Indien-Neuseeland-Abkommen öffnet zollfreien Zugang und zielt auf 5 Milliarden $ Handel
Das Freihandelsabkommen zwischen Indien und Neuseeland soll im Oktober in Kraft treten. Indische Ausfuhren erhalten zollfreien Zugang für mehr als 8.200 Tariflinien, während Indien die Abgaben auf rund 95 % der neuseeländischen Exportprodukte senkt oder abschafft.
Inkrafttreten für Oktober vorgesehen
Das Freihandelsabkommen zwischen Indien und Neuseeland soll im Oktober in Kraft treten. Unterzeichnet wurde es am 27. April im Bharat Mandapam in Neu-Delhi. Nach Angaben von Jagran werden beide Regierungen den genauen Termin einvernehmlich festlegen.
Indische Waren erhalten in Neuseeland zollfreien Marktzugang für mehr als 8.200 Tariflinien. Erfasst sind Textilien, Bekleidung, Lederwaren, Schuhe, technische Erzeugnisse, verarbeitete Lebensmittel, Arzneimittel sowie Edelsteine und Schmuck. Zu den möglichen Profiteuren zählen arbeitsintensive Hersteller sowie kleine und mittlere Unternehmen, deren Markteintrittskosten sinken.
Vor dem Abkommen erhob Neuseeland auf mehrere wichtige indische Exporte Zölle von bis zu 10 %, darunter Keramik, Teppiche, Automobile und Fahrzeugteile. Der Wegfall verbessert die preisliche Wettbewerbsfähigkeit indischer Anbieter. Das tatsächliche Absatzwachstum hängt jedoch auch von Frachtkosten, regulatorischer Konformität und der Nachfrage im vergleichsweise kleinen neuseeländischen Markt ab.
Indien liberalisiert rund 95 % der neuseeländischen Exporte
Indien hat zugesagt, die Zölle auf rund 95 % der neuseeländischen Exportprodukte zu senken oder abzuschaffen. Zu den wichtigsten Begünstigten dürften Anbieter von Wolle, Wein, Kohle, Schaffleisch sowie Forst- und Holzprodukten zählen. Auch Exporteure von Kiwis, Äpfeln, Avocados und Blaubeeren könnten einen besseren Zugang erhalten.
Die Marktöffnung gilt nicht für sämtliche Agrarprodukte. Milch, Sahne, Käse, Joghurt und andere Milcherzeugnisse sowie Gewürze, Zucker und mehrere weitere Waren bleiben zum Schutz indischer Landwirte und heimischer Branchen ausgeschlossen. Damit wird Neuseelands Zugang in politisch sensiblen Bereichen, insbesondere bei Milchprodukten, begrenzt, während andere Rohstoff- und Industriewarengruppen liberalisiert werden.
Das Abkommen sieht außerdem eine landwirtschaftliche Zusammenarbeit vor, die indische Landwirte beim Anbau von Kiwis und Äpfeln unterstützen soll. Dadurch können technisches Wissen und Produktionserfahrung nach Indien gelangen, ohne den Zollschutz für sensible Agrarprodukte aufzuheben.
Investitionen und Ziele für den bilateralen Handel
Neuseeland hat sich laut Jagran bereit erklärt, Investitionen von bis zu 20 Milliarden $ in Indien zu fördern. Als Bereiche, in denen das Abkommen Beschäftigung und die Entwicklung von Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen unterstützen könnte, nennt der Bericht Investitionen, Fertigung, Agrarverarbeitung und Logistik. Die Formulierung beschreibt ein Förderziel und keinen detaillierten Zeitplan bereits zugesagter Projekte.
Die Quelle nennt zwei Kennzahlen für die gegenwärtigen Wirtschaftsbeziehungen. Der Warenhandel belief sich 2024-25 demnach auf rund 1,3 Milliarden $, während der gesamte Waren- und Dienstleistungshandel 2024 etwa 2,4 Milliarden $ erreichte. Da Zeiträume und Abdeckung voneinander abweichen, sind die Werte nicht unmittelbar vergleichbar.
Die Regierungen wollen den bestehenden Handel innerhalb der nächsten 5 Jahre auf rund 5 Milliarden $ steigern und damit die von Jagran genannte breitere Kennzahl für Waren und Dienstleistungen ungefähr verdoppeln. Indische Exporteure erhalten die umfassendere zollfreie Öffnung, während neuseeländische Lieferanten von einer weitreichenden, aber nicht vollständigen Liberalisierung profitieren. Die schnellsten Auswirkungen sind in Produktgruppen zu erwarten, in denen Zölle von bis zu 10 % entfallen und bereits funktionierende Logistikwege sowie regulatorische Zulassungen bestehen.