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Höhere Milchleistung stabilisiert Russlands Produktion trotz kleinerer Rinderherde

Russland hält seine Milchproduktion trotz sinkender Rinderbestände durch bessere Genetik, Fütterung und Betriebsführung auf hohem Niveau. Staatliche Zuschüsse und die Konsolidierung der Betriebe fördern Investitionen, während hohe laufende Kosten und lange Produktionszyklen kleinere Höfe belasten.

Höhere Milchleistung stabilisiert Russlands Produktion trotz kleinerer Rinderherde

Produktivität gleicht sinkende Tierzahlen aus

Russlands Rinderbestand ist zurückgegangen, wie KP.RU unter Berufung auf Rosstat berichtet. Der Rückgang hat jedoch keinen entsprechenden Milchmangel ausgelöst. Das Angebot bleibt reichlich, während die Milchpreise sinken. Entscheidend ist laut der Publikation die höhere Leistung je Tier und nicht ein verstärkter Einsatz von Milchpulver oder pflanzlichen Fettersatzstoffen.

Verbesserte Genetik, ausgewogene Rationen, tierärztliche Überwachung und bessere Haltungsbedingungen ermöglichen es kommerziellen Betrieben, mit kleineren Herden mehr Milch zu erzeugen. Für Verarbeiter und Rohmilchkäufer ist diese Entwicklung wesentlich: Die Mengen können trotz rückläufiger Tierzahlen stabil bleiben, doch das Angebot hängt zunehmend von effizienten und kapitalstarken Betrieben ab.

Holstein-Genetik erhöht die Milchleistung

Der Familienbetrieb Tsvetkov in der Region Moskau zeigt dieses Modell. Das Unternehmen hält mehr als 600 Rinder, darunter rund 300 Milchkühe, und produziert jährlich über 200 Tonnen Milch. Den größten Teil kaufen Käsehersteller, die Milch mit ausreichenden Fett-, Kalzium- und Kaseinwerten für einen festen Käsebruch benötigen. Der Betrieb stellt außerdem Joghurt, Käse und Quarkdesserts her.

Der Betrieb entschied sich wegen der Milchleistung und des Fettgehalts für Holstein-Rinder. KP.RU zufolge lieferten Kostroma-Kühe früher während einer rund 300-tägigen Laktation durchschnittlich 3,5-5 Tonnen. Holstein-Kühe erreichen heute 9-12 Tonnen, Spitzenkühe bis zu 16 Tonnen. Beim Betrieb Tsvetkov stieg der Durchschnitt von 7 Tonnen je Kuh im Jahr 2018 auf 9,2 Tonnen. Angestrebt werden 10-11 Tonnen, ohne die Tiergesundheit zu beeinträchtigen.

Russland importierte zwischen 2000 und 2012 mehr als 266.000 Holstein-Zuchttiere aus den USA und Europa, wie KP.RU unter Berufung auf das Landwirtschaftsministerium berichtet. Holstein-Genetik wurde bereits in der Sowjetzeit zur Verbesserung einheimischer Schwarzbunt- und Rotbunt-Rassen eingesetzt. Kreuzungen verbinden höhere Leistung mit einer besseren Anpassung an das russische Klima und die lokalen Haltungsbedingungen. Wissenschaftler warnen jedoch, dass eine umfassende Holsteinisierung die Rassenvielfalt verringern und heimische Genressourcen verdrängen kann.

Technik und Kosten bestimmen die Wirtschaftlichkeit

Hochleistungskühe erfordern eine präzise Betriebsführung. Der Hof überwacht die Aufnahme von Faserstoffen, Eiweiß und Vitaminen, führt biochemische Blutuntersuchungen durch und nutzt eine Software mit Angaben zu Abstammung, Impfungen, Besamungen und täglichen Milchmengen jedes Tieres. Holstein-Kühe erreichen einen Milchfluss von 3,5 Litern pro Minute. Eine Kuh, die bei einem Melkvorgang 30 Liter liefert, kann damit in weniger als 10 Minuten gemolken werden.

Die wirtschaftlichen Anforderungen bleiben hoch. Nach Schätzung des Betriebs Tsvetkov kosten Futter, Pflege und weitere Aufwendungen 1.500 Rubel je Kuh und Tag. Eine Milchkuh liefert erst etwa zwei Jahre nach ihrer Geburt erstmals Milch. Holstein-Färsen können ab einem Alter von 12 Monaten besamt werden, sofern sie mehr als 400 Kilogramm wiegen. Gegenüber der früheren Besamung mit 16-18 Monaten kommt der erste Ertrag damit 4-6 Monate früher. Gesextes Sperma kann zudem in 90-95 % der Fälle weibliche Kälber hervorbringen und die Bestandserneuerung beschleunigen.

Zuschüsse fördern größere Betriebe

Die Familie erwarb den insolventen Hof 2018 bei einer Auktion und baute ihn mit einem Startbudget von rund 150 Millionen Rubel wieder auf. Darin enthalten war ein nicht rückzahlbarer staatlicher Zuschuss von 36 Millionen Rubel. Ende Juli führte die russische Regierung einen weiteren Zuschuss für kleine Betriebe ein, die ihre Expansion beschleunigen wollen; die Förderung kann bis zu 265 Millionen Rubel betragen. Damit lassen sich Tiere und Maschinen finanzieren, doch die Empfänger müssen weiterhin Eigen- oder Fremdkapital beisteuern. Dies dürfte die Konsolidierung verstärken: Betriebe mit Investitionsmöglichkeiten in Genetik, Futter, Verarbeitung und Vertrieb können die Produktion bei sinkendem Gesamtbestand am ehesten halten.

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