und Kommunikation zeigt einen Jahr für Jahr sinkenden Blatttee-Verbrauch je Haushalt, besonders junge Konsumenten trinken weniger davon. Koga sagte, es sei schwierig geworden, zu jenen Preislagen zu liefern, die Supermärkte für die breite Kundschaft brauchen: In manchen Regalen stehe nur noch teurer Tee, andernorts sei das Teeregal ganz verschwunden.
Traditionshäuser bauen ihr Sortiment um
Koga Seicha Honpo, vor mehr als 100 Jahren gegründet und auf Gyokuro aufgebaut, entwickelt seit 2026 eigene Matcha-Produkte, darunter Matcha-Pulver und einen speziellen Shaker. Zugleich produziert das Unternehmen Teebeutel aus Blatttee und arbeitet an den Zertifizierungen, die für den Verkauf im Ausland nötig sind, um einen Anteil jener Exportnachfrage zu sichern, die den Rohstoffmarkt antreibt.
Koga betonte, die Umstellung sei eine Entscheidung der Bauern, die auf den Preis reagierten; er wünsche sich Verhältnisse wie vor zwei oder drei Jahren zurück. Die für Yame typische traditionelle Hon-Gyokuro-Methode, die in ganz Japan hoch bewertet werde, solle erhalten bleiben.