Italien prüft ISMEA-Finanzierung für den unter Druck stehenden Olivenölsektor
Italien prüft ISMEA-Finanzierungen und mögliche AGEA-Maßnahmen für Olivenbauern, Ölmühlen und weitere Marktteilnehmer, die unter schwachen Preisen, Lagerbeständen und knapper Liquidität leiden. Geplant sind auch Gespräche mit Handel und Gastronomie, während im Senat 300 Millionen Euro für den nationalen Olivenplan beraten werden.
Regierung und südliche Regionen bewerten den Marktdruck
Das italienische Landwirtschaftsministerium prüft finanzielle und kommerzielle Maßnahmen für die Olivenölbranche, die vor Beginn der neuen Produktionskampagne unter Preisdruck, unverkauften Beständen und wachsendem Liquiditätsbedarf steht. Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida und Staatssekretär Patrizio La Pietra erörterten die Lage mit den Agrarverantwortlichen aus Apulien, Kalabrien, Kampanien und der Basilikata, den wichtigsten Erzeugerregionen Süditaliens.
Nach Angaben von Teatro Naturale entfallen auf die vier Regionen deutlich mehr als die Hälfte der italienischen Olivenproduktion. Il Dispaccio bezeichnet sie als Gebiete, in denen sich nahezu die gesamte nationale Olivenölproduktion konzentriert. Im Mittelpunkt des Treffens standen die Preisentwicklung, die noch eingelagerten Ölmengen und die Fähigkeit der Betriebe, Ernte und Verarbeitung in der bevorstehenden Kampagne zu finanzieren.
Das eingelagerte Öl bindet Betriebskapital in einer entscheidenden Phase des Produktionszyklus. Landwirtschaftliche Betriebe, Ölmühlen und Händler benötigen Mittel für die neue Ernte, während unverkaufte Ware ihren finanziellen Spielraum einschränkt. Den Berichten zufolge ist das Problem in den einzelnen Anbaugebieten unterschiedlich stark ausgeprägt.
Instrumente von ISMEA und AGEA werden geprüft
Erörtert wurden Finanzierungsinstrumente von ISMEA, darunter Hilfen, die an den Wert des gelagerten Öls gekoppelt sein könnten. Zudem prüften die Beteiligten mögliche Maßnahmen über AGEA. Weder das Finanzierungsvolumen noch die Förderkriterien oder der Zeitplan für diese kurzfristigen Optionen wurden bekannt gegeben.
Ziel ist es, den Unternehmen Liquidität zu verschaffen und zugleich vorhandene Bestände in den Markt zu bringen. Daraus ergibt sich ein schwieriger Zielkonflikt: Schnellere Verkäufe könnten gebundenes Kapital freisetzen, ein zusätzliches Angebot aber auch die Erzeugerpreise weiter belasten und die Erlöse von Olivenbauern und Verarbeitern schmälern.
Das Ministerium will außerdem Gespräche mit großen Handelsketten und dem Ho.Re.Ca.-Kanal führen, zu dem Hotels, Restaurants und Cateringunternehmen gehören. Diese Abnehmer sollen den Absatz und Verbrauch von Öl italienischer Herkunft stützen. Verbraucherwerbung läuft bereits; zugleich hat das Ministerium einen außerordentlichen Kontrollplan gestartet, um die Einhaltung der Regeln in der gesamten Lieferkette zu sichern.
Langfristiger Plan zielt auf Produktion und Xylella
Lollobrigida erklärte, neben den durch Xylella verursachten Produktionsausfällen verhinderten Marktschwankungen und unlautere Praktiken eine angemessene Wertschätzung des italienischen Öls und eine faire Vergütung für Erzeuger und Ölmühlen. Italien verfügt über mehr als 500 Olivensorten. Biodiversität, Qualität und Herkunft gelten der Regierung als zentrale Wettbewerbsvorteile.
Für die längerfristige Unterstützung wird im Senat die Maßnahme Coltivaitalia beraten. Sie sieht 300 Millionen Euro für die Umsetzung des nationalen Olivenplans sowie die Ernennung eines Sonderkommissars zur Bekämpfung von Xylella vor. Die Regierung fordert dabei eine enge Zusammenarbeit mit den Regionen.
Die politische Debatte umfasst damit zwei Zeithorizonte. ISMEA-Finanzierungen, mögliche AGEA-Maßnahmen und Gespräche mit Abnehmern sollen verhindern, dass die Lagerbestände den Start der nächsten Kampagne beeinträchtigen. Der nationale Olivenplan, die Xylella-Bekämpfung und eine stärkere Vermarktung der italienischen Herkunft zielen langfristig auf Produktionskapazität und Rentabilität. Endgültige Beschlüsse zu den kurzfristigen Hilfen wurden nicht gemeldet.