Hokkaidos Knoblauchanbaufläche verdoppelt sich binnen neun Jahren
Hokkaidos Knoblauchanbaufläche hat sich in den neun Jahren seit 2015 ungefähr verdoppelt. Die Präfektur ist damit Japans zweitgrößte Anbauregion, während regionale Marken, Verarbeitung und ein wärmeres Klima weiteres Wachstum begünstigen.
Der Knoblauchanbau verlagert sich nach Norden
Die Knoblauchanbaufläche in Hokkaido hat sich in den neun Jahren seit 2015 ungefähr verdoppelt, berichtet STV News Hokkaido. Damit ist die nördliche Präfektur zur zweitgrößten Knoblauchregion Japans aufgestiegen. Den größten Teil der heimischen Produktion stellt jedoch weiterhin die Präfektur Aomori.
Hinter dem Wachstum stehen sowohl die Anbaubedingungen als auch die Nachfrage. Yoshihito Arakawa, Gastprofessor an der Sapporo University of Health Sciences, sagte STV News Hokkaido, dass übermäßig hohe Temperaturen den Knoblauchanbau auf Japans Hauptinsel erschweren und die Erträge senken können. Mit der Erwärmung dürfte Hokkaido daher als Produktionsgebiet an Bedeutung gewinnen. Auch Japans alternde Bevölkerung und das stärkere Gesundheitsbewusstsein stützen nach seiner Einschätzung den Konsum.
Regionale Sorten werden zu Handelsmarken
In Tokoro, einem Teil der Stadt Kitami, wird seit der Meiji-Zeit eine einheimische Hokkaido-Sorte angebaut. Der Knoblauch kommt im Herbst in den Boden, überwintert dort und wird im Sommer geerntet. Durch die winterliche Kälte färbt sich seine Schale rosa — das wichtigste Merkmal der Marke Tokoro Pink Garlic. Roh besitzt die Sorte nach Angaben der Erzeuger eine ausgeprägte Schärfe, beim Garen entwickelt sie dagegen deutlich mehr Süße.
Wegen des anspruchsvollen Anbaus und der Alterung der Produzenten kultivieren in Tokoro heute nur noch acht Betriebe Knoblauch. Die örtliche Erzeugervereinigung bemüht sich dennoch um den Erhalt der Sorte. Tokoro Pink Garlic wird in Restaurants eingesetzt und war bereits Gegenstand von Kooperationen mit einer großen Convenience-Store-Kette und einem Süßwarenhersteller. Dadurch gewann die Marke auch außerhalb der Region an Bekanntheit.
Verarbeitung und Direktverkauf ergänzen das Einkommen
Ein weiteres Projekt begann 2017 in Biei in der Region Kamikawa mit dem Anbau von Diamond Garlic. Pflanzung, Ernte und Trocknung erfolgen vollständig von Hand; bis zum Versand dauert der Prozess mehr als ein Jahr. Das Unternehmen stellt außerdem gereiften schwarzen Knoblauch her und verkauft in einem Spezialgeschäft in Sapporo unter anderem Pastasauce, scharfe Sauce und Mayonnaise auf Knoblauchbasis.
Das Projekt verbindet Landwirtschaft, Verarbeitung und Einzelhandel im japanischen Modell des sogenannten sechsten Sektors. Landwirt Satoshi Arai erklärte gegenüber STV News Hokkaido, dass verarbeitete Produkte im Winter Einkommen schaffen können, wenn die landwirtschaftlichen Einnahmen sonst zurückgehen. Die Marke kommt außerdem in einem zeitlich begrenzten Suppencurry mit ungefähr sechs ganzen Knoblauchknollen zum Einsatz. Das zeigt, wie die Gastronomie Nachfrage nach differenzierten regionalen Produkten erzeugen kann.
Arbeitsaufwand begrenzt weiteres Wachstum
Die Temperaturunterschiede Hokkaidos prägen die Positionierung beider Marken. Die Erzeuger in Tokoro verbinden sie mit der rosa Schale und dem kräftigen Geschmack ihrer heimischen Sorte. Das Diamond-Garlic-Projekt betrachtet Klima und Agrarflächen Hokkaidos als günstig für die Entwicklung der Pflanzen. Ausreichender Regen sorgte in Tokoro zuletzt zudem für eine gute Knollengröße.
Die verdoppelte Fläche zeigt, dass Knoblauch in Hokkaidos Landwirtschaft an Bedeutung gewinnt. Die lediglich acht Betriebe in Tokoro verdeutlichen jedoch die Grenzen durch arbeitsintensive Verfahren und alternde Erzeuger. Das weitere Wachstum hängt nicht nur vom Wetter ab, sondern auch davon, ob frischer Markenknoblauch, verarbeitete Lebensmittel und Restaurantkooperationen während eines Produktionszyklus von mehr als einem Jahr genügend Wert für die Betriebe schaffen.